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Cicero will Leitungswasser

29.11.2013

Kulturelle Aktivitäten wie etwa den Besuch des Wiener Burgtheaters beschließt Ihr Cicero gerne in einem gastronomischen Betrieb, im konkreten Fall in einem der renommiertesten Kaffeehäuser Österreichs.

Angesichts der fortgeschrittenen Stunde bestellte er ein Achtel Grüner Veltliner, zu dem er gerne ein Glas Leitungswasser gehabt hätte. Umständlich, aber höflich erläuterte der Kellner daraufhin, dass er Leitungswasser nur in einer Karaffe servieren könne, dieses werde dem Gast in der Folge verrechnet und zwar für 3,50 Euro.

Cicero verzichtete auf das Wasser, trank den Wein und zog recht bald mit gemischten Gefühlen von dannen. Einige Tage später beschloss Ihr Kritikus einen Kinoabend in einem Wiener Schloss, das der Wirt zu einem erfolgreichen Quadrat entwickelt hatte, und versuchte sich erneut an der Bestellung eines Achtel Weins und einem Glas Leitungswasser. „Wissen Sie was", meinte Kellner, „ich bringe Ihnen gleich eine Karaffe", servierte diese mit Gläsern und Eiswürfel, und das ganz selbstverständlich gratis.

Die Nacht in diesem Lokal wurde noch lang, der Umsatz belebte sich über einige Runden, und das Trinkgeld sollte den Kellner auch recht zufrieden gestimmt haben. Schon klar, dass Wirte nichts zu verschenken haben, solide Kalkulation ist unverzichtbar für betriebswirtschaftlichen Erfolg. Aber eine gewisse Großzügigkeit vermag die Dienstleistungsqualität deutlich zu steigern. Während stattliche Preise für Leitungswasser ein Gefühl von Nepp hinterlassen. Zumindest bei Ihrem Cicero.

 

Falls Sie sich betroffen fühlen, schreiben Sie uns: t.vierich@wirtschaftsverlag.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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