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Hotel mit 133 Jahren Familien-Tradition: Der Trattlerhof in Bad Kleinkirchheim.

Crowdfunding in der Hotellerie funktioniert

31.10.2017

Crowdfunding im Tourismus? Eine Studie zeigt Potenziale auf, die ÖHT hat erste Projekte auf ihrer Plattform we4tourism umgesetzt.

 

Jakob Forstnig hat mit seinem Trattlerhof erfolgreich auf Crowdfunding gesetzt.
Das neue Kinderparadies im Trattlerhof: 400 qm zum Toben.

Was hat das Alternativfinanzierungsgesetz 2015 für die Hotellerie gebracht? Viele waren skeptisch, ob eine Finanzierung über die Crowd für den Tourismus geeignet ist. Dieser Frage ging jetzt auch eine interdisziplinäre Studie am Forschungszentrum Innsbruck nach. Für Projektleiter Philipp Gamper beweist die Rücklaufquote zur durchgeführten Umfrage, dass bei Österreichs Beherbergern durchaus eine Bereitschaft zu dieser Finanzierungsform besteht und er unterstreicht: „Wichtig sind in diesem Zusammenhang Best-Practice-Beispiele, mit denen sich der Hotelier identifiziert.“

Kapital ist knapp

Und eine Finanzierungsalternative wird dringend benötigt. „Der Wellnessboom der letzten Jahre konnte nur realisiert werden durch viele Investitionen“, sagt Hotellerie-Obmann Sigi Egger. „Heute sind wir Marktführer in diesem Bereich. Das brauchte viel Mut und Engagement und der Erfolg wurde über die Regionalbanken und die Tourismusbank ÖHT finanziert.“ Aber das muss jetzt weitergehen. „Wir müssen weiter investieren, die Konkurrenz im Alpenraum ist groß, wir haben aber einen Investitionsstau, wir brauchen Geld.“
Deshalb ist Crowdfunding eine willkommene Alternative. Phillip Gamper nennt Details aus seiner Studie: „50 Prozent der Befragten können sich vorstellen in den nächsten fünf Jahren ein Nachrangdarlehen bis zu 1,5 Millionen Euro über die Crowd zu nutzen, die Mehrheit kennt aber noch nicht die Details dieser Finanzierungsform. Aber 49 Prozent haben momentan keinen Zugang zu einem Bankkredit, 58 Prozent auch keinen zu anderen Quellen.

we4tourism

Wolfgang Kleeman,  der Geschäftsführer der ÖHT, hat vor einem Jahr gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer die Tourismusplattform we4tourism für Crowdfundingkampagnen aufgestellt. Und er stellt klar: „Crowdinvesting oder -funding alleine ist nicht für den Tourismus geeignet. Die Crowd will kurze Laufzeiten und hohe Zinsen, beides kann der Tourismus nicht wirklich bieten. Aber man kann mit Crowdfunding-Kampagnen Stammgäste generieren und seine Gäste als Markenbotschafter und Marktforscher einsetzen: Wer ein Projekt mitfinanziert, glaubt an dieses Projekt und redet darüber mit anderen!“ 

Man muss diese Finanzierungsform in die Gesamtfinanzierung einbinden. Er rechnet ein Beispiel vor: 70% kommen als zinsfreier Kredit über die ÖHT und Förderungen, 10% über Eigenmittel, 5% als Barzuschuss über das Land (Investitoionszuwachsprämie), die restlichen 15% finanziert die Crowd. Die Förderzusage der ÖHT ist das Qualitätssiegel für die Crowd. „Wir sind sehr defensiv beim Thema Crowdfunding“, sagt Kleemann. „Wir finanzieren keine Risikoprojekte und lehnen viele Projekte ab.“ 

Jakob Forstnig vom Trattlerhof, einem alteingesessenen Familienbetrieb in Bad Kleinkirchheim, erzählt, wie er über we4tourism seinen Umbau finanziert. Er wollte die Betriebsgröße seines 120-Bettenhauses mit Gastronomie optimieren und in Qualität investieren. Das konnte er zunächst mit kleineren Summern aus dem Cashflow. Für ein größeres Projekt brauchte er aber drei Millionen. Das hätte eine Verdopplung des Fremdkapitals bedeutet und er hatte damals keine starke Eigenkapitalbasis. „Es fehlten schlicht 600.000 Euro Eigenkapital, Bankkredite waren ausgereizt.“ Dann wurde er auf die neue Möglichkeit des Crowdfundings aufmerksam. Im September 2016 fiel die Entscheidung, es zu versuchen. Man arbeitete mit der ÖHT und der Hausbank zusammen. Die entscheidende Frage war: „Bin ich für die Crowd interessant?“ Das war er, auch wenn ein Hotelumbau eigentlich kein sexy Projekt für eine Finanzierung über die Crowd ist. Aber sein Hotel ist klar positioniert, es erzählt eine Geschichte, die Investoren konnten und wollten Teil dieser Geschichte werden. Wir konnten Crowdfunding als innovatives Marketingtool für die Ansprache neuer Gäste nutzen.“ Die Kampagne lief von Dezember 2016 bis März 2017. Man konnte 91 Investoren gewinnen, die im Schnitt 7000 Euro investierten. Es gab die Möglichkeit die Hälfte der Investition als Gutscheine innerhalb von sechs Jahren zurückzubekommen (bei 6% Zinsen) oder alles in Gutscheinen ausgezahlt zu bekommen (bei 9% Zinsen). Jeweils die Hälfte entschied sich für eine der beiden Varianten. Von den Investoren kamen rund die Hälfte von den Stammgästen, die andere Hälfte über Plattformen und Artikel in der Presse. Ein neues Kinderparadies konnte bereist von dem Geld gebaut werden, 2018 wird der Wellnessbereich erweitert, 10 neue Zimmer kommen hinzu und eine Erweiterung des Seminarbereichs.

Soccerzone und Holzhotel

Wolfgang Kleeman kann weitere erfolgreiche Crowdfundingprojekte nennen: Auch die Adeo-Hotels (mittlerweile heißen sie COOEE alpin Hotels) von Hermann Maier und Rainer Schönfelder wurden über we4tourism mitfinanziert. In der Pipeline stehen eine „Soccerzone“ (Soccergolfplatz) in Villach-Faakersee, in Tirol soll ein beliebtes Familien-Aktiv-Hotel ausgebaut werden, in Wien wird ein Holzhotel errichtet. Außerdem werden sozialökonomische Tourismusprojekte mit donation-based Crowdfunding-Projekten ins Auge gefasst. Bei allen Projekten dient We4tourismus als Portal, als „Mutter aller Plattformen“, wie Kleemann das nennt. Insgesamt sind bereits 25 Projekte angeschoben, in den nächsten zehn Jahren möchte man jährlich zehn realisieren. Wohlgemerkt: ausschließlich im Tourismus.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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