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Das Hotel Superior

13.09.2004

Heiße Diskussion über Österreichs Sterne-Klassifizierung – vom Wunsch nach Superior-Kategorien bis zu intransparenten Entscheidungsfindungen bei der Vergabe der Sterne durch die Wirtschaftskammer.

Österreichs Sterne-Klassifizierung erfreut sich einer hohen internationalen Reputation. So angesehen sind die Hotel-Sterne, dass sie heuer sogar exportiert wurden und zwar nach Liechtenstein.
Das Fürstentum hat mit Unterstützung der Fachgruppe Hotellerie Vorarlberg ein Klassifizierungssystem nach österreichischem Muster ins Leben gerufen. Einer der ersten klassifizierten Betrieb wäre derzeit in Österreich allerdings gar nicht möglich. Das Parkhotel Sonnenhof in Vaduz ist nämlich ein offiziell klassifiziertes 4-Sterne-Superior-Hotel.

Superior im Trend
Superior, das ist eine Art Halb-Kategorie. Im deutschen Sprachraum kommt sie derzeit in Deutschland zur Anwendung (wo zu jedem Stern auch eine Superior-Version vergeben wird), in Südtirol und schließlich demnächst in der Schweiz. Die Eidgenossen haben die Superior-Versionen für 3- bis 5-Sterne-Häuser kürzlich beschlossen und starten damit im Jahr 2005. „Angesichts des sehr breiten Leistungsspektrums im 3- und 4-Sterne-Bereich in Österreich könnte eine Superior-Kategorie zu einer klareren Positionierung der Betriebe beitragen“, meint Komm.-Rat Hans Melcher, Fachverbandsobann der Hotellerie vorsichtig. In Österreich gab es ein solches Modell vor einigen Jahren in Form von Halb-Sternen. Damals hatte sich die Interessenvertretung erfolgreich darum bemüht, diese Zwischenstufen zu beseitigen.

Nunmehr scheint die Diskussion unter den Hoteliers in die andere Richtung zu weisen (siehe Kasten auf Seite 2). Der Fachverband plant im Herbst einen Workshop mit den Interessenvertretern aus allen Bundesländern, bei dem eine Evaluierung des aktuellen Klassifizierungsschemas vorgenommen werden soll. Falls sich in der Folge beim Fachverbandstag klare Mehrheiten ergeben, könnte für das Superior-Modell rasch grünes Licht gegeben werden. Bis zur praktischen Anwendung wird freilich noch einige Zeit vergehen. Schließlich müssen erst die Inhalte für die neue Klassifizierungskategorie definiert werden.
Eine mögliche Version wäre jene, die in Liechtenstein mit Unterstützung der Vorarlberger Hotellerie erarbeitet wurde. Dort beschränkt sich die Superior-Variante auch unter der Bezeichnung „Deluxe“ allerdings ausschließlich auf den 4-Sterne-Sektor. Als 4-Sterne-Superior definiert werden Hotels, wenn 4-Sterne-Betriebe zu mindestens 20% Luxus-Leistungen im Sinne der 5-Sterne-Kategorie erfüllen. In Deutschland hingegen wird Superior nach Mindestanforderungen und einem Punktesystem ermittelt.

