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Blaue Bohnen im Café

30.05.2007

Bereits zum dritten Mal gibt es „Blaue Bohnen im Café“. Bei der Krimi-Nacht am 1. Juni 2007 werden internationale Krimi-Stars wie Petros Markaris, Veit Heinichen, Magdalen Nabb und die österreichischen Star-Autoren wie Gabriel Barylli, Stefan Slupetzky oder Sabine Naber aus ihren Krimis in vielen Wiener Kaffeehäusern lesen.

Die dritte Auflage von „Blaue Bohnen zum Kaffee“, dieses größten Festes des Krimi-Genres, steigt am Freitag, den 1. Juni 2007 in vielen Wiener Kaffehäusern, und diesmal nicht nur in Wien, sondern sogar in halb Europa: Von Berlin über Budapest bis Palermo werden bei der Krimi-Nacht im Kaffeehaus Krimi-Autoren aus ihren Werken vorlesen - ein österreichisches Konzept auf internationalem Erfolgskurs!

Ethno-Krimi
Aber nicht nur die Krimi-Nacht wird international, auch das gesamte Krimi-Genre hat sich gerade in den letzten Jahren stark gewandelt: Waren die Schauplätze von Kriminalromanen früher fast nur die USA oder England, von Raymond Chandler über Mickey Spillane bis Sir Arthur Conan Doyle, mit der Ausnahme Georges Simenon und vielleicht noch „Hercule Poirot“, so gibt es nun bereits eine Fülle von lokalen Ermittlern, Polizisten und Detektiven, vor allem über ganz Europa verteilt, dass man fast vom Phänomen der „Ethno-Krimis“ sprechen kann: Donna Leon läßt in Venedig ermitteln, Henning Mankells „Kurt Wallander“ ist in Stockholm auf der Spur, der Maresciallo Guarnaccia der Italo-Engländerin Magdalen Nabb verfolgt Verbrecher in Florenz, Petros Markaris hetzt seinen meist mit der Welt hadernden Kommissar Kostas Charitos durch den „Hades“ der Athener Verkehrshölle, und auch Wien kann da in den letzten Jahren sehr gut mithalten: Stefan Slupetzky mit seinem „Lemming“ etwa, der 2004 mit dem Glauser-Preis der Vereinigung deutschsprachiger Kriminalautoren ausgezeichnet wurde, oder die diesjährige Preisträgerin, Sabine Naber.

Globalisierte Krimi-Kunst
All diesen Autoren ist gemeinsam, dass starkes Lokalkolorit in die Werke einfließt, oftmals verbunden mit sozialkritischen Elementen - im Zuge der internationalen Globalisierung eine Bewegung in die Regionen, die damit wiederum in die Welt hinausgetragen werden - und die Welt auch interessieren. Diesem Trend trägt auch die 3. Krimi-Nacht Rechnung und präsentiert dementsprechend Autoren aus aller Herren Länder:
Aus Triest kommt der 1957 in Deutschland geborene Veit Heinichen. Nach Triest, seiner zukünftigen Heimatstadt, kam er erstmals 1980 und hier erweckte er auch Commissario Proteo Laurenti zum Leben, der in bislang 4 Romanen (Gib jedem seinen eigenen Tod, 2001; Die Toten vom Karst, 2002; Tod auf der Warteliste, 2003; Der Tod wirft lange Schatten, 2005) den Verbrechern in der Stadt am Karst auf der Spur ist. Seine Krimis wurden ins Italienische, Niederländische, Spanische, Französische, Slowenische und Norwegische übersetzt. Neben seinem literarischen Schaffen ist er Autor kulturhistorischer Beiträge, verfasste zusammen mit der Triestiner Starköchin Ami Scabar das kulturgeschichtlich-kulinarische Reisebuch „Triest – Stadt der Winde“ und erfand quasi den „kulturwissenschaftlichen Kriminalroman“.
In Palermo arbeitet der 1948 geborene Santo Piazzese als Biologe an der dortigen Universität und teilt mit seiner Romanfigur Lorenzo La Marca nicht nur den Beruf, sondern auch seine Liebe zum Jazz und zum Kino und läßt ihn etwa in „Das Doppelleben von M. Laurent“ hinter Antiquitätenschmugglern herjagen. „Ich bin durch und durch Naturwissenschafter. Bei meiner Arbeit als Forscher habe ich festgestellt, daß die Vorgehensweise eines Ermittlers bei einem Mordfall meiner ähnelt - es ist die gleiche Art von unvoreingenommener Recherche.“
Aus Florenz kommt, wie schon im Vorjahr, die Italo-Engländerin (und bekennende Wien- und Wein-Freundin) Magdalen Nabb, deren Maresciallo Guarnaccia schon seit Jahren erfolgreich am Arno ermittelt. Ihrem Debut-Roman aus dem Jahre 1981, „Tod eines Engländers“, wurde von niemand Geringerem als Georges Simenon mit einem „Bravissimo!“ besonderes Lob gespendet. Zwischen Istanbul und Berlin pendelt Esmahan Aykol, 1970 in Edirne geboren. Nach einem Jus-Studium versuchte sie sich auch als Bar-Besitzerin und landete mit ihrem Erstlingsroman „Hotel Bosporus“ um die Krimi-Buchhändlerin Kati Hirschel, die zur Detektivin avanciert, einen Sensationserfolg sowohl in der Türkei wie auch in Deutschland.

