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Mit den Fingern auf andere zeigen und sagen, sollen die doch mal was machen, genügt nicht. Man muss selbst ein paar Schritte tun. Das gilt fürs Privatleben oder im Geschäft, für Hotelier und Gast gleichermaßen.

Darum geht’s im nachhaltigen Tourismus

16.05.2019

Wie sich die Hotelbranche der Herausforderung eines nachhaltigen Tourismus stellt oder stellen kann.

Laut dem Cambridge Institute for Sustainability Leadership sind ca. fünf Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf den Tourismus zurückzuführen. Dieser Wert soll bis 2035 um 130 % steigen. Allerdings hat die International Tourism Partnership festgestellt, dass die Hotelbranche ihren CO2-Ausstoß bis 2050 um 90 % pro Zimmer und Jahr senken muss (verglichen mit dem Wert von 2010), um die Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen. 
Dies sind ernüchternde Zahlen, insbesondere angesichts der aktuellen und prognostizierten Wachstumsraten für den Sektor. In den vergangenen fünf Jahren ist die Hotelbranche weltweit um 2,3 % gewachsen und hat 2018 laut IBISWorld einen Umsatz von über 1,28 Billionen Euro erzielt. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, wird es 2050 mehr als 80.000 zusätzliche Hotels geben.

Wir stehen also vor großen Herausforderungen. Wie Willy Legrand, Professor für Hospitality Management an der IUBH School of Business and Management in Bad Honnef, Deutschland, und Experte für Nachhaltigkeit im Hotel- und Gastgewerbe, in einem Blog von Trivago erklärt, „müssen wir das Wachstum der Branche vorantreiben, steigende Übernachtungszahlen bewältigen und immer mehr Unterkünfte bauen. Gleichzeitig muss aber die CO2-Bilanz verbessert werden, um die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf null zu senken.“

Wie kann man mit dieser Herausforderung umgehen? Prof. Legrand schlägt diese Handlungsfelder vor:

* Weniger Lebensmittelverschwendung: Dies kann zum Beispiel erreicht werden, indem Nahrungsmittel vor Ort angebaut oder von lokalen Produzenten bezogen werden. Auch eine Änderung der sozialen Normen ist nötig, damit Essensreste auf dem Teller nicht länger als gesellschaftlich akzeptiert gelten.
 
* Geringerer Wasserverbrauch auch außerhalb der Hotelzimmer: Manche Unterkünfte bitten ihre Gäste nicht nur, Wasser zu sparen und Handtücher nicht unnötig waschen zu lassen, sondern testen Innovationen wie Duschen, die selbst Wasser filtern.
 
* Alternativen zu Plastik: Der Verzicht auf Einwegprodukte aus Plastik geht über das Recycling hinaus und kann dazu beitragen, die riesigen Mengen an Abfall, die durch die Herstellung und Entsorgung dieser Artikel entstehen, zu reduzieren. Ein guter erster Schritt ist die Abschaffung von Kunststoffwasserflaschen und Plastiksackerln.
 
* Energieeinsparung: Diese ökologisch nachhaltige Vorgehensweise lässt sich einfach und effektiv verfolgen, indem beispielsweise das Gästeerlebnis neu gestaltet wird, um die Reisenden zum Umdenken zu bewegen. Eine Möglichkeit wäre, die Minibar und die Kaffeemaschine in jedem Zimmer durch entsprechende Angebote in einem für alle Gäste zugänglichen Bereich zu ersetzen.
 
* Papierloses Hotel: Dies lässt sich mit einem modernen Property-Management-System ganz einfach erreichen. Damit werden nicht nur der Betrieb vereinfacht und das Gästeerlebnis optimiert, sondern auch die Kohlenstoffemissionen reduziert.
 
