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Cicero und die beautyfarm

27.01.2011

Die Pflege des eigenen Körpers, das Wohlbefinden und letztlich die Schönheit sind zentrale Komponenten der Wellnessphilosophie, mit der die meisten einschlägigen Hotels ihre Gäste zu beindrucken versuchen.

Aus der Wellnessoase wird da bisweilen auch schon einmal eine Beautyfarm, wo die betriebswirtschaftlich ausgefeilten Preise des klassischen Verwöhngenres noch einmal ein beeindruckendes Update erfahren. Gezählte 49 Stunden hielt sich Ihr Cicero in einem solchen Tempel der Schönheit auf. Inklusive diverser Behandlungen sollte ihm das 550 Euro wert sein. Nachdem Ihr alter Römer dem Beautyaspekt eher mit Körper- und Seelenmassage als durch Verzicht Rechnung tragen wollte, setzte er sich mit einiger Erwartungshaltung an den Tisch zu den vorgesehenen Mahlzeiten.

So klang das Angebot eines sechsgängigen Menüs am Samstag­abend vielversprechend. Die Variation „Kalbfleisch auf Champignonsauce mit Kroketten“ erwies sich dann allerdings als penetrant lieblos ausgeführter Gang, der bestenfalls durch seine übertriebene Portionsgröße aufzufallen vermochte. Einen vegetarischen Hauptgang suchte man in diesem Beautymenü überhaupt vergebens. Auch das Frühstück am nächsten Morgen war nicht angetan, die kulinarische Phantasielosigkeit des Vorabends zu kompensieren. Die Schinken-Wurstplatte zeichnete sich durch billige Dürftigkeit aus, die Käseplatte als ziemliches Schlachtfeld, da alle Käsesorten vom Gast selbst zu schneiden waren.

Wer Lust auf Vollkornbrot hatte, musste sich mit Kornspitz bescheiden. Nun ist eine Beautyfarm zweifellos eine kostspielige Einrichtung. Ciceros Gastgeber übte sich freilich in der Kunst, am falschen Platz zu sparen. Hoffentlich kein fataler Fehler, denn bekanntlich kann man in Schönheit auch sterben.

Falls Sie sich betroffen fühlen, schreiben Sie uns: gast@wirtschaftsverlag.at (Fax: 01/546 64-360)

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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