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Das denkt die Branche über Corona

16.03.2020

Der Tourismus ist einer der Hauptleidenden unter der Corona-Krise. Die ÖGZ hat Gastronomen, Caterern, Hoteliers und Tourismusverbänden befragt.

 

 

 

 

Sepp Bitzinger, Gastronom (u.a. Augustinerkeller) aus Wien

Meine Hauptsorge ist, was ich mit meinen Mitarbeitern machen soll? Das Kurzarbeitsmodell ist für mich nicht wirklich eine Lösung. Da bleibe ich auf rund 50 Prozent der Arbeitgeberkosten sitzen. Ich überlege derzeit, dass ich meine zur Kündigung anmelde und ihnen eine Wiedereinstellungsgarantie gebe, wenn sich die Lage gebessert hat und wir den Betrieb wieder aufnehmen können. Auch das kostet einen Haufen Geld, weil ich beispielsweise Urlaube auszahlen muss.

Sepp Bitzinger, Gastronom (u.a. Augustinerkeller) aus Wien, by d.nutz

 

Christof Kastner, CEO der Kastnergruppe (u.a. Gastrogroßhandel) aus Zwettl

Ich kann sagen, dass die Versorgung sichergestellt ist. Auch die Hygienebedingungen sind dermaßen streng, dass man sich keine Sorge vor einer Ansteckung über Lebensmittel machen muss. Wir werden in den kommenden Wochen auch unsere Gastro-Großmärkte für die Allgemeinheit öffnen. Natürlich sind wir als Unternehmen auch wirtschaftlich betroffen. Wenn die Gastro-Schließungen vier Wochen andauern, kalkulieren wir mit Umsatzeinbußen von zehn Millionen Euro. Wir haben das Glück, dass in der Unternehmensgruppe andere Betriebe wie Nah&Frisch oder myProduct nicht betroffen sind.

Christof Kastner, CEO der Kastnergruppe (u.a. Gastrogroßhandel) aus Zwettl, by d.nutz

 

 

 

Statements vom 12. März:

Wir halten alle Sicherheitsmaßnahmen ein

COVID-19 stellt die globale Gesellschaft vor eine gesundheitliche und ökonomische Herausforderung ungeahnten Ausmaßes. Trotz professionellen Agierens aller Beteiligten sind die Folgen derzeit nicht abschätzbar. Als WienTourismus nehmen wir unsere Aufgabe wahr, Partner in der Tourismusbranche und Tagungswirtschaft bestmöglich zu informieren, auf digitalem Weg auch international. Auch unsere MitarbeiterInnen vor Ort, speziell in den Tourist-Infos mit unmittelbarem Kontakt zu den Gästen, halten streng alle empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen ein. Zu gegebener Zeit wird der WienTourismus alle Maßnahmen setzen, um hoffentlich wieder an Erfolge vor COVID-19 anzuschließen zu können.

Norbert Kettner, WienTourismus

Wir halten alle Sicherheitsmaßnahmen ein, by t.vierich
Schulungen in Hygiene

Die aktuelle Situation verlangt von uns als Unternehmen, ganz besondere Fürsorge für unsere Gäste in den Hotels, Kunden in Reisebüros ebenso wie für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu tragen. Wir haben alles unternommen, um unsere MitarbeiterInnen auf die bevorstehenden Herausforderungen vorzubereiten. In zahlreichen Kommunikationsmaßnahmen haben wir ihnen die wichtigsten Hygieneregeln näher gebracht und achten proaktiv auf die gründliche Desinfektion aller öffentlich zugänglichen Flächen. Weiters haben wir in allen Bereichen – in denen eine Aufrechterhaltung des operativen Geschäfts es erlaubt – unsere Teams angewiesen, von zu Hause aus zu arbeiten.

Andrea Hansal, Verkehrsbüro Group/Austria Trend Hotels

Schulungen in Hygiene, by t.vierich
Chance für einen Reset

Als Catering-Unternehmen haben wir nur Stornierungen, alles liegt auf Eis. Ich musste auch Mitarbeiter kündigen. Wir als KMUs in der Dienstleistungsbranche werden durch u.a. Lohnnebenkosten so geschröpft, dass es nicht möglich ist, Rücklagen zu bilden. In Italien wurden bereits die Basiszahlungen, wie Strom, Miete usw. ausgesetzt. Für Unternehmen wie meines wäre das z.B. eine Erleichterung. Wir können nichts mehr zahlen, wie soll das funktionieren. Gleichzeitig sehe ich den Ausnahmezustand auch als Möglichkeit den „Reset-Button“ zu drücken und es in Zukunft anders zu machen.

