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Braumeister Andreas Urban, Conrad Seidl, Gabriela Maria Straka (Director Corporate Affairs und CSR der Brau Union) und Jan-Anton Wünschek von der Wünschek-Dreher’schen Gutsverwaltung Gutenhof.

Brauerei Schwechat: Gerste vor der Haustür

08.07.2021

Der Bierstil "Wiener Lager" wurde 1841 erstmals in Schwechat gebraut - von Anton Dreher. Heute liefert ein Dreher-Nachfahre einen der wichtigsten Rohstoffe fürs Bierbrauen nach Schwechat: die Braugerste.

Aus Getreide wird Malz - das wissen nicht nur passionierte Biertrinker und Fachleute. Die Qualität des Braugetreides ist im Brauvorgang ganz wesentlich, denn schließlich geht es darum, an den vergärbaren Zucker im Korn zu kommen. Dazu werden die Körner für ein paar Tage in Wasser eingeweicht und lässt sie so etwa eine Woche keimen. Erreicht der Kern ein optimales Stadium, in dem er noch nicht gekeimt ist, wird der Vorgang durch einen Trocknungsprozess gestoppt. Aus dem Getreide ist jetzt Malz geworden.

Gemälzt werden können etwa Gerste, Weizen, Hafer und Roggen. Beim Mälzen werden auch Enzyme freigesetzt, die beim Maischen und Gären benötigt werden. Das Aussehen der Körner ändert sich beim Mälzen nicht wesentlich, obwohl sie trockener und vielleicht dunkler werden. Für den Laien ist der offensichtlichere Unterschied, dass Körner vor dem Mälzen hart sind und danach zerkleinert und gegessen werden können. Aber das nur am Rande.

Dreher-Gerste

Spannender ist da schon die Tatsache, das mit der diesjährigen Ernte die Braugerste für das Schwechater Wiener Lager von Gutsbetrieben eines Dreher-Nachfahren kommen. Aufmerksame Leser der ÖGZ wissen: Anton Dreher produzierte 1841 das erste untergärige Lagerbier der Braugeschichte und machte damit das Schwechater Bier weltberühmt. Somit schließt sich der Kreis. Denn der Erfolg und Fortbestand der Brauerei Schwechat ist seit über 200 Jahren eng mit der Familie Dreher verbunden. Von Beginn an war Anton Dreher die Unabhängigkeit bei der Rohstoffversorgung wichtig. So erwarb er landwirtschaftliche Liegenschaften mit Hopfenkulturen in Böhmen. Sein Sohn, Anton der Jüngere, setzte dieses Bestreben fort und erstand die im Umkreis der Brauerei befindlichen Gutsbetriebe Katharinenhof und Gutenhof, um auf den Feldern Braugerste anzubauen.

Total regional

Diese beiden Gutsbetriebe werden bis heute von Nachfahren bewirtschaftet und durch die Kooperation mit Jan-Anton Wünschek wird ab der Ernte 2021 wieder Braugerste von den Dreher-Feldern verwendet, um die Schwechater Spezialitäten zu brauen. Es handelt sich dabei um die klimatisch robustere und gegenüber Trockenheit weniger empfindliche Wintergerste.

„Die Unabhängigkeit der Rohstoffversorgung war Anton Dreher ein großes Anliegen. Daher ist es mir als Ururur-Enkel eine große Freude, dass die Wintergerste vom Gutenhof und Katharinenhof für die Schwechater Biere verwendet wird. Trotz technischem Fortschritt sind wir um umweltschonende Kultivierung bemüht. Nur beste Qualität für das Schwechater Wiener Lager,“ erklärt Jan-Anton Wünschek von der Wünschek-Dreher’schen Gutsverwaltung Gutenhof. Ein angenehmer Nebeneffekt: Die regionale Versorgung mit Rohstoffen verringert klarerweise die Transportwege und den CO2-Fußabdruck und trägt so zur Schonung der Umwelt im Sinne des Nachhaltigkeitsbestrebens der Brau Union Österreich bei.

1632 gegründet

„So schließt sich der Kreis, nachdem die gemeinsame Erfolgsgeschichte vor über 200 Jahren begann“, erzählt Braumeister Andreas Urban, der sich nicht nur auf das Bierbrauen versteht, sondern sich auch intensiv mit der Geschichte der Brauerei auseinandergesetzt hat.
Die Brauerei wurde bereits 1632 gegründet und ist der wahrscheinlich älteste Großbetrieb im Umland von Wien. Auf jeden Fall ist sie die einzige industrielle Braustätte, die es in dieser Region gibt. Noch im 19. Jahrhundert waren östlich und südlich von Schwechat gleich 12 Brauereien ansässig.

Buchtipp

Die historische Entwicklung der Schwechater Brauerei wurde übrigens nacherzählt und ist in dem im August erscheinenden Buch „Die Geschichte der Brauerei Schwechat – Von den Bierbaronen Dreher und Mautner Markhof in die Gegenwart“ nachzulesen.

 

Autor/in:
Alexander Grübling
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