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Boomender Städtetourismus

06.05.2005

Mehr als ein Drittel des europäischen Gesamttourismus entfällt auf den Städte- und Kulturtourismus.

Die Nächtigungen in europäischen Städten stiegen in den 90er-Jahren kontinuierlich und erreichten im Jahr 2000 einen Höhepunkt mit 331 Mio. Sie sanken danach, wobei wahrscheinlich der „Millenniums-Effekt“, sicher aber die Auswirkungen des 11. 9. 2001 eine Rolle spielten und standen 2002 bei 298 Mio.
Das Jahr 2003 brachte die Trendwende mit knappen 3% Zuwachs, zu dem der Inlandstourismus des jeweiligen Landes und die europäischen Quellmärkte überproportional beigetragen haben, und dieser Trend setzte sich 2004 fort.
Im heurigen März veröffentlichte die Forschungsgruppe der ETC (European Travel Commission) und WTO (World Tourism Organization) eine umfassende Untersuchung zum Thema „Städtetourismus & Kultur“. Darin wurden aktuellste quantitative und qualitative Daten verarbeitet und analysiert, und aus den Ergebnissen zeichnen sich maßgebliche Trends für die Zukunft des Städtetourismus ab.

Das Volumen
Städtereisen (Punkt zu Punkt) und Kultururlaube (Stadtaufenthalt im Rahmen einer Rundreise oder eines Erholungsurlaubs) machen gemeinsam über ein Drittel des gesamten Tourismusmarkts in Europa aus (Kultururlaub 20%, Städtereise 16%).

Die Besucher
Kulturelles Interesse geht aus diversen Untersuchungen als das stärkste Motiv für Städtereisen hervor, obwohl relativ wenige Besucher sich selbst als „Kultur-Touristen“ bezeichnen. Die meisten sehen sich als Städtetouristen, ihr Aufenthalt ist aber stark von kulturellen Aktivitäten geprägt. Kultur- und Städtetourismus sind daher eng miteinander verbunden.
Kulturtourismus im Rahmen von Städtereisen wird von allen Altersgruppen ausgeübt, am stärksten von der Gruppe zwischen 20 und 30. Ältere Besucher (über 50) besuchen zwar mehr kulturelle Attraktionen bei einer Städtereise, doch Kulturtourismus umfasst mehr als diese Tätigkeit: Neben die traditionellen/klassischen Kernbereiche wie historisches Erbe, Kunst, Geschichte, Volkskunde etc. (Primärelemente) sind diverse moderne Formen der Unterhaltung, Lifestyle, Design, ethnische Spezialitäten, Folklore u. v. m. (Sekundärelemente) getreten, die den Kulturbegriff prägen und gerade im Städtetourismus zusehends an Bedeutung gewinnen.

Marktentwicklung
Die Nachfrage nach Kultur-/ Städtereisen wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren steigen. Asien wird dazu überproportional beitragen. Gleichzeitig wird die Konkurrenz für die europäischen Destinationen verschärft: u. a. durch stärker werdende Mitbewerber in Europa (z. B. die Städte der neuen EU-Mitgliedsländer, Städte, die erst durch Low Cost Carriers erschlossen wurden oder werden), aber auch auf anderen Kontinenten (vor allem Asien und Amerika).

Chancen
Verlieren werden jene „Big Player“, die zu lange ein traditionelles Image in den Vordergrund gestellt haben. Profilieren werden sich jene Städte, die attraktive Angebote bei den kulturellen Sekundärelementen entwickelt haben.

Produktentwicklung
Innovationen im Städtetourismus werden immer entscheidender angesichts des immer stärker „reiseerfahrenen“, abwechslungshungrigen Publikums und der immer leichteren Erreichbarkeit (verkehrstechnisch und ökonomisch) von immer mehr Destinationen. Dabei geht es sowohl um neue Attraktionen als auch, und sogar besonders, um „Atmosphärisches“ (Flair, Lifestyle, Gastronomie, Design etc.), also kulturelle Sekundärelemente bzw. die „Creative Industries“, die die Destinationen in den Clustern 5 und 6 charakterisieren.