Hannah Neunteufel, Hannah´s Plan, Wien

Chance für einen Reset, by t.vierich
Noch nie dagewesenes Krisenmanagment

Die Tourismusbranche hatte schon viele Krisen zu bewältigen, aber der Corona-Virus fordert vom Tourismus ein noch nie dagewesenes Krisenmanagement auf allen Ebenen der Politik, Medienlandschaft und Destination. Der Virus hat infolge dessen einen enormen Schaden in allen Bereichen der Tourismusindustrie verursacht.

Unsere Mitarbeiter wurden bereits speziell über das Thema Corona-Virus informiert bzw. geschult, um vor allem Informationen kompetent an Vermieter weitergeben zu können, aber auch für den Selbstschutz. Home Office war auch ein Thema, ist aber aus logistischen und organisatorischen gründen, gerade in dieser Situation und in unserer Position nicht möglich.

Noch nie dagewesenes Krisenmanagment, by t.vierich

 

Verhaltensleitfaden für die Kommunikation

Der Corona-Virus trifft natürlich auch die Tourismuswirtschaft unseres Landes. Viele verunsicherte Gäste erkundigen sich im Vorfeld ihrer Reise nach der aktuellen Situation. Vereinzelt gibt es auch Absagen, vor allem von Firmenkunden. Für alle Betriebe der Region sowie deren Mitarbeiter gibt es praktische Handlungsanleitungen. Ebenso wird gegenüber dem Gast Aufklärung betrieben und es gibt Empfehlungen für das richtige Verhalten auf unserer Website. Für die Abwicklung der anstehenden Veranstaltungen Ski- & Weingenusswoche und Lady-Skiwoche wird derzeit ein Verhaltensleitfaden erarbeitet, der dann entsprechend an Gäste und Mitarbeiter kommuniziert wird.

Thomas Wirnsperger, Tourismusverband Großarltal

Verhaltensleitfaden für die Kommunikation, by t.vierich

 

 

Vertrauen auf Regierung

Ich vertraue auf unsere Regierung und die Experten, die sicherlich nach bestem Wissen und Gewissen handeln und alles versuchen, um die Ausbreitung des Virus so gut wie möglich einzudämmen. Ich bin aber auch in Sorge um die Sommersaison, unser Lokal kann ich mit weniger als 100 Gästen bespielen, aber Hochzeiten, unsere „Fete Mediterranee“ und andere größere Veranstaltungen stehen auf dem Spiel. Wir hoffen sehr, dass durch diese strikten Regelungen die Ausbreitung verhindert wird und wir einer guten Sommersaison entgegensehen können. Was die Schulungen unserer Mitarbeiter betrifft, gibt es bei uns bereits seit 10 Jahren jährliche Hygieneschulungen.

Hubert Wallner Romantik See Restaurant, Techelsberg am Wörthersee

Vertrauen auf Regierung, by t.vierich

 

Stornorate bei 95 Prozent

Die Ausbreitung des Corona-Virus und die Konsequenzen kommen einer plötzlichen Betriebsschließung der österreichischen Hotel-, Gastronomie und MICE-Branche gleich. Derzeit liegt die Storno-Rate von Veranstaltungen und Events bei 95% für die Monate März und April. Ein Ende dieser Entwicklung ist noch nicht in Sicht. Die Auswirkungen für Locations, Agenturen, für Veranstalter und für uns Caterer sind drastisch und sehr ernst. Momentan setzen wir bei impacts alles daran, Arbeitsplätze und Ressourcen für die Zukunft zu sichern und ich wünsche mir, dass dieser Mut und Unternehmergeist auch seitens der Politik unterstützt wird.

Christian Chytil, impacts Cateringsolutions, Wien

Stornorate bei 95 Prozent, by t.vierich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor/in:
ute.fuith
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