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Claudia Reitterer und Clemens Westreicher präsentieren die aktuellen Kennzahlen der Branche

Bitte lasst uns arbeiten!

16.01.2017

Auf ihrem Jahreskongress präsentierte die ÖHV eine Branchenstudie der österreichischen Hotellerie und präzisierte ihre Einwände beziehungsweise Ergänzungen zur jüngst vorgestellten sehr positiven Einschätzung der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank ÖHT

„Unsere Betriebe in der internationalen Auslage sind top“, sagte ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. Vor allem den Hotels im Westen gehe es gut. Und gerade deren Bilanzen hätten die positive Einschätzung der ÖHT und des Wirtschaftsministeriums geprägt. Aber wenn man genauer hinsähe, böte sich dann doch ein anderes Bild, mit durchaus gemischten bis besorgniserregenden Zahlen.

Jeder vierte ein Lowperformer

Der Branchenexperte Clemens Westreicher hat im Auftrag der ÖHV mehr als 3000 Bilanzen aus 2010 und 2015 analysiert. Sein Ergebnis: Über die gesamte Hotellerie hinweg sind die Umsätze im Beobachtungszeitraum um 27% gestiegen, die Kosten aber um 29%. „Das rückt die oft gefeierten Nächtigungsrekorde ins rechte Licht: Die Steuern, Abgaben und Gebühren galoppieren den Zimmerpreisen davon“, sagte dazu Reitterer. „Schaffen wir bei Steuern und Bürokratie nicht bald den Turnaround, werden sich die Betriebsschließungen fortsetzen.“ Denn auch das geht aus der Branchenanalyse hervor: In den letzten sechs Jahren sank die Zahl der Hotels, Gasthöfe und Pensionen um 6%.

Reitterer und Westreicher sprechen von „Lowperformern“ und beziffern deren Anteil auf rund 25 Prozent. Ihr GOP beträgt lediglich 5% vom Umsatz (bei den Topbetrieben, zu denen Westreicher ebenfalls 25% der 5000 Hotelbetriebe in ganz Österreich zählt, liegt der GOP bei 28%) und der Chashflow nach Zinsen ist negativ. Auch die breite Mitte der Betriebe wendet für Zinsen und Tilgung von Krediten immerhin 80% des Cashflows auf, ihr GOP liegt bei durchschnittlich 18%. Der Ertrag in der Hotellerie sei im Vergleich zu anderen Branchen relativ hoch, aber der Kapitalaufwand dafür eben auch überdurchschnittlich.

Ausstiegsszenarien

Dass die Lowperformer nicht schließen, liege oft daran, dass sie es sich schlicht nicht leisten können, sie würden sofort in die Privatinsolvenz rutschen. Also machen sie weiter, so lange es noch irgendwie geht und schaden mit Dumpingpreisen und schlechter Ausstattung oft einer ganzen Region. Auch der Mitte fehle es an Geld für Investitionen und Innovationen, die Preisdurchsetzung sei zu schwach. Gehe das so weiter, seien auch diese Betriebe massiv gefährdet.

Reitterer ruft nach Hilfsmaßnahmen, um die „Marktbereinigung in geordnete Bahnen zu lenken“ und will diese mit dem Wirtschafts- und Finanzministerium, der ÖHT und den Gemeinden sondieren. Sie schlägt zum Beispiel alternative Nutzungen der Hotelimmobilien oder wenigstens der Grundstücke vor: „Gemeinden benötigen Seniorenwohnheime, Jungfamilien leistbare Startwohnungen, Betriebe Mitarbeiterhäuser“.

Um der breiten Mitte der Betriebe zu helfen, fordert Reitterer rasches Handeln: eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten, die Rücknahme der Umsatzsteuererhöhung und eine Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Auch die Abschreibungsdauer von 40 Jahren auf Investitionen seien völlig realitätsfremd. Das Verbot der Ratenparität und die Investitionszuwachsprämie seien gute Schritte in die richtige Richtung, für die sich die Präsidentin auf dem ÖHV-Kongress in Bad Ischl ausdrücklich bei der Politik bedankte. Aber es müsse mehr kommen. Zum Beispiel bei der anstehenden Reform der Gewerbeordnung und beim Umgang mit der konkurrierenden Sharing Economy.

Krise noch nicht vorbei

Die Krise sei für zwei Drittel der Branche noch längst nicht vorbei. Damit Österreich wirtschaftlich wieder an die Weltspitze zurückkehren könne, brauche das Land den Tourismus. „Tourismuspolitik muss in jeder Standortpolitik wesentlich vertreten sein“, fordert sie. „Der Tourismus rettet jedes Jahr die Handelsbilanz. Ohne Tourismus wäre Österreich westlich von Wien zahnkrank, würden ganze Regionen absterben.“ Angesichts dieses Beitrages sieht sie die Belange ihrer Branche nicht angemessen gewürdigt. „Bitte lasst uns arbeiten, macht unsere Arbeit leichter und flexibler“, appelliert sie an die Politik.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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