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Brau-Psychologie: Leichtbier-­Irrtum und andere Erkenntnisse

05.12.2019

Der Name täuschte, der Inhalt faszinierte: Die Tagung der „American Association of Wine Economists“ in Wien brachte eine Fülle von neuen Ergebnissen zum Bier-Konsum. Die ÖGZ war vor Ort.

Eine Fülle an „Getränke-Wissenschaftlern“ – von Historikern über Ökonomen bis zu Linguisten – widmete sich an der Boku den neuesten Erkenntnissen rund um Bier, Wein und Schnaps. Die gemeinsam mit der FH Eisenstadt organisierte Tagung zeigte vor allem auch, wie viel rund um den neuen Gastro-Liebling Bier geforscht wird. 

Der Boom hat aber auch einen ökonomischen Grund, wie Denton Marks von der University of Wisconsin ausführte. Bier sei nämlich ein sogenanntes „experience good“: „Es ist billig genug, um die Qualität selbst durch Kauf bzw. Erfahrung kennenzulernen.“ Das sei bei hochpreisigen Weinen nicht mehr der Fall – man kann nur Erzählungen und Werbung glauben, ist dann aber auch schneller enttäuscht. 

Der mit Spannung erwartete Auftakt-Beitrag aus Norwegen von Kyrre Rickertsen (University of Life Sciences) zeigte aber auch gleich die Grenzen der Forschung auf. Denn die psychologischen Unterschiede zwischen Wein- und Biertrinkern sind nicht allzu stark nachweisbar. „Biertrinker sind gleichmäßiger in der Bevölkerung verteilt“, so Rickertsen, der seinen Tests das sogenannte Fünf-Faktoren- oder OCEAN-Modell des Verhaltens zugrunde legte. Immerhin: Mehrheitlich wettbewerbsorientierte, kooperative oder mitfühlende Menschen „trinken weniger Wein als der Durchschnitt“.

Fast 25 % Craft-Bier-Anteil

Weniger die Korrelation, die Elizabeth Dobis (Pennsylvania State University) zwischen den US-Craft-Bieren und dem Hopfenanbau zog, als vielmehr das aktuelle Zahlenmaterial aus dem Mutterland des Trends beeindruckte. 12,7 % des Gesamtausstoßes machten die kleineren Brauereien (wo man allerdings auch mit sechs Mio. Hektoliter noch eine „Craft Brewery“ sein kann) aus. Mit 26 Milliarden Dollar liegt der wertmäßige Anteil aber fast bei einem Viertel (23 %) aller Bierkäufe. Auch der Hopfenanbau hat sich seit 2002 gravierend gesteigert, 817 Bauern zählt man heute. Vor 17 Jahren waren es nur 94 – und mittlerweile verfügen 32 Bundesstaaten über Hopfen-Erzeugung; die Hochburgen sind Washington, Oregon, aber auch Michigan und New York.

Breitseite gegen Leichtbiere

Eine Breitseite gegen die „Leichtbiere“, gegen die sich das neue Brauer-Bewusstsein der „Crafties“ formierte, bot dann der spannendste Beitrag. Richard Volpe hatte sich die Haushaltsausgaben in Kalifornien im Detail angesehen. Danach verglich er die Bier-Käufe und die Gesundheitsausgaben: „Leichtbier wird mehr getrunken als normales Bier, die Leute sind aber nicht gesünder.“ Offenbar führt das „gute Gewissen“ mit dem Leichtbier dazu, in anderen Bereichen über die Stränge zu schlagen, so seine These. 59 statt 55 Dollar gaben die Leichtbier-Freunde im Monat aus und lagen damit zehn Prozent über dem Schnitt. Dazu kommt, „dass Leichtbier die positiven Inhaltsstoffe wie Xanthohumol, das vermutlich Krebs vorbeugt, und B-Vitamine nicht hat“.

Weitere spannende Forschungsergebnisse zeigten, dass der Etiketten-Hinweis auf lokal gebrautes Bier einen enormen Verkaufsanreiz darstellt (Claudia Bazzani, Uni Verona). Wie Frauen verkosten, berichtete Steve Charters von der Burgundy School of Business. „Bei den Ergebnissen in Blindverkostungen gibt es keine Unterschiede – allerdings sind die Erwartungen der Frauen ihrer Performance gegenüber geringer.“ Vielleicht hilft ja auch da ein kleines Bier. 

Autor/in:
Roland Graf
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