Leben gegen Rassismus
Und Petros Markaris, einer der ganz Großen der internationalen Krimi-Szene, hat ganz besondere Österreich-Bezüge: Als Sohn eines armenischen Kaufmannes und einer griechischen Mutter in Istanbul (1.1.1937) geboren, besuchte er das berühmte österreichische Gymnasium in Istanbul und studierte nach seinem Abitur auch einige Jahre in Wien. Er spricht und schreibt Griechisch, Türkisch und Deutsch (so übersetzte er Goethes „Faust I“ und „Faust II“ oder Brechts „Mutter Courage“) und hatte eine Zeitlang sowohl die griechische als auch die türkische Staatsbürgerschaft.
Markaris war Co-Autor des weltberühmten griechischen Filmemachers Theo Angelopoulos und rief eine überaus beliebte griechische Krimi-Serie („Anatomie eines Verbrechens“) ins Leben, für die er 65 Drehbücher in drei Jahren schrieb – danach brauchte er Abstand vom Fernsehen und erfand seinen Kommissar Kostas Charitos, einen ewig vor sich hingrantelnden Kleinbürger, der prinzipiell nur Lexika liest, am liebsten (wie Markaris selbst) Souvlaki aus dem Stanitzel isst und seine Vorurteile pflegt: „Gegen zwei Dinge im Leben habe ich eine unüberwindliche Abneigung: Gegen Rassismus und Schwarze.“ Nichtsdestotrotz verfolgt er unerbittlich auch Verbrechen gegen Randgruppen (wie etwa an Albanern in seinem 1995 erschienenen „Hellas Channel“, in das auch die Erfahrungen von Markaris mit dem Fernsehen einflossen) und handelt bei der Aufklärung seiner Fälle ohne Zögern oft gegen die Anweisungen seiner Vorgesetzten. Zur Komplexität Charitos gehört auch, dass er an den Folterungen während des Obristenregimes teilnahm und mittlerweile mit einem seiner damaligen Opfer befreundet ist.

Reich und Schön
In „Nachtfalter“ (1998) schickt Markaris seinen Kommissar in die Welt der Athener Bouzouki-Bars mit den dazugehörigen Schönen und Reichen: „Die wahren Verbrecher haben heute keine Schusswaffen mehr, sie sitzen in teuren Häusern und tätigen von dort aus ihre „Geschäfte“. Das wahre Verbrechen ist globalisiert und investiert Geld ins Verbrechen, damit macht man das ganz große Geld und diese wahren Verbrecher sind sehr schwer zu fassen. Was mich interessiert, ist die Verknüpfung von sozialen Umständen mit menschlicher Tragödie.“ Und über sein hassgeliebtes Athen: „Athen ist eine rasende Stadt, in der sich nichts bewegt. Ich glaube, die Athener leben tagsüber in der Hölle, damit sie in der Nacht einen Platz im Paradies haben.“ Aber auch die österreichischen Autoren kommen bei der 3. Krimi-Nacht in den Wiener Kaffeehäusern nicht zu kurz: Allen voran der überaus erfolgreiche Theater-Autor Gabriel Barylli, der seinen neuen Roman „Ballerina“, in dem es um einen Mordfall in der Opernwelt geht, im Café Landtmann vorstellt (in dem auch Veit Heinichen lesen wird), Stefan Slupetzky wird im Thalia Wien 3“ zu erleben sein, Adi Hirschal im Café Korb aus dem neuen Buch der diesjährigen Glauser-Preisträgerin Sabine Naber „Der letzte Engel springt“ lesen (Naber selbst im Cafe Stein), Wolfgang Böck, als „Trautmann“ selbst Krimi-erprobt, liest im Café Hummel Peter Pausweck, Eva Rossmann wird auf der „summerstage“ lesen und kochen !!!!, Mundl-Legende Ernst Hinterberger, soeben mit dem „Goldenen Rathausmann“ ausgezeichnet, präsentiert seinen neuen Roman „Mord im Prater“ im Café Museum, Bibiane Zeller ist mit Petros Markaris in der Fernwärme Wien zu sehen, Esmahan Aykol in der Hauptbücherei, Santo Piazzese natürlich im neuen „Cafe Markusplatz“ in der Inneren Stadt, Thomas Raab im Radiokultur- Café oder Edith Kneifl in der Wienbibliothek im Wr. Rathaus, und und und ...
Günter Ferstl, Obmann der Fachgruppe Wiener Kaffeehäuser, freut sich auf die bereits dritte Kriminacht: „Nach dem überaus großen Erfolg bei der Premiere konnten wir im letzten Jahr die Anzahl der teilnehmenden Kaffeehäuser noch mehr als verdoppeln, in manchen lasen sogar zwei Autoren zu unterschiedlichen Zeiten! Wir wollen mit dieser Aktion durchaus die Erinnerung an die großen Zeiten der Wiener Literaten-Cafés aufrechterhalten, gleichzeitig aber auch unsere Kaffeehäuser als Orte der Begegnung vorstellen.“
In diesem Jahr werden wieder über 60 Autoren und Vortragende in über 40 Kaffeehäusern zu erleben sein. Der Eintritt ist wie gewohnt frei, die Reservierungen erfolgen direkt im ­Kaffeehaus.

Info:
www.wiener-kaffeehaus.at, www.kriminacht.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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