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Das G’riss um Lehrlinge

05.03.2004

Während Wirte und Hoteliers im Westen darum kämpfen, Kochlehrlinge zu bekommen, werden ausbildungswillige Gastronomen im Osten von Lehrlingen geradezu überannt. Was kann man tun?

Das Thema Lehrlingsausbildung und der vermeintliche Mangel an entsprechenden Lehrstellen ist und bleibt ein zeitloses Politikum.
Doch abseits großer Worte stehen Gastronomen, die tagtäglich mit diesem Problem zu kämpfen haben und an den politischen Verhältnissen zu verzweifeln beginnen, tagtäglich an der Front.
Zweigeteiltes Österreich
Während sich in den westlichen Tourismushochburgen die Gastronomen geradezu überbieten, um tüchtige Lehrlinge zu finden, ist die Ausbildungsbereitschaft im Osten deutlich schwächer ausgeprägt.
„Wir bilden derzeit sechs Lehrlinge aus. Trotzdem muss ich fast täglich Absagen schreiben“, ärgert sich der Wiener Hotelier Franz Hillinger über die Situation in der Bundeshauptstadt. „Es bilden einfach zu wenige Betriebe Kochlehrlinge aus. Einerseits bricht es mir das Herz, wenn ich arbeitswillige junge Menschen weg schicken muss. Andererseits schneiden wir Gastronomen uns durch das zu geringe Angebot an Lehrstellen ins eigene Fleisch, weil wir aufgrund des zu geringen Angebots an ausgebildeten Köchen später viel zu hohe Löhne für mittelmäßig ausgebildete Köche zahlen müssen“, so Hillinger.
Josef Müllner vom Landgasthaus Müllner in Eßling bildet ebenfalls Lehrlinge aus, sehr zum Leidwesen seines Steuerberaters, wie Müllner berichtet: „Rein rechnerisch sind Betriebe, die Lehrlinge ausbilden die Blöden. weil wenn man seinen Bildungsauftrag ernst nimmt, und Lehrlinge nicht zu Hilfsdienste mißbraucht sondern ihnen auch Zeit widmet und sie gewissenhaft ausbildet, rechnet sich das nie. Ich mache das in erster Linie wegen meiner sozialen Verantwortung und meiner Liebe zum Beruf.“
Es ist daher wenig verwunderlich, wenn auch größere Betriebe überhaupt auf die Beschäftigung von Kochlehrlingen verzichten, wenngleich das der Branche insgesamt natürlich schadet.
Franz Hillinger kann sich ähnlich wie beim Behindertenbeschäftigungsgesetz eine Regelung mit Abschlagszahlungen auch für die Lehrlingsausbildung vorstellen: „Wenn ein Betrieb ab einer gewissen Größenordnung keine Lehrlinge ausbildet, sollte er eine Pönale leisten. Mit diesen Gelder könnte man dann Betriebe entlasten, die Lehrlinge ausbilden.“
Dr. Florian Birkmayer, von der WKÖ, kann diesem Vorschlag nur wenig abgewinnen und fordert von allem mehr Mobilität.

„Während in Wien tatsächlich viele Jugendliche vergeblich eine Lehrstelle in der Gastronomie suchen, stellt sich die Situation im Westen gegenteilig dar“, so Dr. Birkmayer, „Was fehlt sind nicht Pönalen, für Betriebe, die – aus was für Gründen auch immer – keine Lehrlinge ausbilden, sondern Maßnahmen, die die Mobilität junger Menschen fördern. Es ist ja nicht so, dass in der heimischen Gastronomie ein Mangel an Lehrstellen bestünde.“
Ein Rundruf unter Gastronomen in Westösterreich bestätigt diese Aussage eindrücklich. Ein Hotelier vom Arlberg ging sogar so weit, dass er – in einem anderen Zusammenhang nach der Bedeutung von Gault-Millau-Hauben gefragt – antwortete: „Für den Gästezuspruch haben unsere Hauben keine messbaren Auswirkungen. Aber für die Rekrutierung von Lehrlingen und Mitarbeitern sind sie immer wichtiger.“
Insgesamt ein starkes Plus
Im vergangenen Jahr ließen sich 13.330 junge Menschen im Tourismus in einer Lehre ausbilden. Das bedeutet gegenüber 2002 ein Plus von 3,2%.
„Die stärksten Zunahmen waren bei den Lehrberufen Restaurantfachmann, Koch, Hotel- und Gastgewerbeassistent sowie Fitnessbetreuer festzustellen“, freut sich Johann Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Doch auch Schenner sieht in der zu geringen Mobilität der Lehrstellensuchenden ein strukturelles Problem: „Lehrstellen lassen sich nicht per Gesetz geographisch verpflanzen. Sie entstehen dort, wo es der Branche gut geht. Gerade junge Leute sollten mehr Mobilität zeigen, was ja auch im größeren Kontext eines zusammen wachsenden Europas immer wichtiger wird.“
Anreize statt Bürokratie
Doch neben der Schaffung von Mobilitätsanreizen, die zweifellos wichtig sind, gilt es auch sich von antiquierten Schutzbestimmungen zu verabschieden.
Harald Leupold, Innenstadtwirt und Lehrlingsbeauftragter der Wiener Gastronomie steht zu seiner moralischen Verpflichtung, Köche auszubilden. Für einige der weltfremden Schutzbestimmungen, wie etwa die verpflichtende (und kostenpflichtige) Gesundenuntersuchung beim Amtsarzt, falls ein Lehrling bis 23h im Betrieb arbeitet, hat er aber kein Verständnis:„Wir brauchen keine Förderungen, fordern aber vernünftige gesetzliche Rahmenbedingungen.“

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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