* Nachhaltige Hotelarchitektur: Bei der Errichtung neuer Unterkünfte sollte ein „Triple-Zero-Ansatz“ verfolgt werden. Dies bedeutet, dass lokale Baumaterialien und Handwerker eingesetzt werden (null Kilometer), dass Energiemanagement und Reduzierung der Emissionen eine wichtige Rolle spielen (null Kohlendioxid) und dass beim Bauen ein Lebenszyklusmanagement eingeführt wird (null Abfall).

* Mobilität: Man könnte noch einen weiteren Punkt ergänzen: Das Hotel könnte dem Gast Lust darauf machen, sich umweltfreundlicher zu verhalten. Das beginnt bei der Anreise, wenn man ihn vom Bahnhof mit einem Elektroauto abholt. Man könnte ihm für eine Spritztour in die Umgebung einen Tesla anbieten (gegen Bezahlung) oder ein E-Bike (gratis?). Fleißige Wanderer bekommen ein Bier gratis.

* Nachhaltiges Verhalten belohnen: Man nennt es Nudging (Anstupsen) und meint damit, jemanden durch eine kleine Belohnung dazu zu bewegen, etwas zu tun, was er freiwillig nicht tun würde. Zum Beispiel auf die tägliche Zimmerreinigung verzichten (weniger Chemie, weniger Wäsche). Dafür bekommt man eine kleine Belohnung. Den Teller aufessen am Buffet: Kinder bekommen einen Orden vom Kellner etc.

Trend nachhaltiges Reisen

Der Trend zur Nachhaltigkeit in der Hotelbranche wird aber nicht nur durch das hehre Ziel der Dekarbonisierung gefördert, sondern auch durch Wirtschafts- und Marketingfaktoren. Die Weltorganisation für Tourismus erwartet, dass 2020 etwa 1,6 Milliarden umweltbewusste Reisen unternommen werden. Umweltfreundlichkeit entwickelt sich für eine wachsende Zahl umweltbewusster, sozialverantwortlicher Reisender gerade von einem trendigen Zusatzangebot zu einer absoluten Notwendigkeit.
Dies lässt sich vor allem bei der neuen Generation von Reisenden und Hotelbuchern beobachten. Eine Untersuchung des Verbraucherverhaltens der Generation Y durch die The Nielsen Company hat ergeben, dass für diese einflussreiche, reisefreudige Generation Nachhaltigkeit eines der wichtigsten Kaufkriterien ist. Danach würden 66 % der weltweit Befragten „für Produkte und Services von Unternehmen, die sozial- und umweltverträglich arbeiten, mehr bezahlen“. Ähnliche Ergebnisse lieferte eine weltweite Umfrage von TUI, bei der zwei Drittel der Reisenden angaben, „sie seien für das Wohl der Umwelt bereit, Kompromisse in ihrem Lebensstil zu machen“.
Durch ein Engagement für den Umweltschutz können Unterkünfte also nicht nur mehr umweltbewusste Reisende anziehen, sondern ihren Gästen auch helfen, etwas für die Umwelt zu tun, ohne Abstriche bei ihrer Reise machen zu müssen.

Es gibt noch viel zu tun, bis das Hotel- und Gastgewerbe zu einer ökologisch nachhaltigen Branche wird. Dies als Herausforderung zu bezeichnen ist fast eine Untertreibung. Aber jede Maßnahme und jeder Schritt, der unternommen wird, um den CO2-Ausstoß auf allen Ebenen der Branche zu senken, zählt und ist wichtig. 

„Nachhaltiges Hotel- und Gastgewerbe bedeutet nicht, dass ein Unternehmen in einem bestimmten Markt sein Bestes tut“, sagt Prof. Legrand. „Die Branche stellt sich den ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, indem sie Ideen, Lösungen und Strategien entwickelt, um die Hotels der Zukunft zu gestalten und deren Betrieb nachhaltig zu managen.“ Und dafür können sie dann auch werben: als zertifiziertes Green Hotel, mit dem Umweltsiegel oder bei den Meta-searchern wie Trivago, die umweltfreundliche, nachhaltige Hotels besonders kennzeichnen.

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