Direkt zum Inhalt

Chance oder Risiko?

30.09.2010

Was bei der Rohaufschlagskalkulation beachtet werden soll, erklärt Rudolf Siart. Die Rohaufschlagsverprobung ist eine Möglichkeit der Nachkalkulation und der Kontrolle.

„Bei einem mittleren Betrieb kann die Rückvergütung über 3.000 Euro ausmachen.“

 Bei einer Betriebsprüfung wird der Rohaufschlag vonseiten der Finanzverwaltung stets verprobt. Falls Abweichungen auftreten, die die Toleranzgrenze von 10 % vom Umsatz übersteigen, liegt die Beweislast beim Steuerpflichtigen! Deswegen ist es ratsam, regelmäßig (sprich: auch während des Jahres) einen Blick auf die Rohaufschläge zu werfen. So kann einerseits das Finanzamt keine Ungereimtheiten beanstanden, andererseits haben Sie sowohl Ihr Rechnungswesen als auch die Kontrolle Ihrer Mitarbeiter bestens im Griff!

Die Rohaufschlagkalkulation zeigt, um wie viel Ihr (netto) Verkaufspreis den Einkaufspreis übersteigt. Angenommen, Sie kaufen eine Flasche Wein um EUR 2,00 ein und verkaufen diese um EUR 14,00 (exklusive Umsatzsteuer), dann beträgt Ihr Rohaufschlag EUR 12,00 oder umgerechnet 600%.

TIPP: Möchte man verschiedene Produktsparten miteinander vergleichen (z. B. um die Rentabilität besser festzustellen), eignen sich die prozentuellen Rohaufschläge am besten! Zusätzlich wissen Sie, welche Produkte vermehrt angeboten werden sollten!
Die tatsächlich erzielten Rohaufschläge sind in der Praxis schwer zu ermitteln, denn sie verändern sich laufend durch unterschiedliche Einkaufsmöglichkeiten sowie Preis- und Produktgestaltung. Während sich die Verkaufspreise leicht zu dokumentieren eignen, sind die Einkaufspreise wegen Einkaufsaktionen und Preisschwankungen besonders schwer festzuhalten. So bilden sich über die Jahre weg Mischsätze, die sich den wahren Rohaufschlagsätzen nur annähern können. Zusätzlich ist eine präzise Lagerbuchführung in den meisten Fällen schier unmöglich.

Wie entstehen Abweichungen?
Abweichungen treten oft und unbemerkt auf, viele davon entstehen aus denselben Gründen: Waren werden zwar eingekauft, aber nicht weiterverkauft (aufgrund von Personalverbrauch, Bruch etc.). Diese Fälle schlagen sich also nicht im Umsatz nieder. Folgende Abweichungsbeispiele treten besonders häufig auf, deswegen ist eine entsprechende Auflistung sinnvoll:
• Schwund
• Verderb, Bruch
• Eigenverbrauch
• Personalverbrauch
• Gästebewirtung
• Änderung der Preisgestaltung (z. B. Happy-Hour-Aktionen)
• Änderung der Produktgestaltung (z. B. Einführung von Mix-Getränken)

Für Zwecke der Rohaufschlagverprobung sollten Sie diese Daten erfassen.

Wareneinsatzermittlung
Die Wareneinsatzermittlung funktioniert folgendermaßen:
Warenbestand 1.1. plus Zukäufe, minus Eigenverbrauch, Personalverbrauch, Gästebewirtung, Schwund, Verderb, Bruch, minus Warenbestand 31.12. = Wareneinsatz
Treten bei den Rohaufschlägen Abweichungen auf, wird die Finanzverwaltung, wenn noch mehr dazukommt, allenfalls davon ausgehen, dass das gesamte Rechnungswesen nicht stimmt. Dabei werden Abweichungen bis 10 % vom Umsatz toleriert. Bei größeren Unterschiedsbeträgen braucht der Betriebsprüfer nur die Kalkulationsdifferenzen aufzuzeigen – diese muss dann der steuerpflichtige Gastwirt plausibel erklären können.
Allerdings: wenn Sie beim Personalverbrauch die Schätzungsmethode gemäß der Sachbezugsverordnung heranziehen, muss die Nachkalkulation dementsprechend nicht so genau stimmen.
TIPP: Oft ist es viel zu spät, wenn Abweichungen erst bei der Inventur festgestellt werden. Vorsorge ist hier besonders wichtig, deswegen raten wir, regelmäßig (viertel- oder halbjährlich) Inventur aufzunehmen und Nachkalkulationen durchzuführen.

