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Cicero wechselt den Tisch

02.05.2013

Am späteren Nachmittag traf sich Cicero mit zwei Freunden in einer Vinothek. Da wir drei die einzigen Gäste waren, setzten wir uns an irgendeinen Tisch, denn der Kellner nahm uns nur aus dem Augenwinkel wahr – er war mit dem Programmieren der Musikanlage voll ausgelastet.

Nachdem wir uns häuslich niedergelassen hatten, kam er, und bat uns als Erstes, an einem anderen Tisch Platz zu nehmen, denn er müsste da für eine Abendgesellschaft aufdecken. Die bestellten Getränke stellte er mürrisch ab und widmete sich wieder der Musikanlage. Es verging die erste Stunde unserer Anwesenheit, der Kellner jedoch würdigte uns keines weiteren Blickes, obwohl wir schon die längste Zeit vor leeren Gläsern saßen. Wir machten auf uns aufmerksam und wollten etwas zum Essen bestellen, worauf er indigniert fragte: „Was wollen S’?" Unsere Gegenfrage: „Was haben S’ denn?" Kellner: „Wolln S’ a Speiskarten?" Wir bestellten wienerische Schmankerln: Kalbsgulasch und Kalbszüngerl. Und dann seine Frage: „Was wollen S’ dazu? Brot oder Semmel? Sie müssen sich vorher entscheiden!"

„Wie bitte?" „Ja, ich muss das bonieren." Und so hatte sich das klassische Brotkörbchen auf eine Semmel und eine Scheibe Brot reduziert. Wir drei zählten offensichtlich nicht als Gesellschaft, denn unser Tisch blieb trotz Speisenkonsums ungedeckt, das Besteck wurde auf den mit Wettex gewischten Tisch gelegt. Und last, but not least kam eineinhalb Stunden später die angekündigte Gesellschaft, setzte sich aber nicht an den für sie reservierten und gedeckten Tisch. Unter herzlicher Gastfreundschaft versteht Cicero etwas anderes.

Falls Sie sich betroffen fühlen, schreiben Sie uns: i.stelzmueller@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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