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Cicero Service vom wagen

12.05.2011

Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als sich Luxusrestaurants auch dadurch auszeichneten, dass nicht portionsweise aus der Küche serviert, sondern unter großem Brimborium ein Service-Wagen zum Tisch gerollt wurde? Nun, die gute alte Zeit ist nicht überall vorbei.

Cicero besuchte unlängst ein teures Landhaus im Wienerwald, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Wieso nicht, dachte sich Cicero. Retro hat ja mitunter auch seinen Charme und wenn es gut gemacht ist, spricht ja eigentlich nichts dagegen, wenn man die Vorspeisen vor dem Bestellen betrachten kann. Leider war weder Aussehen noch die Qualität der Speisen ansprechend, was nicht wirklich verwundert. Wie sollen Salate, Fischfilets und Pasteten denn frisch bleiben, wenn sie stundenlang ungekühlt und unbedeckt bei Zimmertemperatur darauf warten, verzehrt zu werden? Doch damit war der Fuhrpark des Hauses noch nicht ausgereizt.

Zum Hauptgang wurden gekochte Rindfleischspezialitäten vom Wagen empfohlen. Es war zwar imposant anzusehen, wie der große Wagen mit gekochtem Rindfleisch vorfuhr, nur leider ist die Methode, Rindfleisch stundenlang in heißem Wasser (nicht in einer Bouillon) zu verwahren, nicht dazu angetan, dessen Geschmack und Zartheit zu erhalten. Natürlich ist die Präsentation der Speisen wichtig und ein bisschen Show darf im Speisesaal ja auch geboten werden. Wenn darunter jedoch die Qualität des Essens leidet, sollte man tunlichst darauf verzichten. Es gibt eben gute Gründe, wieso sich die meisten anspruchsvollen Restaurants davon verabschiedet haben, ihre Speisen von einem Service-Wagen anzurichten. Denn wenn die Nostalgie auf den Geschmack schlägt, ist sie verzichtbar.

Falls Sie sich betroffen fühlen, schreiben Sie uns: gast@wirtschaftsverlag.at (Fax: 01/546 64-360)

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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