Rohaufschlagsverprobung
Hat man die eigenen Umsätze NICHT spartenweise aufgesplittet, eignet sich der Soll-Ist-Losungsvergleich:
Wareneinsatz der verschiedenen Produktgruppen mal jeweiligem Rohaufschlag = hochgerechnete Soll-Losung der Gruppe

• dann der Gesamt-Sollumsatz
• diesem wird die tatsächliche Ist-Losung gegenübergestellt.
Auch hier müssen Abweichungen erklärt werden können!
Warum der Rohaufschlag-Check?
• Die Betriebsprüfer des Finanzamts werden einen Rohaufschlag-Check vornehmen, sobald sie Ihren Betrieb überprüfen. Deswegen ist es empfehlenswert, den eigenen Check selbst durchzuführen, bevor dies die Betriebsprüfung übernimmt!
• Weist der Rohaufschlag-Check bei der Betriebsprüfung erhebliche Differenzen auf, droht das Finanzamt mit der Schätzung. Dies kann im ernsten Fall zu Steuernachzahlungen führen!

TIPP: Dokumentieren Sie zeitgerecht, wie Abweichungen zustande gekommen sind – so vermeiden Sie eventuelle Schätzungen durch die Betriebsprüfer und potenzielle Nachversteuerung. Führen Sie also vorher eigene Berechnungen durch, um auf mögliche Fragen nachvollziehbare Antworten parat zu haben. Je präziser die eigenen Verprobungen, desto sicherer ist Ihr Rechnungswesen und desto weniger hat die Finanzverwaltung zu beanstanden. Ein weiterer Bonus: Sie haben die Kontrolle des Personals stets im Griff!
Mag. Rudolf Siart ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Siart + Team Treuhand GmbH, 1160 Wien, Enenkelstr. 26, Tel.: 01/493 13 99, siart@siart.at, www.siart.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

In Salzburg und Oberösterreich haben sich wieder viele kleine Röstereien etabliert.
Cafe
25.11.2020

Die Kaffeeszene von Salzburg und Oberösterreich hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. In diesen beiden Bundesländern hat es noch nie so viele Kaffeeröster gegeben, die ihrem Handwerk ...

Gastronomie
23.11.2020

Ab sofort kann der Fixkostenzuschuss 2 über FinanzOnline beantragt werden. Hier alle Details. 

Die Corona-Hilfen für Gastronomie und Hotellerie werden verlängert.
Hotellerie
23.11.2020

Die Bundesregierung wird die Unterstützungsmaßnahmen für den Tourismusbereich verlängern. Es geht um die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen, Getränke und Nächtigungen, ebenso wie auch die ...

Mobile Luftreiniger könnten zum Gamechanger für Innenräume werden.
Gastronomie
19.11.2020

Der Lockdown geht vorbei, Viren werden bleiben: Wie man Innneräume für Personal und Gäste sicher reinigt, ist nicht ausschließlich eine Frage des richtigen Lüftens. Es gibt da ein praktisches ...

Michael Duscher ist seit heuer neuer Geschäftsführer des Niederösterreich Tourismus.
Tourismus
19.11.2020

Niederösterreich Tourismus hat seine Strategie 2025 präsentiert. Die ÖGZ sprach mit Geschäftsführer Michael Duscher über den Wertewandel durch Corona, 
Aufholbedarf beim Freizeittourismus ...

Werbung