Direkt zum Inhalt
Drei Typen, drei Geschmäcker, eine Brauerei: Während Brian Patton, der Chef des Charlie P’s (r.) auf das O’Hara Irish Stout schwört, lässt sich Restaurantleiter Darren (M.) das Red Ale schmecken. Küchenchef Petr (l.) liebt das kräftige Irish Pale Ale.

Das dunkle Gold der grünen Insel

17.04.2014

Auf der ganzen Welt wird Irish Stout Beer mit Guinness gleichgesetzt, doch die Monopolstellung des irischen Brauriesens gerät ins Wanken – auch am Heimmarkt. Neue kleine Brauereien wie die Carlow-Brauerei sorgen mit O’Hara-Spezialbieren für frischen Wind auf der grünen Insel

Patricia Gouldsbury ist weltweit unterwegs, um den Verkauf anzukurbeln. Obwohl die Carlow-Brauerei recht klein ist, liegt der Exportanteil deutlich über 50 Prozent.

ÖGZ: Mit Guinness verfügt Irland über eine der berühmtesten Biermarken der Welt, die auch den irischen Heimmarkt jahrzehntelang fast monopolartig beherrschte. Wie viel Mut hat es gebraucht, um sich mit so einem Giganten auf ein ungleiches Match einzulassen?
Patricia Gouldsbury: Mut kann man nicht kaufen, den hat man oder hat man nicht. Als die O’Hara-Brüder 1996 die Carlow-Brauerei gründeten, ging es allerdings nicht darum, Guinness herauszufordern, sondern die lokale Brautradition von Carlow wiederzubeleben. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Irland weit mehr als 200 Brauereien, vor zwanzig Jahren gerade noch fünf. In allen Pubs wurden die gleichen Biere ausgeschenkt. Aufgrund der langjährigen Bier-Verträge, die die meisten irischen Pubs haben, und der starken lokalen Präsenz von Guinness haben wir uns von Anfang an entschieden, unsere Biere auch zu ­exportieren. Die O’Hara-Brüder haben von ihren Reisen gewusst, wie gut der Ruf irischer Biere weltweit ist.

ÖGZ: Irish Pubs gibt es auf der ganzen Welt, aber welche anderen Gastronomie-Typen im Ausland schenken irische Biere aus?
Gouldsbury: Ein Irish Pub ohne irisches Bier ist undenkbar, deshalb sprechen wir diese Pubs auch gezielt an. Der internationale Biermarkt ist in den letzten Jahren stark in Bewegung geraten. Die Leute sind auf der Suche nach unterschiedlichen Geschmäckern und interessieren sich plötzlich auch dafür, wo das Bier herkommt und wer dahinter steckt. Der Preis ist nicht mehr alles. Das gilt erfreulicherweise auch für Österreich. Irish Stout ist nun einmal ein einzigartiger Biertyp, den ein Lokal, das mit Biervielfalt überzeugen will, einfach führen muss. Was uns besonders freut, ist der Aufschwung sogenannter Gastro-Pubs, wo nicht nur getrunken, sondern auch gut gegessen wird. Gerade unser Irish Stout ist ein perfekter Speisebegleiter mit einem unglaublich breiten Einsatzgebiet. Irish Stout kann man zu frischen Austern genauso gut trinken wie zu einem Schoko-Dessert.

ÖGZ: Was macht diesen Biertyp so besonders?

Gouldsbury: Also ein gut gezapftes Stout schaut nicht nur sehr gut aus und erinnert geschmacklich an Bitterschokolade, es hat mit seinem feinen Schaum auch ein ganz spezielles Mundgefühl. Obwohl es nach sehr viel schmeckt, ist es sehr leicht und hat weniger ­Kalorien als die meisten anderen Biertypen. Wir verkaufen unser Stout auch in Flaschen, aber am besten schmeckt es natürlich frisch gezapft. In ­Dosen füllen wir unsere Biere nie, auch wenn das logistisch für den Export am einfachsten wäre. Dieses Segment überlassen wir gerne den großen Anbietern.

