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Cicero

06.06.2013

Nun sind ja Raucher auch Reisende, und als solche brauchen sie Hotels. Kein Problem – sollte man meinen.

Nehmen wir also ein x-beliebiges Hotel einer amerikanischen Kette; Ciceros Anfrage nach einem Raucherzimmer löst Reaktionen aus, als hätte man frei nach Strauss-Kahn nach Sex mit dem Zimmermädchen gefragt. Nur die gute Schulung der Mitarbeiter verhindert Schlimmeres als ein diskretes Hochziehen der Braue und ein lächelndes „Das haben wir nicht anzubieten". Also auf dem Zimmer geht das nicht, denn Rauchmelder-Alarme sind zu befürchten. Aus dem Fenster lehnen ist unmöglich, weil die Fenster nicht aufgehen. Balkone sind in Stadthotels eher eine Ausnahme. Nun beginnt für Cicero die Odyssee, denn er findet weder Rauchsalon noch Raucher-Bar.

Wenn die Erinnerung nicht trügt, gab es manchmal sogenannte „Cigar-Lounges" mit reichlich Alkohol, aber diese Zeiten sind wohl für immer vorbei. Was dann bleibt, ist die Straße, möglichst nicht vor dem Portal der Luxusherberge, sondern in der Seitengasse. In der Ferienhotellerie ist die Raucherei weniger problematisch. Es gibt Balkone und Terrassen, und es ist meistens warm. Im Zimmer ist natürlich kein Aschenbecher, draußen auch nicht. Also wird die erste Zigarette nach den Mühen der Anreise – jeder Raucher kennt das Gefühl – im Zahnputzglas entsorgt, das unübersehbar am Balkon platziert wird. Die Hoffnung, dass dieses Notsignal bemerkt und vom Zimmermädchen positiv gedeutet wird, stirbt zuletzt. Also müssen noch einige Gläser zweckentfremdet verwendet werden, bis ein Aschenbecher angeliefert wird.

Falls Sie sich betroffen fühlen, schreiben Sie uns: i.stelzmueller@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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