Direkt zum Inhalt

Brexit und der Tourismus in Österreich

27.02.2019

Der drohende „harte Brexit“ wirft, so der Tiroler Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl, für den heimischen Tourismus wesentliche Fragen auf. „Dabei geht es nicht nur um die neuen Regelungen für künftig nicht mehr als EU-Bürger einreisende Gäste, sondern vor allem auch um die Beschäftigung von britischen Arbeitskräften in Tirol“, so Hörl. Heute beschäftigt sich auch der Nationalrat mit gesetzlichen Antworten im Rahmen des Brexitbegleitgesetzes.

   „Dies ist auch besonders dringend, denn während beispielsweise in Tirol für manche Bereiche auf landesgesetzlicher Ebene bereits Übergangsregelungen geschaffen wurden, gibt es noch immer offene bundesgesetzliche Baustellen mit teils brisanter Bedeutung – auch für den Standort Tirol. Zu den zentralen Themen zählt dabei unter anderem die Zukunft jener britischen „Tour Operators“, die Gesamtpakete in Tirol anbieten. „Diese bieten ihren Gästen vor allem im Winter Komplettangebote an und setzen diese vor Ort mit eigenem Personal um. Dazu zählen nicht nur die Skilehrer, sondern auch die Arbeitskräfte in den Unterkünften.

 

Saisonkräfte aus Großbritannien

 

Wenn es künftig nicht mehr möglich ist, Briten als Saisonarbeitskräfte einzusetzen, droht dieses in manchen Tourismusregionen durchaus umsatzrelevante Modell einzubrechen“, so Hörl. Dieses bringt zwar den Umstand mit sich, dass heimische Arbeitskräfte und Unternehmen nur gering von der Wertschöpfung profitieren, dennoch habe ein Wegfall negative Konsequenzen. „Ich denke da allein an den Flughafen Innsbruck, der besonders in der Wintersaison nicht unerheblich von Ankünften aus Großbritannien profitiert“, so Hörl. Daher gelte es, sich auf politischer Ebene rasch und durchdacht den noch offenen Fragestellungen in Zusammenhang mit dem Brexit zu widmen. „Wir müssen alles daran setzen, für Österreich praktikable Lösungen zu finden, um im Vergleich zu anderen EU-Ländern und deren gesetzlichen Antworten auf den Brexit nicht ins Hintertreffen zu geraten!“ Denn ansonsten, so Hörl, würden sich britische Reiseanbieter in Zukunft sehr rasch anderen Wintersportdestinationen in den Nachbarländern zuwenden.

 

Derzeitige österreichische Regelungen bzw. gesetzliche Vorhaben

 

Britische Saisonarbeitskräfte: Für bestehende Saisonarbeitsverhältnisse gilt: britische Staatsangehörige können bis zum Ende der Wintersaison bzw. bis zum Ende des Beschäftigungsverhältnisses im selben Unternehmen beschäftigt bleiben. Für zukünftige Arbeitsverhältnisse wird eine Rot-Weiß-Rot-Karte plus mit vereinfachten Bedingungen und unbeschränktem Arbeitszugang zur Verfügung stehen. Die zuständige Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz kann zudem mittels Verordnung Kontingente für Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten festlegen, wenn der Arbeitskräftebedarf nicht gedeckt werden kann.

Britische SkilehrerInnen: Hier hat die Tiroler Landesregierung bereits legistisch vorgesorgt: Verfügt ein britischer Staatsangehöriger oder eine juristische Person mit Sitz im Vereinigten Königreich zum Austrittszeitpunkt über eine aufrechte Berechtigung zur Ausübung eines Berufes oder einer bestimmten Tätigkeit, so soll das auch nach dem 30. März 2019 weiterhin möglich sein. Das betrifft insbesondere aufrechte Bewilligungen nach § 5 (2a) Tiroler Schischulgesetz, darüber hinaus sind auch zum Austrittszeitpunkt bewilligte und angemeldete Veranstaltungen von britischen Unternehmern weiterhin erlaubt.

Touristenvisa: Für Touristen, die nach Österreich reisen, ist derzeit geplant, dass britische StaatsbürgerInnen 90 Tage in einem Zeitraum von 180 Tagen visumsfrei in die EU einreisen dürfen Dies gilt übrigens auch umgekehrt von der EU nach Großbritannien.

Werbung

Weiterführende Themen

Gastronomie
11.12.2019

Auf dem zweiten Bildungsweg in Küche, Restaurant und Hotel arbeiten. Das neue Fachkräfteprogramm in Tirol hat begonnen. 20 „Talents for Tourism“ sind dabei.

Zum ersten Mal seit 1997 wurde wieder eine umfassende Studie zum Thema Tourismusbewusstsein in Tirol durchgeführt. Die Ergebnisse präsentierten Hubert Siller, MCI Tourismus, LH Günther Platter, Tirol Werbung-GF Florian Phleps und Fachgruppenobmann Mario Gerber (v.l.)
Tourismus
04.12.2019

Seit der letzten Befragung 1997 beinahe unverändert: 98 Prozent der Tiroler schätzen auch 2019 die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für das Land Tirol als hoch ein. Trotzdem gibt es einige ...

Tourismus
22.11.2019

Mit dem Monat Oktober ist die touristische Sommersaison zu Ende gegangen. Ankünfte und Nächtigungen sind in Tirol gegenüber dem Vorjahr leicht gewachsen. Auch das ebenfalls abgeschlossene ...

Vier Themenrestaurants und ein starker Fokus auf Familien: Das Adapura Wagrain eröffnet am 8. Dezember.
Hotellerie
24.10.2019

Mit der Eröffnung des Adapura Wagrain betritt die heimische Travel Partner Group mit ihrem ersten Hotel und einem außergewöhnlichen Konzept den Markt

Mario Gerber, Fachgruppe Hotellerie WK Tirol, und Alois Rainer, Fachgruppe Gastronomie WK Tirol
Tourismus
05.09.2019

Die beiden Tiroler Obleute Mario Gerber (Hotellerie) und Alois Rainer (Gastronomie) über Herausforderungen und Lösungen, von Airbnb über den Fachkräftemangel bis zur bröckelnden Tourismusgesinnung ...

Werbung