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Das „Allzweckmesser“ Zweigelt

06.06.2018

Anders als mit seinem „Erfinder“ können mit der Zweigelt-Traube selbst fast alle: Der wichtigste Rotwein des Landes hat aber auch überraschende Seiten

Von der Südsteiermark bis in den hohen Norden des Weinviertels wird der Rotburger – wie der Zweigelt bis zu seiner Umbenennung nach dem Züchter Fritz Zweigelt hieß – kultiviert. Das ist keine Selbstverständlichkeit.Will man den Weg der robusten Sorte zum vielschichtigen Top-Wein nachzeichnen, empfiehlt sich ein Blick zum Neusiedler See. Nicht nur weil die burgenländische Region 2012 ihren DAC ganz dem Zweigelt gewidmet hat: Ob reinsortig oder als dominierender Bestandteil roter Cuvées, bleibt den Winzern überlassen.

Der Seewinkel stellt aber auch aus einem anderen Grund einen (wein)historischen Boden für die Rebsorte dar. Hier wurde 1985 mit dem „Ried Hallebühl“ eine Pioniertat gesetzt, die das Image der Sorte entscheidend verbesserte. Josef Umathum aus Frauenkirchen zeigte mit dieser Abfüllung, dass der Zweigelt auch das Zeug zum großen Wein hat. Sein Geheimnis? „Eine Grünlese zu machen ist bei der Sorte essenziell“, so „Pepi“ Umathum zur ÖGZ. Reduziert man den Ertrag nämlich bereits in der frühen (Weinbau-technisch: „grünen“) Phase des Wachstums, dann wird aus der unverwüstlichen und ertragsstarken Sorte ein komplexer und lagerfähiger Wein. 

Die besten Anlagen hat die seit 1922 existierende Züchtung – ein „Kind“ von St. Laurent und Blaufränkisch – sowieso. Die Burgundersorte sorgt für die sanfte Eleganz und runde Art, der Blaufränkisch für die Lebendigkeit. „Ich habe nie verstanden, warum man eine Sorte so runtermacht“, schüttelt auch Johann Schwarz den Kopf. Der Andauer (Spitzname: „The Butcher“) hat mit dem „Schwarz Rot“ ein weiteres Monument in Sachen Zweigelt kreiert. 

Auch wenn die Spezialisten der lange lagerfähigen Zweigelts ihre Fangemeinde gefunden haben, so dominiert bei Österreichs meistangebauter roter Traube die jugendliche Spielart. Das Herzkirschen-Aroma und der im Idealfall violette Schimmer der Sorte haben dafür gesorgt, dass auf kaum einer Weinkarte ein animierender Zweigelt fehlt. Zumeist ist er in der Jugend schon gefälliger als der etwas schroffere Blau-fränkisch. Denn die Säure dieser Eltern-Sorte des Zweigelt ist schließlich nicht jedermanns Sache. 

Im Zeichen des „Z“

Speziell mit dezentem (!) Holzeinsatz ergibt sich eine Mischung aus den Vanille-Noten des Fasses und der Kirschfrucht der Rebsorte. In Carnuntum hat man mit dem Rubin dafür eine eigene Bezeichnung geschaffen – nach Anfängen als Blend heute ein reinsortiger Zweigelt. Sucht man einen gastronomischen Allrounder aus Österreich, wird man früher oder später bei Weinen wie diesem landen. Zumal eines stimmt bei der weitverbreiteten Sorte: Als finessenreicher Wein kann er mittlerweile aus allen Ecken des Landes kommen (ja, auch in Oberösterreich und Kärnten setzen die Weinbauern auf die Sorte). Ob „Rotburger“ – das Synonym findet sich angesichts der NS-Verstrickungen Prof. Zweigelts wieder öfter als Bezeichnung – oder Blauer Zweigelt am Etikett steht, ist dabei nebensächlich! 

Autor/in:
Roland Graf
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