Direkt zum Inhalt
Der neue Slogan der Steiermark „Genussvoller Urlaub am Puls der Natur“ wird in sämtlichen Tourismusregionen umgesetzt. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Kulinarik, die auf verschiedene Art und Weise erlebbar gemacht wird.

Das grüne Herz schlägt jetzt noch grüner

22.08.2014

Die Steiermark setzt verstärkt auf Nachhaltigkeit und Markenarbeit und wartet heuer mit einer Vielzahl touristischer Neuerungen auf. Das Spektrum reicht von kulinarischen Wanderungen bis zum Abtauchen im Sportbecken oder Naturteich

Bewegung & Natur, Wellness & Gesundheit, sowie Kulinarium & Kultur sind seit Jahren die klar definierten Eckpunkte der Marke Steiermark. Daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Immerhin zählt das Land im Südosten zur Inlands-Topdestination der Österreicherinnen und Österreicher. Auch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 3,3 Tagen kann sich sehen lassen, aber „da ist noch viel mehr drin“, ist Erich Neuhold überzeugt. Der gebürtige Grazer ist seit Anfang 2014 neuer Geschäftsführer des Steiermark Tourismus: „Zum Beispiel im Bereich Kulinarik: Die Steiermark birgt eine Vielzahl an kulinarischen Bodenschätzen, allen voran: Kürbiskernöl, Apfel und Wein. Das wird in Zukunft stärker in den Fokus gerückt. Wir wollen Nahrungsmittel mit Urlaub verbinden, wie etwa die Kombination von Wellness mit dem Thema Apfel im Sinne unserer Leitlinie: ‚Genussvoller Urlaub am Puls der Natur‘“, propagiert Neuhold. (Lesen Sie dazu das Interview auf Seite 23.)
Genusswege: Ganz nach diesem Motto präsentiert sich das Thermenland neuerdings als ein „Feinkostladen“ für steirische Produkte und schickt seine Gäste auf die kulinarischen Spuren der Region. Die Kulinarikrouten des Thermenlands werden vom Gast als „lebendiges“ Kochbuch wahrgenommen.
Jede Route entspricht einem Gericht mit definierten Basiszutaten der Produzenten. Bei jedem Betrieb entlang der jeweiligen Route sind für das Gericht wichtige Produkte sowie entsprechende Rezeptvorschläge erhältlich. Ausgesuchte Gastronomiebetriebe bieten das Menü oder einzelne Gänge in ihrer Karte an. Der Gast kann das ­Gericht nach Urlaubs­ende auch zu Hause aus den Grundzutaten der Urlaubsregion selbst zubereiten. So werden die Reminiszenzen an süd­oststeirische Geschmackserlebnisse auch in der eigenen Küche wieder lebendig.
Die Verarbeitung der kulinarischen Rohstoffe der Region kann dann in verschiedenen Restaurants und Gasthäusern verfolgt werden, u. a. beim Steirawirt, dem Klöcherhof oder der Saziani Stub’n. Die Touren können zu Fuß, mit Mountainbike, Auto oder auch E-Bike erreicht werden. Letztere ausborgen kann man zum Beispiel im Genießerhotel Riegersburg. „Dieses Angebot wird sehr gut genutzt“, erklärt Hoteldirektorin Ulrike Feiertag, ansonsten „reisen die meisten Gäste mit dem Auto an“. Das Haus selbst – mit 46 Zimmern und einer kleinen Wohlfühloase inklusive Pool mit Blick auf die Riegersburg – ist gut ausgelastet und im Besitz der Edelbrand- und Essigdynastie Gölles.
Das Genießerhotel setzt massiv auf Regionalität, industrielle Produkte von Getränkekonzernen wird man dort vergeblich suchen. „Wir sind cola-freie Zone“, unterstreicht Feiertag. Stattdessen kommen nur Säfte und Weine aus der Region auf den Tisch. Auch sonst kommen alle Produkte von kleinen oder größeren Produzenten aus der Umgebung, zum Beispiel der mittlerweile berühmte Vulcanoschinken von Franz Habel, der im Genießerhotel einen eigenen Reiferaum hat. Das Gölles-Hotel ist das einzige 4-Stern-Haus in der Region und hat eine Auslastung von 60 bis 65 %. Die meisten Gäste sind Gourmetreisende und bleiben drei bis vier Tage. Regional sind übrigens auch die Arbeitskräfte im Hotel, und für den Nachwuchs wird ebenfalls gesorgt: Momentan werden im Haus vier Lehrlinge ausgebildet. Vom Hotel aus gelangt man in kürzester Zeit zu den zahlreichen Manufakturen der Region.
Den Genießerhype findet man auch im Sausal in der Südsteiermark, wo auf einer Fünf-Sinne-Tour ein Fünf-Gänge-Menü bei fünf verschiedenen Gastgebern konsumiert werden kann. Hier wurde im Mai das Hotel Vincent mit 13 Suiten, Studios und Zimmern eröffnet. Das Vincent-Geschäftsführer-Duo Carmen und Bernd Schott bietet seinen Gästen einen Ort der Ruhe. Im Mittelpunkt steht das Wohlfühlen. Die sechs Suiten – davon vier im Dachgeschoß –, vier Seerosen-Studios und drei Zimmer im Hotel Vincent sind großzügig und behaglich-elegant eingerichtet. „Bis jetzt ist es super gelaufen“, resümiert Vincent-Chefin Carmen Schott. „Wir sind gut gebucht.“ Als Grund dafür nennt die gebürtige Vorarlbergerin das gute Medienecho. Unter der Woche wird das Vincent gerne für Seminare gebucht. Am Wochenende wollen die Leute eher relaxen. Unter dem Motto „Cappuccinoherz und Kürbiskern-­Eierspeis“ genießen die Gäste das Langschläfer-Frühstück bis mittags mit frischen, handgerösteten Arabica-Kaffees aus den besten Anbaugebieten, liebevoll zubereitet und variantenreich serviert. Damit alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Vincent den Kaffee auch richtig zubereiten können, fand im Juni ein eigener Barista-Workshop statt: „Jetzt schmeckt der Kaffee noch besser“, findet die Hotelchefin.
Das Vincent gehört übrigens wie das Loisium Wine & Spa Resort und die beiden Grazer Hotels Augarten­hotel art & design und Roomz zur Gruppe der Lifestylehotels. Seit 2003 betreiben Thomas Holzleithner und Hardy Egger diese Marke mit inzwischen 120 eigentümergeführten Hotels in mehr als 20 Ländern in Europa und Asien. „Unsere Hotels sind am Puls der Zeit und haben eine Vision“, erklärt CEO Hardy Egger: „Design spielt dabei eine wesentliche Rolle: Es beschränkt sich aber nicht nur auf die Ausstattung, sondern bezieht auch das Service mit ein. Wir betrachten Design als Lebensweise, als Lifestyle
eben.“

