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Cicero vermisst die Würstelstände

24.03.2011

Auf der ITB, die dieser Tage in Berlin stattgefunden hat, hat Österreich einen originalen Wiener Würstelstand als eine Art „gastronomisches Wiener Aushängeschild“ dorthin mitgebracht.

Das war eine nette Geste, bloß fragt sich Cicero schon länger, ob der heimische Würstelstand nicht besser bei irgendeiner Artenschutzkommission aufgehoben wäre und als aussterbende Rasse unter Naturschutz gestellt werden sollte.

Vor Kurzem gelüstete es Cicero Ecke Gürtel – Hernalser Hauptstraße nach einer klassischen Käsekrainer. „Wird kein Problem sein“, dachte sich Cicero, „entlang des Gürtels und in der Nähe von U-Bahn-Stationen sollte sich der eine oder andere Würstelstand finden lassen.“ Finden ließ sich auch einer, bloß war der leider (Freitag mittags) geschlossen. Was neben einem US-Fastfood-Lokal offen hatte, waren allerdings gleich drei (!) Pizza-Kebab-Buden, von denen eine immerhin auch Würstel verkaufte. Cicero testete sein Glück, bestellte ein Käsekrainer-Hotdog – und verlor. Nach drei Bissen wurde der Rest entsorgt, weder das Brot noch die Wurst hatten etwas mit dem gemeinsam, was man sich in Wien üblicherweise unter einem Käsekrainer-Hotdog vorstellt.

Leider ist diese bittere Erfahrung kein Einzelfall. Und bevor dieser Kommentar jetzt falsch verstanden wird: Cicero isst auch gern mal ein gutes Kebab, aber zur Wiener Kultur gehören nunmal eher Käsekrainer, Leberkäse & Co. Und wenn stattdessen zusehends Kebab und Convenience-Pizza von fragwürdiger Qualität angeboten werden, dann ist das ein Verlust heimischer gastronomischer Kultur. Ähnlich wie wenn im Großteil der Wiener Beiseln plötzlich nicht mehr Franz die Schnitzel paniert, sondern Luigi seine Pasta kochen würde.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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