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Thomas Panholzer, Hansueli Loosli und Manfred Hayböck vor einem Transgourmet Lkw in Wien

C+C Pfeiffer ist Transgourmet – und sieht ab sofort auch so aus

30.03.2016

Dennoch soll bis auf den Namen fast alles für österreichische Gastrokunden gleichbleiben. Es wird andere, bessere Eigenmarken geben, vielleicht bald Schweizer Schokolade von Coop und neue Abholmärkte im Westen und in Wien.

So sehen die "neuen" Transgourmetmärkte in Österreich aus
Hansueli Loosli (Verwaltungsratpräsident Coop/Transgourmet), Manfred Hayböck (Geschäftsführer Transgourmet Österreich) und Thomas Panholzer (Geschäftsführer Transgourmet Österreich)

Als am 5.November letzten Jahres die Pfeiffer-Handelsgruppe bekannt gab, ihr bestes Pferd im Stall, C+C Pfeiffer, an die Schweizer Coop zu verkaufen und in die europaweit agierende Transgourmet-Familie zu integrieren, rieben sich viele Brancheninsider und auch Kunden verwundert und etwas erschreckt die Augen: Den erfolgreichen Gastrozulieferer verkaufen, um Zielpunkt zu retten? Es mischte sich auch Bedauern in die Reaktionen: Wieder ein erfolgreiches österreichisches Unternehmen ins Ausland verkauft…

 

Zielpunkt-Pleite

Dann kam zwei Wochen später die Zielpunkt-Pleite und die Überraschung wich Entsetzen. Auch bei Coop und C+C Pfeiffer selbst: Hansueli Loosli, der Verwaltungsratspräsident der Transgourmet Holding AG und der Coop, sagt bei der Pressekonferenz anlässlich der endgültigen Umfirmierung von C+C Pfeiffer zu Transgourmet Österreich, er sei von der Zielpunkt-Geschichte ebenso überrascht worden wie alle anderen: „Coop hat noch nie Mitarbeiter entlassen, ich kenne die Hintergründe nicht, war aber schockiert.“  Auch er sei davon ausgegangen, dass Pfeiffer sein Zugpferd verkauft habe, um die angeschlagene Zielpunkt-Supermärkte zu retten. Was dann folgte, war PR-mäßig so übel für C+C Pfeiffer, dass sich Geschäftsführer Thomas Panholzer mehr oder weniger dazu gezwungen sah, anders als ursprünglich geplant, den Namen „Pfeiffer“ aus seinem Unternehmen zu entfernen: „Pfeiffer hat keinen guten Namen mehr. Wir hatten keinen Einfluss auf die Entwicklung bei Zielpunkt und in der Pfeiffer-Gruppe. Transgourmet Österreich können wir selbst steuern.“

Das setzte sein Marketingteam mächtig unter Stress: Seit Februar diesen Jahres wurde intensiv an der Umbenennung gearbeitet. Alles musste redesignt werden: Neues Logo, neuer Name, das hatte natürlich Auswirkungen vom Aussehen der 130 Lkw, 1300 Einkaufswägen bis hin zur Kleidung der über 1350 Mitarbeiter und dem neuen Auftritt www.transgourmet.at, der ab 4.4.2016 online ist.

 

Mehr von allem

Aber sonst bleibt alles beim Alten, wiederholen die Transgourmet-Verantwortlichen seit Wochen gebetsmühlenartig. Der Vorteil des Zusammengehens gerade mit Coop bzw. Transgourmet sei: Die Schweizer sind sehr dezentral aufgestellt. Die Holding besteht aus genau drei Personen: „Mir, einem Controller und meiner Assistentin“, sagt Loosli. Das meiste können die Transgourmet-Leute in den einzelnen Ländern entscheiden, so also auch die Österreicher, die nach den Schweizern, den Deutschen (inklusive CEE) und Franzosen die kleinste „Landesniederlassung“ von Transgourmet verantworten. Und Manfred Hayböck, Co-Geschäftsführer von Transgourmet Österreich, betont: „Letztendlich entscheiden wie schon bei C+C Pfeiffer unsere Kunden, was wir ins Sortiment nehmen und welche Dienstleistungen wir anbieten. Der klare Bezug zu Österreich – sowohl in der Herkunft als auch im Geschmack – bleibt. Wir verkaufen heute beispielsweise bei Fleisch und Wein trotz internationalem Angebot bis zu 80% österreichische Produkte. Daran wird sich nichts ändern.“

Auch die Strukturen, Ansprechpartner und erfolgreichen Marken von C+C Pfeiffer bleiben erhalten: Es wird weiterhin die regionalen mein c+c Märkte geben, sie werden sogar erweitert, die Spezial-Angebote für Gastronomen Cook2.0 Exquisit, Trinkwerk und Javarei (Kaffee) werden weiterentwickelt. Am Mix aus Abholmärkten und Zustellung, der C+C Pfeiffer groß gemacht hat und der auch von Transgourmet in der Schweiz und Deutschland an einigen Standorten erfolgreich übernommen wurde, wird sich nichts ändern – auch wenn die Zustellung immer wichtiger wird. Und der Online-Handel.

Die Digitalisierung – auch jenseits der Online-Bestellung – wird weiter ausgebaut, auch um Gastrokunden hier ganz neue Geschäftsfelder zu eröffnen. Im Sortiment werden die Eigenmarken von Transgourmet die von C+C Pfeiffer („Topseller“) ersetzen. Es wird die Einstiegsmarke economy geben und die gehobene Marke Premium. Neu hinzu kommt die Quality-Marke im Mittelpreissegment. „Kunden werden von den internationalen Beschaffungsmärkten der Transgourmet-Familie profitieren“, sagt Hayböck. Es kann sein, dass auch österreichische Produzenten für die Produktion dieser Eigenmarken in Frage kommen.

 

Mehr Nachhaltigkeit

Neu am österreichischen Markt wird die Transgourmet Nachhaltigkeitsmarke sein, die für Bio, Handwerk, Tierwohl und Regionalität stehe – nach einem Namen für den österreichischen Markt werde noch gesucht, „Ursprung“ sei leider schon vergeben... Coop ist in der Schweiz sehr bekannt für sein vielfältiges Engagement auf diesem Sektor. Hansueli Loosli deutet zum Beispiel an, dass sich Transgourmet für die strengeren Schweizer Richtlinien zum Tierwohl auch in Österreich einsetzen werde.

Ansonsten strebe man in Österreich eine Verdopplung des Umsatzes auf 1 Milliarde Euro an. C+C Pfeiffer habe eine Verdopplung des Umsatzes in den letzten zehn Jahren geschafft – warum nicht auch in den nächsten zehn? Man wolle im Westen Österreichs expandieren, für 2107 ist der Spatenstich in Vorarlberg vorgesehen, ein dritter Markt für Wien ist im Gespräch und einer für Tirol. Man möchte „organisch“ wachsen, verspricht Loosli, an ein Wachstum über Zukäufe (Eurogast?) sei nicht gedacht. „Transgourmet ist ein österreichisches Unternehmen mit internationaler Anbindung“, fasst Thomas Panholzer zusammen. Man hofft bis Jahresende den Namen Transgourmet in Österreich so bekannt gemacht zu haben wie C+C Pfeiffer.

Über Coop/Transgourmet:

Die Coop-Gruppe hat ihren Sitz in der Schweiz und ist im Detailhandel, im Großhandel und in der Produktion tätig. Mit der Transgourmet Holding AG ist Coop die Nummer zwei im europäischen Abhol- und Belieferungsgroßhandel.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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