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Steiniger Untergrund: die Weine des Leithaberg-Cups.

Das Burgund Österreichs?

13.11.2014

Im Weinbaugebiet Leithaberg DAC wird viel Wert auf einen einheitlichen Stil gelegt. Die ÖGZ hat sich das nordwestliche Ufer des Neusiedler Sees genauer angesehen

Einzellagen Krainer
Tannenberg

Text: Bernadette Altenburger

 

Wie alles begann: Etwa zeitgleich mit den ersten DAC-Vereinen im Weinviertel wurde Anfang dieses Jahrtausends im Nordburgenland der Verein Leithaberg als privater Verein gegründet. 14 Winzer waren es damals, die sich der Verfeinerung der Leithaberg-Stilistik verschrieben haben. Diese war vor allem durch die einzigartigen Leithakalk- und kristallinen Schieferböden geprägt und weniger durch Vinifikation und Ausbau. Anders als am östlichen Seeufer verzichtete man schon damals auf übermäßigen Holzeinsatz und die meisten zu dieser Zeit modernen und gängigen Hilfsmittel. Nach ersten Erfolgen am Markt und bei Prämierungen, hatte man schnell mit einer Reihe von Trittbrettfahrern zu kämpfen, die sich nicht nur stilistisch weit neben der Idee der retro-innovativen Winzer, sondern vor allem preislich weit unter den angestrebten Zielen bewegten. So drohte die „Marke“ Leithaberg über die Vermarktung mittels Diskontern und Billiganbietern Schaden zu nehmen. Die Lösung lag auf der Hand – das Gebiet und sein Potenzial muss per EU-Verordnung gegen Abverkauf geschützt werden. Ab dem Rotweinjahrgang 2008 bzw. Weißweinjahrgang 2009 war es so weit: Leithaberg DAC war ins Leben gerufen und hatte sich von der „Schutzmarke“ in eine „geschützte Herkunft“ verwandelt.

70 Winzer
Das namensgebende Element ist die höchste Erhebung im Nordburgenland. Das Leithagebirge ist ein knapp 500 Meter hoher und ca. 30 Kilometer langer Hügelzug, der sich von Jois nach Eisenstadt schlängelt. Nicht nur jene Lagen, die sich direkt an den Hängen des „Leithabergs“ befinden, sondern auch die Weingärten der umliegenden Gemeinden mit ähnlichen klimatischen und geologischen Voraussetzungen dürfen Leithaberg-Weine produzieren. Obwohl es mittlerweile 70 Winzer sind, die teilweise mehrere verschiedene Leithaberg-Weine produzieren, ist das oberste Ziel, die Qualität hoch zu halten. So wurde auch auf eine Klassik- bzw. Basiswein-Kategorie verzichtet. Die Weiß- und Rotweine dürfen kraftvoll, aber nicht fett oder buttrig sein. Es darf mit Holz gearbeitet, aber nicht überholzt werden. Ein Balanceakt, der selbstverständlich nicht jedem Winzer beim ersten Versuch glückt. Hat er es aber geschafft, kann er auf einen Herkunftswein in seinem Portfolio verweisen, der üblicherweise auch einen anständigen Preis am Markt erreicht und über vielzählige Präsentationen und ein gemeinsames Marketing-Budget dem Publikum bekannt gemacht wird.

Stilprägende Böden
Das große Kapital der Leithaberg-Winzer sind die mineralischen Böden, auf denen ihre Reben wachsen. Die vorherrschenden Bodentypen sind Leitha-
kalk und kristalliner Schiefer. Je nach Lage findet man sie fast überall in den historischen Weinbaulagen der Region. Beide Böden bringen unterschiedliche Aromen und Eigenschaften in den Wein ein. So wirken sich Kalkböden sehr stark auf die Struktur der Weine aus und machen sie burgundisch cremig. Weine, die auf Schiefer wachsen, stehen meist für eine klare Fruchtausprägung und frische Säurestruktur. Häufig sind die Leithaberg-Weine „Cuvées“ von beiden Bodenarten, die sich im positiven Fall gegenseitig sehr gut ergänzen. Abgesehen von der jeweiligen Bodenformation lassen sich auch Unterschiede in der Stilistik erkennen, die durch die unterschiedliche Seenähe beeinflusst werden.
Diese unterschiedlichen Mikroklimata sollen in Zukunft auch verstärkt in Form von Lagenweinen herausgearbeitet werden und die qualitative Speerspitze des Gebietes darstellen. Leithaberg-Weine mit Lagenbezeichnung kommen erstmals mit dem Jahrgang 2012 (rot) bzw. mit dem Jahrgang 2013 (weiß) auf den Markt.

Einige Lagen
Die Lage Gritschenberg ist durch den Ort Jois eher von der Seethermik nicht so stark beeinflusst wie der Jungenberg und deshalb trotz seiner südlichen Exposition tendenziell kühler. Die Böden reichen von mit Muschelkalksteinen durchsetztem Lehm im Schwemmbodenbereich bis hin zum lockeren Kalksand im Zentrum der 16 ha großen Lage.
Die Rebstöcke in der Lage Alter Berg sind bis zu 25 Jahre alt. Oberhalb dieser Hanglage nahe Winden am See steht der kühle Wald, unten sieht man den Neusiedler See, mitten in den Zeilen wachsen riesige Kirschbäume, und überall sind die viele Millionen Jahre alten Fossilien aus dem Urmeer zu finden, die dem Wein seine lebendige Mineralität geben.
Der Schieferboden der Lage Goldberg mit Blick auf Schützen wärmt sich im Sommer stark auf und gibt die gespeicherte Wärme in der Nacht langsam ab. Die Trauben werden also großen Temperaturunterschieden ausgesetzt, was die Schalen dick und aromatisch werden lässt. Die Zusammensetzung des Bodens gibt dem Wein überdies eine lebhaft-würzige Mineralität.
Die Lage Glaggsatz bei Großhöflein ist mit 325 m Seehöhe die höchste Lage am Leithaberg neben dem „Großhöfleiner Spiegel“. Extrem kalkhältige Kalkbraunerde mit hohem Skelettanteil (Steinanteil und teilweise verwittertem Muschelkalk) ergibt Weine mit sehr viel Finesse und Eleganz.

Langlebig und kulinarisch
Durch ihre puristische Art können die Blaufränkischen der Region in den ersten Jahren noch ungestüm und verschlossen wirken. Sie gehören aber zu den lagerfähigsten Weinen Österreichs und entwickeln meist erst nach einiger Zeit auf der Flasche ihre volle Reife. Diese Langstreckenläufer kann man ohne Bangen im Keller haben. Besonders die Weißweine werden als vielfältige Speisenbegleiter eingesetzt. Durch ihre Salzigkeit und ihr Spiel zwischen Mineralität und Frucht bieten sie sich für ein breites Spektrum an Gerichten an.
Als große Rotweinjahrgänge gelten im Gebiet Leithaberg DAC 2009, 2011 oder 2012. Aber auch den kühleren Jahrgängen wie 2010 oder 2008 steht die frische Stilistik der mineralischen Blaufränkischen. Bei den Weißen sind es häufig die kühleren Jahre wie 2010, 2008 oder der aktuelle Jahrgang 2013, die die besondere Frische und Eleganz der Leithaberg-Weißweine noch unterstreichen.

Die ÖGZ hat die aktuellen Jahrgänge verkostet – mehr dazu online im ÖGZ-Blättermagazin!

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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