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Ein Glas Bier zum Interview, so mögen wir das: Die ÖGZ traf den neuen Brau-Union-Österreich-Chef Magne Setnes im Brauhaus Schwechat.

Brauunion: Angriff auf Wien?

24.01.2018

Die Brau Union Österreich hat einen neuen Chef. Magne Setnes hat mit Jänner die Führung des Bier-Riesen übernommen. Zum Einstand gab es einen strategischen Einstieg beim Getränkehändler Ammersin. Werden am Wiener Gastro-Markt die Karten neu gemischt? 
 

Magne Setnes im Gespräch mit der ÖGZ.
Magne Setnes

Der 47-jährige Norweger Magne Setnes war in seiner 18-jährigen Heineken-Laufbahn in verschiedenen Managementfunktionen tätig, bevor er in die Brau Union Österreich wechselte. Er war vier Jahre Produktions- und Logistikchef und hatte somit schon die meisten Mitarbeiter unter seiner Führung (1500 Mitarbeiter von 2300). 

Wie gut kennen Sie den österreichischen Markt?  
Magne Setnes: Es gibt immer etwas zu lernen, auch wenn man, so wie ich, schon lange in einem Markt tätig ist. Ich denke, ich kenne mich relativ gut aus.  

Und wie denkt die Heineken-Zen-trale über Österreich? Ist man dort mit der Performance zufrieden?  
Heineken ist mit Österreich sehr zufrieden. Österreich hat sich auch sehr gut entwickelt.  

Heineken ist de facto ein familien-geführtes Unternehmen. Wirkt sich denn das auch auf die Firmenkultur aus? 
Ja, das stimmt. Heineken ist dezen-tral organisiert, die Brau Union Österreich hat viel Handlungsspielraum in Österreich. Als Mitarbeiter spürt man, dass es einen starken Fokus auf das Produkt, also auf Bier, gibt. Heineken hat international viele hunderte Marken, lokale Marken spielen dabei eine wichtige Rolle. Und das gilt besonders für Österreich. 

Seit Jahren stagniert in Österreich der Pro-Kopf-Konsum auf hohem Niveau. In welchen Bereichen sehen Sie noch nennenswerte Wachstumschancen?  
Ich glaube, dass wir am Anfang einer Reise stehen, was alkoholreduzierte und alkoholfreie Produkte angeht. Das gilt auch für Cider. Hier sehe ich große Chancen für die Zukunft.

Sehen Sie im Bereich der Bierspezialitäten (Craft-Bier) noch Wachstumspotenzial? Wie entwickelt sich hier der Absatz? 
In unserem Portfolio haben wir viele dieser Produkte, und das betrifft nicht nur die Biere aus Kaltenhausen. Man denke nur an die Zipfer Meisterwerke oder die Gösser Brauschätze. Ich sehe beim Thema Bier und Craft-Bier ein steigendes Interesse. Unser Portfolio hat sich im Bereich Craft-Bier in den letzten Jahren verdoppelt. Ich glaube, das wird so weitergehen. Vielleicht nicht mit dieser Dynamik, aber doch.  

Können große Brauereien das Thema Craft-Bier für Konsumenten authentisch rüberbringen? Und kann man hier wirklich Geld verdienen? 
Wir verdienen Geld damit. Wenn große Brauereien auf das Thema Craft-Bier setzen, dann ist das für alle gut, nicht nur fürs eigene Image. Konsumenten wollen neue Biere probieren, und für den Anfang greifen sie zu Marken, die sie kennen. So leisten wir einen wichtigen Beitrag für die Craft-Bier-Szene. Wir bieten die Möglichkeit, Neues zu probieren.  

Apropos Craft-Bier-Szene: Ammersin ist ein wichtiger Player bei diesem Thema. Hilft der Einstieg bei Ammersin bei der Eroberung des für die Brau Union Österreich  schwierigen Wiener Gastronomie-Marktes? 
Die Brau Union Österreich steht mit ihren starken Marken für Vielfalt und Biergenuss zu jedem Konsumanlass. Am Markt tun sich neue, spannende Geschäftsfelder auf, von denen wir – dank der großartigen Erfahrung und dem Know-how von Ammersin – viel lernen können, um unser Portfolio für unsere Kunden und Konsumenten auch zukünftig maßgeschneidert anbieten zu können. Ammersin ist ein sehr gut geführtes Unternehmen in einem dynamischen Wiener Markt. Ammersin baut auf ein spannendes Angebot in der Szene der Craft-Biere und Urban Drinks. 

Wer wird für die Brau Union Österreich in die Ammersin-Geschäftsführung einziehen?  
Ammersin ist ein traditionelles Familienunternehmen. Ammersin und Brau Union Österreich werden weiterhin getrennt am Markt agieren, die Führung bleibt daher wie bisher eigenständig. Sie erweitert sich um ein strategisches Mitglied, das wir voraussichtlich aus den eigenen Reihen re-
krutieren werden. 

Sind abgesehen vom Einstieg bei Ammersin in nächster Zeit weitere Beteiligungen geplant?  
Das kann ich Ihnen natürlich nicht sagen. Aber was andere Brauereien angeht: Potenzielle Kandidaten müssen in unser Portfolio, zu unserer Markenstrategie sowie zur geografischen Abdeckung passen. Mehr gibt’s da nicht zu sagen. 

Werden Sie die Brau Union Österreich strategisch neu ausrichten im Hinblick auf die einzelnen Marken? 
Da mache ich mir natürlich Gedanken. Das ist ein ganz normaler Vorgang: Wir schauen uns kontinuierlich an, wie die einzelnen Marken positioniert sind. Eine Marke zu positionieren dauert viele Jahre, man braucht Zeit. Ich werde mir das ganz genau ansehen, auch was Sponsorings angeht.   

Ich finde, die Marke Schwechater verkauft sich unter ihrem Wert. Wird die Marke neu positioniert – auch im Hinblick auf den wichtigen Wiener Gastro-Markt? 
Schwechater steht auf meiner Liste. Wir überlegen, wie wir die Marke und das Portfolio positionieren werden – auch im Hinblick auf die Nähe zu Wien. Auch Gösser wäre eine gute Marke für Wien. Wir haben viele Marken und können uns in Wien mit einem breiten Portfolio positionieren. Aber es wird nicht leicht. Viele Marken beleben die Bierszene, das ist gut für Wien.

Abgesehen von der Brauerei Göss: Wird das Thema Nachhaltigkeit auch bei anderen Braustätten forciert?  
Eine Brauerei braucht viel Energie. In Göss haben wir es als erste Großbraue-rei weltweit geschafft, CO2-neutral zu produzieren. In Schwechat werden wir mit biogener Gärwärme 900 Wohnungen heizen. Das planen wir übrigens auch in der Brauerei Puntigam

Autor/in:
Alexander Grübling
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