Kleine Fluchten
Neben den bereits erwähnten rund 3,3 Nächtigungen pro Gast verzeichnet die Steiermark auch einen sehr hohen Anteil an Tagesausflügen, nämlich rund vier Millionen pro Jahr. Das bringt dem steirischen Tourismus einen Umsatz von 407 Millionen Euro. Eine aktuelle Untersuchung von Steiermark Tourismus zum Tagesausflugsverhalten im eigenen Bundesland verdeutlicht die Dimension: 70 % aller Steirer haben in den Sommermonaten Tagesausflüge unternommen und planen solche auch in den Herbstmonaten. Dabei stellt der Ausflug in die Natur das wichtigste Motiv dar. Allen gemein ist die Kurzfristigkeit bei der Planung, denn oft wird erst am Frühstückstisch aufgrund des Wetters ein Ausflug geplant.
Dabei reisen 86 % der Steiermark-Besucher laut Tourismus Monitor Austria (2011) mit dem Auto an, 5 % mit der Bahn, 3 % mit dem Bus und 2 % mit dem Flugzeug. Alles in allem ein recht autolastiges Verhalten – aber es gibt auch Alternativen, etwa das Weinmobil, das im vergangenen März seinen ersten Geburtstag feierte. Mit dem Wein-Taxi können Südsteiermark-Urlauber das kulinarische Angebot genießen und die dazu passenden Weine aus der Region verkosten, ohne selbst fahren zu müssen. 2013 haben 44.000 Personen auf rund 10.000 Fahrten diesen Service genutzt. Das Gute daran ist, dass jeder das Taxi bestellen darf, auch Tagesgäste, die mit der S-Bahn aus Graz ankommen. Das Weinmobil bringt die Gäste innerhalb der Weinstraßenregion täglich und ganzjährig zu jedem gewünschten Ziel, und zwar kostengünstig: Das Wein­mobil wird nämlich von der Region gesponsert. Ein Angebot, das hoffentlich bald in allen steirischen Tourismus­regionen zu finden sein wird.

