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Wird Crowdfunding jemals eine ernstzunehmende, alternative Finanzierungsform? Derzeit ist die Mehrheit der Unternehmer noch skeptisch.

Crowdfunding im Aufwind

22.03.2016

Wer braucht schon Banken, wenn man für gute Ideen Geld einfach einsammeln kann - auch im Tourismus?

Heute sind Erfinder, Produzenten oder Künstler nicht mehr ausschließlich auf klassische Finanzierungen wie etwa Kredite oder einzelne Großinvestoren angewiesen. Denn im Internet kann heutzutage praktisch jeder für eine originelle Idee Geld einsammeln. 
Die Geschichte dazu hat im Jahr 2009 mit der Gründung der Internetplattform Kickstarter begonnen. Die Idee ist einfach: Firma X hat die Idee für ein Produkt und stellt es auf der Plattform vor. X gibt an, wie viel Geld für die Umsetzung benötigt wird. All jene, die dieser Idee etwas abgewinnen können, zahlen einen gewissen Betrag ein. Das können Kleinstbeträge sein, aber auch größere Summen – meist gibt es eine Obergrenze. 

Hürden bei Kreditvergabe

Ist Crowdfunding in Zeiten hoher Hürden bei der Kreditvergabe durch Banken eine Finanzierungsalternative? Laut aktueller Umfrage des Kreditschutzverbands KSV1870 bezeichneten 59 Prozent der österreichischen Unternehmen die Kreditaufnahme als „schwierig“ oder „sehr schwierig“. Aber: Crowdfunding oder Crowdinvesting ist für die Mehrheit der befragten Firmen (n=1600) als Alternative zum Bankkredit derzeit noch kein großes Thema. Dabei offenbaren sich regionale Besonderheiten: Demnach ist die Kreditsuche in Kärnten und dem Burgenland besonders schwer: 72 bzw. 70 Prozent stufen die Suche als „schwierig“ oder „sehr schwierig“ ein. In Tirol und Salzburg liegt dieser Wert nur bei 45 bzw. 51 Prozent. Und wie sieht es im Tourismus aus? Wäre da Crowdfunding nicht auch eine Alternative? 

Mit einem Entschließungsantrag wurde kürzlich im Nationalrat ein Anliegen des österreichischen Tourismus unterstützt. Demnach vertreten die Regierungsfraktionen die Ansicht, dass das alternative Finanzierungsinstrument Crowdfunding eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Instrumente zur Tourismusförderung darstellt und mehr genützt werden sollte. Sie wollen mit einer Entschließung Aktivitäten des Ministeriums und der Interessenvertretungen anstoßen, Crowdfunding bekannter zu machen. Warum nicht auch Schwarmfinanzierung und damit mehr Eigenkapital für touristische Projekte, für Hotels und Gastronomen? In einer von Kleinunternehmen geprägten Branche wie dem Tourismus hat Crowdfunding viel Potenzial und kann auch was bringen. Aber Österreich steckt da noch in den Kinderschuhen: Die hierzulande sechs aktiven Plattformen sammelten laut WK im Jahr 2015 „nur“ 8,1 Mio. Euro ein. Das ist zwar fast viermal so viel wie 2014. Aber bei den Milliardeninvestitionen, die pro Jahr in Österreich getätigt werden, eine immer noch vernachlässigbare Größe. 

Durch das Crowdfunding-Gesetz 2015 kommt Schwung rein: Die Grenze für eine strenge Prospektpflicht wurde von 250.000 auf 5 Mio. Euro angehoben (Prospektpflicht light). Das könnte einen Startschuss für weitere große Finanzierungen bedeuten, auch im Tourismus. Es kommt halt auf die Idee an. 

Autor/in:
Alexander Grübling
Original erschienen am 22.03.2016: Gast.
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