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Cicero als Opfer der Technik

02.12.2010

Es gibt kulinarische Leckerbissen, die sollten schlichtweg schmecken wie bei Großmutter.

Ihres Ciceros Oma etwa war Schöpferin eines unvergesslichen Erdäpfelsalats, gezaubert aus festkochenden Kartoffeln, hauchdünn mit einem speziellen Messer geschnitten, dessen Klinge durch die Kartoffelscheibe sichtbar war und mit delikater Raffinesse angemacht. Der Besuch eines Wirtshauses weckt in Cicero regelmäßig den Wunsch, die mit der Erinnung an Großmutter verbundenen Genussgefühle von anno dazumal wachzurufen. So auch kürzlich in einem gutbürgerlichen Lokal, wo sich Ihr Kritikus gemeinsam mit Freunden eingefunden hatte.

Zu seinem Bedauern war auf der Karte zwar kein Erdäpfelsalat, doch an sich sollte ein solcher für die Küche kein Problem sein, meinte Cicero. Er schilderte dem Kellner seinen Extrawunsch und betonte, dass die Wartezeit keine Rolle spielen sollte. Der Kellner hörte freundlich zu, verschwand in Richtung Küche und kehrte dann mit der Botschaft zurück, dass er den Kartoffelsalat leider nicht servieren könne, weil er in der Kassa keinen freien Platz zum Bonnieren habe. Ihr in dieser Materie nicht ganz unbewanderte Cicero wies darauf hin, dass Kassen an sich mit Kapazität für „freie Gästewünsche“ ausgerüstet seien. Der Kellner stellte das allerdings vehement in Abrede, verwies darauf, dass er sich bei der Kassa wohl besser auskenne und dass es dabei bleibe: kein Bonnierplatz, kein Erdäpfelsalat. Was für ein Glück, dachte Ihr Cicero, dass seine Oma selig ohne solch heimtückische Technik ausgekommen ist.

Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-524

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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