Raffinierte Regionalität
Neues gibt’s auch aus dem Thermenland zu berichten. Im À-la-Carte-Restaurant der Therme Bad Blumau führt seit Mai der Zweihaubenkoch Joachim Wind­hager Regie. Gemeinsam mit der Hausherrin Jasmin Rogner erarbeitete er ein neues Konzept für das Lokal. Im „blumau100“ trifft nun skandinavische Schlichtheit der Einrichtung auf die raffinierte Regionalität in der Küche. Windhager holt sich seine Zutaten aus der Region: Statt Kobe-Rind und Steinbutt werden Wels, Forelle und Labonca-Schwein serviert. An Zutaten nimmt er, was die Natur bietet. Und wie er es bei seinen Eltern gelernt hat, wird alles verwertet – nicht nur die Gustostücke. Windhager lotet mit Leidenschaft die geschmacklichen Potenziale seiner Zutaten aus und holt so aus dem Besten immer wieder was Neues heraus. „Was beispielsweise ein Erdapfel geschmacklich und konsistenztechnisch alles hergibt, weiß man erst, wenn sie von Hand geknetet, püriert, gestampft, façoniert, lackiert, geschnitten, gepickelt oder sonst was werden“, erklärt der Blumauer Koch.

Sportliche Ambitionen
Neues in der Rogner Therme Blumau gibt es nicht nur im kulinarischen Bereich, sondern auch an der Sportfront: Im Juli kam zu den zahlreichen Pools und Becken der Therme mit Badetemperaturen von 21°C bis 37° noch ein tolles Sportbecken dazu. Ganz nach dem Regelwerk des Internationalen Dachverbandes fu?r den Schwimmsport (FINA) mit 25 Metern La?nge und 16 Metern Breite. Somit ist es nicht nur zur Abku?hlung an einem heißen Sommertag perfekt geeignet, sondern auch wettkampftauglich. Die Therme Blumau möchte so auch sportbegeisterte Schwimmer ansprechen. Das beheizte Sportbecken ist übrigens ganzjährig zugänglich. Damit setzt die Rogner-Therme auf einen Trend, der hoffentlich bald viele Nachahmer findet.
Der Steirerhof in Bad Waltersdorf hat seit kurzem einen Naturpool für Nacktschwimmer. In der Hotellerie waren die natürlichen Gewässer bislang eher unüblich. Der Steirerhof bietet nun alle momentan möglichen Badegewässer an einem Ort an – von Sole- über Thermal- und Süß- bis zum Naturwasser. Der Naturpool ist 200 Quadratmeter groß und erhöht die gesamte Wasseroberfläche im Haus auf insgesamt 800 Quadratmeter. Der Naturpool wurde ganz aus Holz gebaut und mit einem speziellen Hydrobalance-Filtersystem ausgestattet. Das Wasser wird so mechanisch-biologisch rein gehalten. Die Vorfilterung erfolgt bereits durch die seitlichen Schichten aus speziellem Dolomit-Kies, der Reinhaltungsprozess wird dann durch Mikro­organismen in Kraft gesetzt.

