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Das Comeback der Sommerfrische

19.08.2010

In der Steiermark hat man sich auf Initiative Heinz Reitbauers einer neuen, alten Idee angenommen. Schon während des Mittelalters war es in der Aristokratie üblich, vom (meist in Städten gelegenen) Winterpalais während der Sommermonate aufs Land hinaus in das Sommerschloss zu fahren.

Ab dem 19. Jahrhundert, nachdem ein europäisches Eisenbahnnetz das Reisen deutlich erleichtert hatte, war die sommerliche Flucht auf das Land in Österreich waren vor allem das Semmering-Rax-Gebiet sowie das Salzkammergut beliebte Reiseziele auch für das gehobene Bürgertum möglich.

Wer sich keinen eigenen Sommersitz leisten konnte, quartierte sich in Gasthäusern und Privatquartieren ein – der Beginn des kommerziellen Sommertourismus in Österreich.
Nach dem 2. Weltkrieg war die Sommerfrische erstmal out. Ab den 50er-Jahren zog es die Sommerurlauber zusehends mit dem eigenen Auto nach Italien ans Meer. Und in den 70ern begann schließlich der Siegeszug der Flugpauschalreisen.

Aber jetzt besinnt man sich in der Steiermark wieder der alten Tradition und versucht, die klassische Sommerfrische neu zu beleben. Initiator dafür ist Steirereck-Patron Heinz Reitbauer, der die Region um den Pogusch schon vor über zehn Jahren mit den „Romantikzimmern“ belebt hat. Die jetzt propagierten – und vom Land Steiermark stark geförderten – „Sommerfrischezimmer“ sollen eine neue Variante der Romantikzimmer darstellen und haben u. a. folgende Voraussetzungen:

– Möbel aus heimischen Hölzern
– hochwertige textile Ausstattung
– Hochbett: Höhe mind. 65 cm
– kein Plastik
– kein Duschvorhang im Bad (Spritzschutz aus Glas)
– besondere Accessoires wie Kräuterkissen, Wärmflasche,
   Wetterfleck (Motto „Regen als Segen“) etc.

Sommerfrische Kulinarik
Dabei soll sich die Initiative der neuen steirischen Sommerfrische aber nicht nur auf die Zimmer beschränken. Reitbauer denkt bei dem Thema vielmehr an eine ganzheitliche Betrachtung, die auch Dienstleistungen wie geführte Wanderungen (z. B. Sonnenaufgangs-, Mondschein-, Pirschwanderungen) oder eine sommerfrische Kulinarik mit einschließt. Bei dieser geht es speziell um Lebensmittel, die aus der unmittelbaren Umgebung kommen (das bedeutet etwa Kern- oder Distelöl statt Olivenöl, steirische Weine statt Prosecco und Chianti), um klassisches Besteck und Porzellan, aber auch um zeitgemäße Gläser ohne Werbeaufdrucke.

47 Tourismusgemeinden in der Hochsteiermark umfasst die Som­mer­frischeaktion, die sich allerdings absolut nicht auf den Sommer beschränkt, sondern im Gegenteil den Ganzjahrestourismus fördern soll. Wichtigste Zielgruppe sind die klassischen, konsumationsfreudigen „Best-Ager“, die künftig unter dem Motto „All steirisch statt all inclusive“ urlauben sollen. Die neue Sommerfrische wird dabei nicht billig sein, soll aber ein unschlagbares Preis/Leistungsverhältnis bieten. Reitbauer: „Wir wollen leistbaren Luxus, Topqualität und Bodenständigkeit bieten. Die Gäste sollen sich geborgen fühlen, aufgenommen in eine Familie, die ihren Wünschen individuell nachkommt. Das Plus sind dabei die kleinen Familienbetriebe, die dem Tourismus die Seele zurückbringen, mit einer persönlicheren Betreuung als in anonymen Großhotels.“

Nomen est omen
Einer der Ersten, die die Somerfrischezimmer bereits in die Praxis umgesetzt haben, ist natürlich Heinz Reitbauer selbst. Vier Zimmer hat er in seinem Refugium am Pogusch errichten lassen, ein Stroh-, ein Heu-, ein Schaf- sowie ein Ziegenzimmer, wobei hier jeweils auch der Name als Programm dient. So ist etwa das Heuzimmer mit duftenden Heuballen ausgelegt, im Schafzimmer ist ein Teil der Möbel mit Schaffellen umwickelt und im Ziegenzimmer sieht man durch ein im Boden eingelassenes Fenster direkt auf den darunter liegenden (in Betrieb befindlichen) Ziegenstall. Für die Holzverarbeitung zeichnet die Firma Terler Holzbau in St. Marein verantwortlich.

2011 geht‘s los
Claudia Flatscher vom Tourismusregionalverband Hochsteiermark ist von der Idee der Revitalisierung der Sommerfrische jedenfalls begeistert: „Das ist eine Superidee für unsere Region. Wir sind hier ja eigentlich ein Industriegebiet, in dem der Tourismus noch nicht so verankert ist. Wir kämpfen aber um eine diesbezügliche Qualitätsverbesserung und denken, dass das ein guter Weg ist. Die Sommerfrische soll sich ja auch im Winter verkaufen – Natur, Luft und Wasser nahe von Wien oder Graz existieren das ganze Jahr lang – und der Genuss – es dreht sich eben nicht nur um das Übernachten, sondern auch um die Kulinarik – sind sowieso immer ein Thema.“ Bis jetzt hätten 17 Betriebe um Zimmerförderungen angesucht. Das seien aber eben nur die Zimmervermieter. Zahlreiche andere Produzenten und Gastronomen würden das Thema „Kulinarik“ besetzen. Offiziell gelauncht soll das Projekt im Frühjar 2011 werden, wenn die ersten Zimmer fertiggestellt sind.

Clemens Kriegelstein

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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