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Cicero grosse Küche ohne Tischkultur

26.05.2010

Vor Kurzem war Cicero zum Abendessen in einem Wiener Vorstadtbeisl, zumindest schien das Lokal auf den ersten Blick nicht viel mehr zu sein.

Auch Begrüßung und Tischkultur ließen auf keine größeren Ambitionen der Betreiber schließen. Doch schon ein erster Blick auf die Speisekarte sorgte für eine positive Überraschung. Von einer frischen Mai-Scholle war hier genauso zu lesen wie von gebackenem Kalbsbries, es gab Bandnudeln mit Paradeisern und Algen sowie gepökelte Kalbszunge. Auch der weitere Verlauf des Abends war äußerst genussvoll, denn die angepriesenen Speisen klangen nicht nur köstlich, sie waren es auch. Also alles paletti?

Cicero will kein pedantischer Nörgler sein, und als leidenschaftlicher Esser ist es ihm auch wesentlich lieber, wenn die Küche passt und das Ambiente eher bescheiden ist als umgekehrt. Dennoch gehört ein Mindestmaß an Tischkultur und Komfort einfach zum kulinarischen Genuss dazu. Auf einem schmalen Bankerl sitzt man auf Dauer halt einfach nicht bequem, ein an sich guter Wein kommt in einem billigen Pressglas nicht so gut zur Geltung wie in einem schönen Weinglas. Ein Brotkörberl und etwas Aufstrich verkürzt auf angenehme Art und Weise die Wartezeit. Wieso man auf solche einfachen Kleinigkeiten verzichtet, will sich Cicero nicht wirklich erschließen. Understatement ist ja eine sympathische Eigenschaft und dass man sich zuerst einmal um eine ehrliche Küchenleistung bemüht, ist vorbildlich, aber ein bisschen Komfort und Tischkultur darf auch ein gutes „Beisl" haben.

Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at  oder ein Fax: 01/546 64-524

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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