Wein im Wandel
In der Steiermark sind Bio-Weine momentan das große Thema. Denn immer mehr Winzer bauen ihre Weine nach Biokriterien oder biodynamisch aus. Weinbauer Otto Knaus war hier einer der Pioniere. Der Mann, der seine Mails per Ökostrom versendet, vertraut seit Jahren auf die Kraft der Natur: „Wir sind seit 2001 ein Biobetrieb“, erklärt der Winzer. Pro Jahr produziert Knaus 15.000 Liter Wein, 5000 Liter Säfte und 150 Liter Schnaps. Der Verkauf findet zu 90 % ab Hof und auf zwei Biomärkten statt. Der Rest geht an Restaurants und Spezialläden. Die Produkte von Otto Knaus – der gemeinsam mit seiner Frau und Tochter auch einen Biobuschenschank betreibt – sind zu 100% vegan. Das bedeutet, sie werden nicht mit tierischem Eiweiß aus der Fisch- und Fleisch­industrie versetzt oder geschönt und enthalten damit auch keine Rückstände von tierischem
Eiweiß.
Dem Beispiel der „Bioniere“ haben inzwischen viele nachgeeifert. Vor zehn Jahren gab es in der Steiermark nur 26 Hektar Bioweinanbaufläche. Heute sind es über 300 Hektar.
2013 hat das Weingut Winkler-Hermaden im Thermenland Steiermark erstmals sein gesamtes Weinsortiment bio-zertifiziert auf den Markt gebracht. Sauvignon Blanc, Zweigelt und Traminer haben mit der Umstellung nur gewonnen. Der Gewinn ist so überzeugend, dass Georg und Margot Winkler-Hermaden den Wandel hin zum Bioweinproduzenten als „logischen Schritt nach vorne“ bezeichnen. „Unsere Söhne – Thomas ist Önologe und Kellermeister und Christof Student der Pflanzenwissenschaft – waren die treibenden Kräfte für dieses Thema, das aber auch uns schon immer begeistert hat.“ 2010 war die Zeit reif und das Gut Winkler-Hermaden, mit seinen 40 ha Rebflächen einer der größten biologisch wirtschaftenden Weinbaubetriebe der Steiermark, setzte den Schritt um. Eine Herde Krai­ner Steinschafe leistet seither einen wichtigen Beitrag zur biologischen Arbeitsweise, liefert den für die Düngung so wichtigen Mist, der gemeinsam mit dem selbst hergestellten Kompost in den Weingärten verwendet wird. Natürliche Begrünung, mechanisches Unkrautjäten und der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln wie Schachtelhalmextrakten oder Orangen- und Fenchelöl gehören ebenso dazu.
Franz Strohmeier aus St. Stefan ob Stainz setzt seit 2006 auf biologische ­Bewirtschaftung. „Der Hauptvorteil und Grund der Umstellung auf Bio war die Schaffung von Arbeitsbedingungen im Weingarten, die uns und unseren Mitarbeitern gut tun“, erklärt Strohmeier. Ein weiterer Vorteil, der sich mit der Zeit für den Winzer ergab, sind die ungeahnten Möglichkeiten im Weinausbau. Der Großteil seiner Weine wird exportiert: „Unsere Weine werden vor allem in Restaurants als Menübegleitung verwendet. Große Strahlwirkung für uns hat Dänemark, aber auch die anderen nordischen Märkte und die USA sind wichtig. Selbst in traditionsreichen Weinländern wie Frankreich oder Australien gibt es Sommeliers, die unsere Weine beziehen.“ Strohmeiers Weine haben aber auch in der Steiermark Fans: „Wir haben hier einige sehr treue Kunden, Weinfreunde und Restaurants, die wie Multiplikatoren mithelfen, unsere Weine auch in der Heimat zu verbreiten“, freut sich der Winzer.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Werbung

Weiterführende Themen

Karl Wester, Abteilungsleiter Einkauf und Produktionsentwicklung, in der Javarei.
Cafe
28.09.2016

Transgourmet Österreich röstet im steirischen Bruck an der Mur täglich handwerklich-frischen Kaffee speziell für die Gastronomie. Wir haben die Javarei besucht und beim Rösten zugesehen.
  ...

Von rechts nach links: Landesrat Dr. Christian Buchmann, Steiermark Tourismus-Geschäftsführer Erich Neuhold und Chefkoch Willi Haider gratulieren zu 165 x Genuss zwischen Gletscher und Wein.
Gastronomie
27.09.2016

Vor zehn Jahren wurde die Qualitätsoffensive „Kulinarium Steiermark“ auf Initiative des Tourismusressorts des Landes gegründet. Bei der Jubiläumsgala wurden jetzt 165 steirische Betriebe vom ...

Kulinarik wird immer wichtiger. Darauf setzt man vor allem bei den Marketingmaßnahmen im Herbst.
Tourismus
11.08.2016

20 Prozent aller Steiermark-Nächtigungen werden in den Herbstmonaten von September bis November erzielt, bei den Gästeankünften sind es sogar über 22 Prozent. Jetzt starten "herbstliche" ...

Bergfest auf der Riesneralm: Auf 1900 Metern Aussicht, Musik und Kulinarik genießen.
Tourismus
08.08.2016

So geht Sommer in den Bergen: Das traditionelle Bergfest auf der Riesneralm in Donnersbachwald findet heuer am 14. August statt. Der Eintritt ist frei.

Werbung