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Braucht Österreich neue Hotelbetten?

30.04.2014

 
Expertise: In Österreichs Destinationen und Städten, die sich angebots- als auch nachfrageseitig in den letzten Jahren stark entwickelt haben, wächst aktuell die Angst vor einem drohenden Überangebot.

Die Realisierung neuer Hotelbetten wird von den betroffenen Stakeholdern einer Tourismusregion schon seit mehreren Jahren aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert und bewertet. Tendenziell negative Einstellungen gegenüber neuen Hotelprojekten oder Überlegungen hin zu einem Bettenstopp sind aus Sicht von Kohl & Partner nicht gerechtfertigt. Ein differenzierter Blick je Destination bzw. Stadt ist aber zwingend notwendig.

Negative Auswirkungen?
Betrachtet man die Entwicklung des touristischen Angebots sowie der touristischen Nachfrage in Österreich in den letzten zehn Jahren, steht dem Bettenwachstum von 1,9 % ein Nächtigungswachstum von 13,1 % gegenüber (Quelle Statistik Austria: Nächtigungen im Kalenderjahr, Betten im Tourismusjahr jeweils im Zeitraum von 2004–2013). Trotz dieser statistisch gesehen sehr positiven Entwicklung wird in vielen österreichischen Destinatio-nen und Städten von einem starken Verdrängungswettbewerb mit negativen Auswirkungen auf Preis und Ertrag gesprochen. Tragen neue Hotelbetten zu dieser Situation bei, oder sind sie als Nächtigungsimpuls zu werten?

Der differenzierte Blick je Destination:

1. Was statistisch für ganz Österreich gesehen den Anschein hat, gilt nicht unbedingt für einzelne Destinationen bzw. städtische Entwicklungsbereiche. Generalisierende Schlussfolgerungen sind daher gefährlich.

2. In einigen österreichischen Destinationen und Städten, z. B. Wien, besteht nach der Eröffnung vieler neuer Hotels bzw. der baldigen Fertigstellung eine unmittelbare Gefahr des Überangebotes mit entsprechend negativen Folgen für die Preisentwicklung und somit für die Wirtschaftlichkeit der Hotelbetriebe. Je nach Größe der Destination, kann sich das Überangebot auch auf einzelne Kategorien oder Hoteltypen beziehen, was wiederum negative Auswirkungen auf die gesamte Region hat.

3. In tourismusintensiven Feriendestinationen bzw. Städten sind statistisch vielfach „genug" oder „zu viele" Hotelbetten vorhanden. Allerdings zeigt sich auf den zweiten Blick, dass ein Teil der Hotels unter Investitionsstau leiden, nicht mehr zeitgemäß und daher nicht marktattraktiv sind. Außerdem fehlen oft bestimmte Hotel-typen, die für ein attraktives Angebot im Hotel-Mix wichtig sind. Bei der Beurteilung des Bettenangebotes sind daher die Struktur und die Qualität der Betten zu berücksichtigen.

4. In weniger tourismusintensiven Destinationen bzw. Städten fehlt es oft an attraktiven Leitbetrieben, an regio-nalen Zugpferden oder/und an ausreichenden Betten für die Montag-bis-Freitag-Auslastung der touristischen Infrastruktur (Bergbahnen, Thermen etc.). Hier wäre ein Bettenstopp
fatal.

5. In seit vielen Jahren stagnierenden und schwächelnden Destinationen bzw. Städten kommen von den bestehenden Betrieben kaum mehr Impulse, und sie brauchen „frisches Blut" und „Hechte für den Karpfenteich" – obwohl statistisch gesehen genügend Hotelbetten vorhanden sind.


6.
Bestehende Hotels müssen die Chance haben, in wirtschaftlich vernünftige Betriebsgrößen hineinwachsen zu können. An allen Standorten. Gleiches gilt übrigens auch für erfolgreiche und marktkonforme Hotelkonzepte.

Steuerung des Angebots
Eine aktive Tourismuspolitik bekennt sich zu einer bewussten Steuerung des Tourismus. In den Destinationen Österreichs und Süddeutschlands setzen sich daher vermehrt „Hotel-Masterpläne" durch, in denen die wünschenswerte Bettenentwicklung für die nächsten Jahre definiert wird – und zwar nach Hoteltypen und vielfach sogar grundstücksbezogen. Dadurch wird in der Destination eine Grundlage für die Förderpolitik – welche Hotelprojekte sind wirklich sinnvoll? – geschaffen. Zudem helfen fundiert aufbereitete Unterlagen bei der gezielten Investoren- und Betreibersuche.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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