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Branche mit erschwerten Bedingungen

12.09.2005

Eine genaue Analyse des Arbeitsklima-Index zeigt, dass die Arbeitsbedingungen im Tourismus auf weniger Zufriedenheit stossen.

Im Vergleich zu anderen Branchen scheint die Tourismusbranche beim Arbeitsklima-Index auf den ersten Blick nicht schlecht abzuschneiden. Eine Sonderauswertung des IFES durch Studienautor Georg Michenthaler zeigt aber, dass die Arbeitsbedingungen im Tourismus wenig Zufriedenheit aufkommen lassen.

Problemfall Arbeitszeit
Michenthaler bestätigt zwar, dass die Gesamtzufriedenheit im Tourismus nur unwesentlich niedriger ist als in anderen Branchen, stößt aber schon beim gesellschaftlichen Status auf gravierende Unterschiede: „Tourismusangestellte messen sich selbst nicht so einen hohen Stellenwert zu wie andere Angestellte.“ Unzufriedenheit macht sich auch beim Einkommen, das im Durchschnitt auf einem sehr niedrigen Niveau ist, breit – wobei zu bemerken ist, dass der Bereich Sozialleistungen noch schlechter abschneidet. Signifikant unter dem Gesamtdurchschnitt liegt auch die Zufriedenheit mit den Arbeitszeiteinteilungen. Laut Michenthaler „ein großes Problem für die Tourismusbeschäftigten“. So arbeiten beispielsweise 52 Prozent im Tourismus häufig auch an Sonntagen, während es in der Vergleichsgruppe nur acht Prozent sind. Nur leicht über dem Durchschnitt liegen hingegen die Stressfaktoren, wobei aber die körperlichen Belastungen mit dem Alter steigen. Größer wird die Kluft wieder bei den Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Vor allem für Mitarbeiter in kleineren Betrieben und für Teilzeitbeschäftigte gibt es diesbezüglich wenig Perspektiven.
„Vom gesellschaftlichen Status über das Einkommen bis hin
zur allgemeinen Berufsunzufriedenheit reichen die Klagen“, fasst Rudolf Kaske, Vorsitzender der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), die Ergebnisse zusammen. Darüber hinaus betont die Arbeiterkammer, dass Arbeitnehmer im Tourimsus regelmäßig mit systematischen Rechtsverstößen ihrer Arbeitgeber konfrontiert sind. „Mit rund 32.000 Arbeitnehmern sind in Wien nur vier Prozent der unselbständig Erwerbstätigen im Tourismus beschäftigt, sie stellen allerdings 15 Prozent der Rechtsberatungsfälle in der AK Wien“, berichtet Gernot Mitter, Arbeitsmarktexperte in der Arbeiterkammer Wien. Vor allem die Überstunden würden oftmals nicht korrekt abgerechnet werden, und auch die Sonderzahlungen würden in vielen Fällen vorenthalten werden. „Das sind billige Kredite, die sich die Arbeitgeber im Tourismus selbst einräumen. Dazu kommt, dass sich schlechte Vertragsklauseln, wie Skifahrverbot in der Freizeit, schnelle Verbreitung finden“, bemängelt Mitter. Für Obmann Johann Schenner der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich sind die „Tourismus-Jobs weit besser als ihr Ruf“. Er bestätigt zwar, dass es „Defizite und Verbesserungspotential vor allem im Bereich der Kommunikation und der Anerkennung von Leistungen“ gibt, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass die Gästebetreuung „nun mal Wochenenddienste“ verlangt. „Das verlangen aber andere Jobs auch“, so Schenner.

Saisonale Unterbrechungen
Nichtsdestotrotz sieht Georg Michenthaler den Tourismus aber als eine Gruppe mit vielen Besonderheiten und mit erschwerten Rahmenbedinungen. Dazu zählen für ihn der hohe Anteil an Frauen, das niedrige Durchschnittsalter, die hohe Fluktuation, die großteils kleinbetriebliche Struktur, das niedrige Qualifikationsniveau und die vielen Unterbrechungen bei der Erwerbstätigkeit.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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