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Cicero

04.04.2013

Bei einem Aufenthalt in einem Tiroler Hotel wurde Ihr Cicero Zeuge einer gar merkwürdigen Begebenheit. Als Morgenmensch erschien er gleich nach Beginn der offiziellen Frühstückszeit im Speisesaal.

Der ihm zugeordnete Tisch war weitgehend eingedeckt. Es fehlten jedoch die Kaffeetassen und die dazugehörigen Löffel. „Kein Problem", sagte der Frühstückskellner zu seinem Gast, schritt zum noch unbesetzten, aber sehr wohl mit allem Geschirr bestückten benachbarten Tisch, entnahm dort Tasse und Löffel und platzierte beides vor Cicero. Den anderen unvollständigen Gedecken am Tisch gönnte er keinen Blick.

Diese Form der Improvisation entlockte Ihrem Cicero ein Schmunzeln, das bald von blankem Staunen abgelöst wurde. Die Vorgangsweise wiederholte sich nämlich haargenau, als Ciceros Tischgenossen eintrudelten und später dann am Nachbartisch, der ja sukzessive geplündert worden war, wobei irgendwann neue Tassen in den Kreislauf Einzug hielten. Dieses Bedienungssystem änderte sich während einer ganzen Woche nicht. Es waren einige wenige Tische, die grundsätzlich nur rudimentär ausgestattet und nach oben ausgeführtem Muster nachgerüstet wurden.

Ein näherer Blick auf die Qualität des Geschirrs zeigte dann so manche angeschlagene Tasse und diverse angeknackste Teller, sodass Ihr Cicero begriff: Die haben hier zu wenig Geschirr. Und statt welches nachzukaufen, strapazieren sie das ohnehin angespannte Zeitmanagement ihrer Mitarbeiter vom Service bis zum Abwäscher.

Falls Sie sich betroffen fühlen, schreiben Sie uns: i.stelzmueller@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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