ÖGZ: O’Hara braut aber nicht nur Irish Stout, sondern eine Vielzahl von Bieren, die es nicht in allen Märkten gibt. Mit welchen Biertypen gehen Sie in den Export – also auch nach Österreich?
Gouldsbury: Das Irish Stout ist unser wichtigstes Bier, weil es in den Augen der Konsumenten Irland verkörpert wie kein anderer Biertyp. Das hat natürlich auch mit dem weltweiten Erfolg von Guinness zu tun. Wir sind auch auf unser Weizenbier sehr stolz, aber damit tun wir uns in Deutschland und Österreich relativ schwer, weil es hier eine starke regionale Weizenbiertradition gibt. Unser Red Ale, das seine Färbung durch eine spezielle Behandlung des Hopfens erhält, ist sowohl in Irland als auch im Ausland ein Renner. Seit ein paar Jahren brauen wir auch ein IPA, das einen unglaublichen Boom erlebt. Bei uns steht IPA allerdings nicht für Indian Pale Ale, sondern für Irish Pale Ale. Der Biertyp ist der gleiche, aber wir verwenden dafür ausgesuchte irische Hopfensorten, die unserem IPA die besondere irische Note geben. Und dann brauen wir noch saisonal wechselnde Spezialitäten und seit zwei Jahren ein besonders kräftiges Stout, das wir in Whisky-Fässern nachreifen lassen. Stout, Red Ale und IPA liefern wir im Fass nach Österreich, das Weizenbier nur in Flaschen.

 

ÖGZ: Wie schwierig ist es für eine kleine irische Brauerei, in Österreich Fuß zu fassen? Schließlich gibt es ja in praktisch jedem Irish Pub bereits Guinness.

Gouldsbury: Auch in Österreich ist die Craft-Beer-Revolution angekommen. Leute interessieren sich für intensiv schmeckende Biere von kleineren Braue-reien. Guinness ist zweifellos ein gutes Bier, aber wir haben mit unserem Irish Stout zahlreiche Auszeichnungen als bestes Stout-Bier gewonnen. Wir scheuen den sensorischen Vergleich sicher nicht. Zahlreiche österreichische Irish Pubs, die bereits Guinness führen und kein zweites Stout vom Fass brauchen, haben sich für unser IPA oder das Red Ale entschieden. Wir sind mit unserer Entwicklung in Österreich jedenfalls sehr zufrieden. Riesige Mengen werden wir hier nie absetzen, aber die hätten wir ja auch gar nicht. Wir wollen den Markt mit Spezialitäten beleben und möglichst vielen Österreichern Lust auf Irland machen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Neues Brauereigebäude in Zell am Ziller: Hier entsteht ein Besucherzentrum.
Gastronomie
11.09.2014

Im Gegensatz zu den meisten anderen Brauereien dieses Landes wird Zillertal Bier nicht pasteurisiert. Das wirkt sich geschmacklich aus. Diese Tatsache hängen die Tiroler aber gar nicht so sehr an ...

Im Flatschers in Wien-Neubau gibt‘s sechs Fassbiere von vier  verschiedenen Brauereien – Gäste, Lokalinhaber und Lieferanten sind  glücklich.
Bier
03.09.2014

Craft Beer ist nur die Speerspitze des aktuellen Bier-Hypes. Bierkultur wird hierzulande durch generell hohes Qualitätsniveau und ein gutes Verständnis zwischen Brauereien, Großhändlern und ...

Wer reinschnuppern will, kann ein Bierseminar besuchen, wie etwa bei der Brauerei Stiegl.
Bier
17.04.2014

Ausbildungsmöglichkeiten zum Bier-Sommelier gibt es sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Geprüfte Sommeliers können ihr Wissen dann in Brauereien und der Gastronomie anwenden

Bei der Übergabe des Gütesiegels (v. l. n. r.): Albert Maringer  (Obmann der OÖ Gebietskrankenkasse), Gesundheitsminister Alois Stöger, Mag. Dr. Andrea Wesenauer (Direktorin der OÖ Gebietskrankenkasse),  Norbert Brettbacher (Betriebsrat Brau Union Österreich AG), Susanne Rief (Betriebliches Gesundheitsmanagement für die Brau Union Österreich AG), Mag. Dr. Klaus Ropin (Gesundheitsreferent des Fonds Gesundes Österreich) und Mag. Julius Stiglechner (1. Obmann-Stellvertreter der OÖ Gebietskrankenkasse)
Produkte
06.03.2014

Linz. Bereits zum zweiten Mal kann sich die Brau Union Österreich über das Gütesiegel für Betriebliche Gesundheitsförderung durch das "Österreichische Netzwerk für Betriebliche ...

Brauerei-Verbandsobmann Sigi Menz: "Wir laden alle ein, sich kreativ und konstruktiv einzubringen".
Produkte
15.01.2014

Wien. Die österreichischen Bierbrauer möchten ein neues gemeinsames Markenzeichen. Dabei gehen sie einen ungewöhnlichen Weg: Sie laden ganz Österreich zum Kreativwettbewerb für ein neues Logo ein ...

Werbung