Kommunikation
Da Städtetouristen immer mehr Wert auf die genannten Sekundärelemente legen, ist dies auch im Marketing entsprechend zu berücksichtigen, und zwar keineswegs nur inhaltlich, sondern auch formal – vom optischen Auftritt über den sprachlichen Gestus bis zur Wahl der Medien.
Die generell steigende Bedeutung des Internets im Tourismus kommt im Städtetourismus besonders zum Tragen, da hier langfristige Informations- und Ticketbeschaffung für Veranstaltungen entscheidende Faktoren sind.

Wiens Positionierung
„Wien kann trotz des geringen Volumens seines Heimatmarktes auf eine ausgezeichnete Positionierung als europäische Städtedestination verweisen: Bei den Gesamtnächtigungen in europäischen Städten stand es 2003 an siebenter Stelle, gemessen an den Ausländernächtigungen an fünfter Stelle“, freut sich der Wiener Tourismusdirektor Mag. Karl Seitlinger.
Ein Zuwachs konnte an Attraktionen im primären Bereich wie etwa MuseumsQuartier, Albertina, Liechtenstein Museum und Sisi Museum erzielt werden.
Auch die Sekundärelemente wie Unterhaltungsangebot (z. B. Birdland), die Gastronomie (z. B. Open-Air-Locations wie Summer Stage), kreative Architektur (z. B. Gasometer) und aufsehenerregende Präsentationen zeitgenössischer Kunstformen entwickeln sich gut.
Die immer größer werdende Bedeutung des „Atmosphärischen“ kommt Wien ebenfalls entgegen.

Salzburgs Positionierung
„Nach dem 11. September 2001 ist der Städtetourismus im Allgemeinen eingebrochen und hat in Salzburg vor allem dem Geschäfts- und Kongresstourismus einen Dämpfer verpasst“, erklärt der Geschäftsführer der SalzburgerLand Tourismusgesellschaft Leo Bauernberger. „Mittlerweile haben wir uns aber wieder gut erfangen und befinden uns in einer soliden Entwicklung, wobei die Italiener besonders gute Zuwächse bringen. Wir verzeichnen im Moment 1,8 Mio. Nächtigungen in Salzburg – die Umlandgemeinden profitieren zusätzlich mit etwa 650.000 Nächtigungen von der Landeshauptstadt.“
Drei Faktoren tragen zur „Beschleunigung“ bei:
+ der vor vier Jahren eröffnete Congress Salzburg
+ die Low Cost Carrier, die auf die Städtekurzreisen eine starke Auswirkung haben und
+ die verbesserte Infrastruktur und geografische Lage.
Auf einen Blick
Die Destinationen
Die Ziele der Städte- bzw. Kulturtouristen lassen sich in sechs Cluster zusammenfassen. Dabei spielt die Größe der Destination (Dorf/Stadt/Großstadt/Metropole) eine Rolle, ebenso ihr touristisches/kulturelles Angebot (historisches Erbe/zeitgenössisches Kulturangebot/Creative Industries = in Design, Mode, moderne Architektur, Unterhaltung, Medien, Werbung etc.).

Cluster 1 und 2
Dörfer (1) und Städte (2), deren Angebot sich weitgehend auf das historische Erbe beschränkt.
Cluster 3 und 4
Städte (3) und Großstädte (4) mit historischem Erbe und nenneswertem zeitgenössischen Angebot.
Beispiele 3: Basel, Florenz, Sofia, Venedig, Zagreb
Beispiele 4: Athen, Hamburg, Prag, Salzburg, Warschau
Cluster 5
Großstädte mit historischem Erbe, zeitgenössischem Angebot und Creative Industries.
Beispiele: Amsterdam, Budapest, Kopenhagen, München, Wien
Cluster 6
Metropolen mit historischem Erbe, zeitgenössischem Angebot und Creative Industries
Beispiele: Berlin, London, Madrid, Paris, Rom

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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