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Cicero als Gast zweiter klasse

21.10.2010

An einem freundlichen Herbstsonntag rückte Ihr Cicero mit seiner Frau zu einer kleinen Wanderung am Fuße des Zauberbergs aus.

Gegen halb zwei entschloss sich das hungrige Wanderduo auf ein spätes Mittagessen in einem Wirtshaus am Weg. Um der Küche die Zubereitung der Speisen möglichst einfach zu machen, wurde gegrilltes Kotelett mit Pommes und kleinem Salatteller bestellt. Der Wirt beschied allerdings postwendend: „Pommes geht leider nicht, ich habe die Fritteuse schon ausgeschaltet.“ Angesichts der fortgeschrittenen Stunde wollte Ihr Cicero damit gerne leben. Während der Salat serviert wurde, betrat allerdings ein anderes Ehepaar das Lokal, das unserem Wirt augenscheinlich schon bekannt war.

Nachdem sich dieses für ein Cordon bleu entschieden hatte, trat der Wirt nochmals an unseren Tisch und erklärte uns, dass wir nun doch Pommes frites haben könnten, für die Cordon bleus müsse er nämlich ohnehin seine Friteuse anwerfen – und trat damit gleich doppelt in den Fettnapf. Zum einen verschaffte er uns den bittere Beigeschmack, neben den ihm Bekannten Gäste zweiter Klasse zu sein. Andererseits lassen sich zwar alle erdenklichen panierten Speisen in der Friteuse versenken. Um einem Cordon bleu kulinarische Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sollte es freilich in Butterschmalz herausgebacken werden. Der Wirt warf somit seine Küchenkompetenz gleich mit ins Fettbad und bewies einmal mehr, dass gut gemeint das glatte Gegenteil von gut sein kann.

Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-524

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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