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Bunte Krapfenvielfalt

13.03.2006

Keine andere Speise symbolisiert so eindeutig den Fasching wie der Krapfen. Doch Krapfen ist nicht gleich Krapfen. Einen Einblick in die Geheimnisse der Krapfenbäckerei, die Krapfenverspeisgewohnheiten der Österreicher und Rezepttipps gewährt Siegfried Kröpfl, Küchenchef vom Hotel Imperial.

Der Krapfen war und bleibt in unseren Breiten untrennbar mit dem Fasching verbunden. Auch wenn er in den Konditoreien und Geschäften schon das ganze Jahr über zu haben ist, so werden noch immer rund 50% aller Krapfen bei uns in der Faschingszeit verspeist.
Frau und Herr Österreicher verspeisen rund 100 Millionen Krapfen jährlich, die über Bäckereien, Konditoreien und den Handel vertrieben werden. Der statistische Durchschnittskonsum von Krapfen pro Österreicher liegt bei 12,5 Stück im Jahr. Die „Dunkelziffer“ dürfte allerdings wesentlich höher liegen, denn auch in Privathaushalten, der Gastronomie und auf Bauernmärkten gehört der Krapfen zu den beliebtesten Backwerken überhaupt.
Krapfen - Statistik
Ausgehend von einem durchschnittlichen Krapfendurchmesser von 9 cm ergeben 100 Millionen Krapfen aneinandergereiht die Entfernung Wien - Tokyo. Mehr als 100.000 Hühner müssen ein Jahr lang für den österreichischen Krapfenverbrauch Eier legen.
-Knapp 2.000 Standardbadewannen könnten randvoll mit Milch gefüllt werden. Um dies zu erreichen, müssen mehr als 150 Milchkühe ihre Jahresproduktion zur Verfügung stellen
-Würde man die benötigte Butter in 4-Kilo-Etagen aufeinanderstapeln, so ergäbe sich einen Turm von 3,5km und entspricht somit der 11-fachen Höhe des Empire State Buildings
-Die Kalorienbilanz von zwei Krapfen ist gleichzusetzen mit 22 Karotten und 6 Gurken beziehungsweise mit 100 Stück Erdbeeren und 400 Stück Himbeeren
Erscheinungsformen
Die Beliebtheit des Krapfens zeigt sich in seinen vielfältigen Erscheinungsformen, die über die Jahrhunderte gebildet haben. Gr+ndlich irrt, wer vermuten möge, es gäbe nur den gemeinen Faschingskrapfen. Der Krapfen wechselt mit unterschiedlichsten Glasuren gern seine Oberflächenfarbe und präsentiert sich mit einer Vielfalt verschiedenster Füllungen. Am beliebtesten ist dabei die klassische Marillenmarmelade, aber auch Nougat, Vanillecreme, Pudding, Eierlikör, Erdbeer- oder Himbeermarmelade und vieles mehr eignen sich als süße Fülle. Aber es gibt auch noch weitere Krapfenvariationen: Apfelkrapfen, Blechkrapfen, Innviertler Bauernkrapfen, Mohnkrapfen, würzige Kürbiskrapfen, steirische Stanglkrapfen, Franzosenkrapfen, Palffy-Krapfen, Husaren-Krapfen, Indianer-Krapfen oder Ischgler-Krapfen.
Krapfen- historie
Schon die alten Römer kannten und liebten angeblich ein ähnliches Gebäck, das sie bei den Frühlingsfeiern ihren Göttern opferten. Krapfen in unserem Sinn soll es schon seit dem 12. Jahrhundert geben. So richtig bekannt als Süßspeise wurden sie dann im 17. und 18. Jahrhundert. Damals hatten sie schon die Form, die sie heute noch haben.
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Eine andere Quelle berichtet von einer Witwe aus Wien, Cäcilia Crapf mit Namen, die der Überlieferung nach die ersten Krapfen gebacken haben soll. Ihren Erzeugnissen fehlte allerdings die Raffinesse und der Zuckerglanz, den das Gebäck dann bald bekam, als es hoffähig wurde. Aber auch das Volk delektierte sich an dem nahrhaften Gebäck. 1815 lag der Durchnittskonsum pro Kopf bei 25 Krapfen jährlich - allerdings war damals der Krapfen besonders in der kalten Jahreszeit sogar Hauptnahrungsmittel.
Krapfenback-Kunst
Im Hotel Imperial werden nur während der Faschingszeit Krapfen gebacken und da rund 100 Stück pro Tag. Küchenchef Siegfried Kröpfl lud zur imperialen Faschingskrapfen-Verkostung (Rezept siehe anbei) und betonte, dass die Qualität der Zutaten beziehungsweise Rohstoffe sowie eine Portion Fingerspitzengefühl das Geheimnis der Krapfen-Güte sind. Allein das Produzieren des Teiges bedarf schon größer Fachkenntnisse. Besonders wichtig ist es, die einzelnen Vorgänge und deren Reihenfolge ganz exakt einzuhalten. Auch für’s Krapfenbacken gilt: Übung macht den Meister.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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