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Danke, liebes Seebad

03.07.2015

Das Hotel Hochschober feierte 20 Jahre Seebad. Ein ergreifender Moment, der viel über den Spirit dieses Hauses aussagt

Abendliche Idylle am Turracher See. Auch jetzt könnte man noch im 30 Grad warmen Wassers des Seebads vom Hotel Hochschober baden.

Vor ungefähr dreißig Jahren hörte Hotelier Peter Leeb einen Vortrag der TU Graz über die Möglichkeit, einen Baggersee mit Wärmepumpen zu beheizen. Das hörte er gern, denn sein Hotel Hochschober liegt auf der Turracher Höhe auf 1.700 Metern Seehöhe an einem leider zum Schwimmen fast immer zu kaltem See. Also recherchierte er weiter und entwickelte gemeinsam mit seinem Haustechniker Sepp Dockner und weiteren Experten eine technische Eigenbaulösung für einen 25 x 10 m großen Hotelpool im Turracher See, in dem man im beheizten Seewasser schwimmen kann. Der Trick: Der Pool ist unten offen und schwebt am Seeboden verankert auf Stahlpontons, an denen drei Meter lange Kunststoffwände hängen. Über Düsen wird warmes Wasser eingeblasen, das nach oben schwebt und dort durch die Kunststoffwände gehalten wird. Das kalte Seeewasser sinkt nach unten ab. Also kann man im zwei Meter tiefen Seewasser mit knapp 30 Grad Wasser baden, das ganze Jahr über, während im See um das schwebende Bad herum das Wasser 18 Grad hat, meistens weit weniger.
Dieser Pool war eine geniale Marketingidee des vor einem Jahr verstorbenen Vaters der heutigen Hotelierin Karin Leeb. Und man spürte bei ihrer kleinen Geburtstagsrede am Pool vor geladenen Freunden des Hauses, dass dieses Seebad das ganz persönliche Vermächtnis ihres Vaters ist (neben vielen anderen ungewöhnlichen und guten Ideen, die Peter Leeb im Hochschober verwirklichen konnte). Das Seebad setzte ein Zeichen, welches das Hochschober berühmt machte. Einige Male kopiert, aber nie wirklich erreicht. Unzählige technische Schwierigkeiten wurden überwunden. „Mein Vater war so klug die Behörden und den Besitzer des Sees, die Schwarzenbergische Familienstiftung, und auch die Nachbarn frühzeitig mit ins Boot zu holen“, sagt Karin Leeb.
Das Bad greift auch nicht ins Ökosystem des Turracher Sees ein, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Menge des beheizten Wassers zur Restmenge verhält sich wie „ein Tropfen Wasser in einer Badewanne“, erklärt Martin Klein, Ehemann von Karin Leeb. Der Betrieb ist bis heute nicht einfach – es ist schon vorgekommen, dass der Rahmen bei schlechtem Wetter senkrecht in die Höhe stand –, und es kostet auch. Peter Leeb hatte an seinem Bett eine Kontrollleuchte. Und ging jeden Morgen als Erster baden. „Der König schreitet zu Bade“, hieß es. „Er hat das eigentlich für sich gebaut, die Gäste durften es mitbenutzen“, sagt Martin Klein. „So sagt es zumindest die Sage …“
Aber das ungewöhnliche neue Angebot des Hochschobers sorgte vor allem in den ersten Jahren, als die Zeitungen und sogar das Fernsehen erstaunt berichteten, für eine spürbare Steigerung der Nächtigungszahlen, wie Martin Klein vorrechnet: „Zwischen 1993 und 97 kam es zu einem Nächtigungsplus von 12.000 Nächten, das hat eindeutig das Seebad bewirkt.“ Und noch heute wäre das Hochschober nicht das Hochschober ohne dieses einzigartige Seebad. Weil es für den Innovationsgeist und auch ein wenig für die Störrigkeit dieses Hauses steht, wo vieles ein wenig anders abläuft als in gewöhnlichen Spitzenhotels. Weil sich die Hoteliersfamilie das so in den Kopf gesetzt hat und es eben durchzieht – gegen alle Widerstände und Bedenkenträger. Also sagte Karin Leeb am Ende ihrer Geburtstagsrede: „Alles Gute, liebes Seebad, und danke!“ Dabei hatte sie tatsächlich ein paar kleine Tränen in den Augen. tav

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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