Direkt zum Inhalt

Bierland wird Weinland?

08.10.2015

Der Klimawandel sorgt für Weinbau in „exotischen“ Bundesländern Österreichs

Wolfgang Költringer bei der Lese, 2015 wird „etwas Besonderes“.

Text: Bernadette Altenburger

Wenn Wolfgang Költringer erzählt, was er beruflich macht, blickt er oft in erstaunte Gesichter. Dabei ist seine Tätigkeit alles andere als außergewöhnlich: Er ist Winzer. Außergewöhnlich ist aber, wo er Wein macht. Sein Betrieb ist nicht in einem der klassischen Weinbauregionen „Weinland“ (Niederösterreich, Burgenland, Wien) oder „Steirerland“ (Steiermark) angesiedelt, sondern in Oberösterreich. Gemeinsam mit Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg wird es in der Weinbauregion „Bergland“ zusammengefasst.

Im Innviertel, nicht unweit der deutschen Grenze, bewirtschaftet er 2,5 Hektar Weingärten. Ein geschichtsträchtiger Boden für Wein, denn Oberösterreich erlebte zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert eine Hochblüte des Weinbaus. Klimaänderungen dürften schließlich den Niedergang des Weines bedeutet haben. Eben diese klimatischen Veränderungen unter verkehrten Vorzeichen waren – neben der Faszination Wein – Beweggründe für Költringer, auf Wein umzusatteln. 2003 begann er mit Auspflanzungen und erweiterte sukzessive seine Flächen. Fünf bis sechs Hektar sollen es werden.

Weine aus dem „Innviadl“
Durch seine Tätigkeit bei Saatbau und Maschinenring hat sich Költringer das nötige Wissen in Theorie und Praxis angeeignet. „Das Innviertel eignet sich nicht nur aufgrund seiner Böden für Weinbau, sondern auch weil wir ein warmes gemäßigtes Klima haben und die Hagelgefahr die letzten Jahrzehnte sehr gering ist“, berichtet er. Im Weingarten wird intensive Laubarbeit und Ertragsreduktion betrieben, um eine gute Traubenreife zu erlangen. 2015 dürfte etwas Besonderes werden, so der Winzer: „Ich habe eine große Freude mit den Zuckergraden, der Gesundheit und den Aromen der Trauben. Wir werden versuchen, Traubenmaterial länger hängen zu lassen, um zum Beispiel Eiswein zu machen.“ Eiswein wird aus Trauben gemacht, die bei der Lese und beim Pressen auf natürliche Weise gefroren sein müssen. Diese Süßweine sind sehr rar.

Zurzeit gibt es sechs „Innviadla“-Weine: „Neidoafoans“ (die Adresse Neudorf 1 im Dialekt) ist ein Rivaner, „Weddlina“ eine Cuvée aus Frührotem und Grünem Veltliner und „Dreia“ eine Cuvée aus Chardonnay, Weißburgunder und Gelbem Muskateller. Der Chardonnay heißt „Schadonee“, der Rosé „Leichtroda“ (Sieger bei der Rosé-Weinshow der OÖ Nachrichten) und eine Cuvée aus Blauburger und Zweigelt „Gonsroda“. 

www.koeltringer.net

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Die Zukunft des alpinen Tourismus muss mit dem Klimawandel rechnen.
Tourismus
06.06.2017

Mit einem in Europa einzigartigen Förderprogramm werden heimische (Tourismus-)Regionen mit bis zu 40.000 Euro bei der Planung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel unterstützt ...

Die Kuhhörner mit den Kuhdung-Knödeln und dem Hornkiesel, die Familie Fritsch zu Ostern ein- und ausgegraben hat.
Wein
25.04.2016

In der letzten ÖGZ ging es um den Unterschied zwischen konventionellem und integriertem Weinbau. Im zweiten Teil erfahren wir nun, was es mit der Biodynamie auf sich hat.

Winzer Reinhard Waldschütz (l.) und Wirt Karl Meixner (r.)
Wein
11.04.2016
In der Weinbranche geht der Trend deutlich zur naturnahen Weinbereitung. Aber was ist nun genau der Unterschied zwischen konventioneller, Bio- oder bio-dynamischer Bewirtschaftung?
Meinung
26.02.2015
Produkte
24.11.2014

Die Energiewende wird selten sachlich diskutiert. Rasch kommen Mutmaßungen, gefühlte Wahrnehmung oder Mythen ins Spiel. Eine neue Website soll jetzt Klarheit schaffen.

Werbung