Das international geschätzte System der österreichischen Sterne-Klassifizierung kommt zu Hause bei so manchem prominenten Hotelier weniger gut an. Und es ist nicht die Superior-Frage allein, die derzeit für einen rauen Ton in der Diskussion sorgt. Der ehemalige Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, Helmut Peter, bezichtigt laut Bericht im Standard die mit der Klassifizierung befassten Kammerfunktionären bei der Sternevergabe der Freunderlwirtschaft. Und der amtierende ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn vermisst ein unabhängiges Kontrollgremium, das entscheidet, welches Hotel wie viele Sterne bekommt. Eine Einführung von Superior würde vor diesem Hintergrund nichts bringen und nur das eigentliche Problem der intransparenten Entscheidungsfindung überdecken.
Fachverbandsobmann Hans Melcher weist diese Vorwürfe scharf zurück: „Von Freunderlwirtschaft kann überhaupt keine Rede sein. Im Fall von unumstrittenen Klassifizierungen ist es sicher kein Problem, wenn die Bewertung von Hoteliers aus demselben Bundesland vorgenommen wird. Und bei einer Beeinspruchung kommt ohnehin eine unabhängige Regionalkommission zum Einsatz. Also geht auch der Vorwurf mangelnder Objektivität ins Leere.“
Kein Planungsfehler
An anderer Front entbrannte die Diskussion an den zwei Wiener Hotels Hilton und Le Meridien, die sich in der Luxus-Kategorie angesiedelt sehen, jedoch nicht den Ansprüchen der österreichischen 5-Sterne-Kategorie entsprechen. Gabriela Benz, Geschäftsführerin des Le Meridien, gibt sich allerdings gelassen: „Wir haben einen tollen Namen, sind auch ohne Sterne bekannt genug und können ohne die Klassifizierung sehr gut leben. Keine Rede kann jedenfalls von einem Planungsfehler sein: Dass das WC im Badezimmer integriert ist, war von Anfang an so geplant, auch wenn wir gewusst haben, dass es dann mit den 5 Sternen vielleicht ein Problem gibt. Trotzdem wäre es nicht schlecht, würde man den Kriterienkatalog etwas überarbeiten, etwa wie in Italien, wo man einzelne Defizite mit Pluspunkten in anderen Bereichen ausgleichen kann.“
Noch keine klaren Mehrheiten für Superior
Franz Perhab, Steiermark:
Wir in der Steiermark sind dagegen, 5 Kategorien sind genug. Mit Zwischenkategorien kochen wir international wieder ein eigenes Süppchen, und das, wo wir gerade dabei sind, unsere 5 Kategorien EU-weit durchzusetzen. Diese Superior-Kategorie betrifft höchstens 10 Betriebe in ganz Österreich.

Wolfgang Juri, Vorarlberg:
Vorarlberg ist ja eigentlich der Auslöser für die Superior-Diskussion. Wir haben eine große Bandbreite von 4-Sterne-Hotels. Gerade in Lech wird viel investiert, und da bestehen oft meilenweite Unterschiede.
Gotthard Scheiber, Tirol
Ja, wir in Tirol möchten die Superior-Kategorie unbedingt einführen.

Anton Wrann, Kärnten
Ich glaube, dass man eine Zwischenkategorie wie in allen angrenzenden deutschsprachigen Nachbarländern einführen sollte.

Josef Bitzinger, Wien:
Diese Diskussion wird immer wieder geführt. Die momentanen Anlassfälle, Triest, Hilton und Le Meridien wollen freilich keine 4-Stern-Superior-Kategorisierung, sondern 5 Sterne, obwohl sie alle über die Kriterien hierfür dezitiert informiert wurden, sie sie aber nicht erfüllen. Eigentlich könnte man auf eine Superior-Kategorie verzichten.

Rudolf Loidl, Oberösterreich:
Unser jetziges Kategorisierungssystem ist neu überarbeitet worden und klar in der Aussage. Die angedachte Änderung der Richtlinien auf Superior ist völlig unausgegoren und deshalb abzulehnen.

Josef Sagmeister, Burgenland:
Das Burgenland ist von dieser Debatte (4-Sterne-Superior) nicht so betroffen, weil es ja recht wenige 4-Sterne-Häuser hat, die zudem zumeist neu sind. Wenn das von anderen Bundesländern aber unbedingt gewünscht wird, so sind wir nicht prinzipiell dagegen.

Otto Schmid, Salzburg:
Halbsterne-, S- bzw. Luxus-Kategorien wurden bei uns schon vor sechs Jahren in einer Umfrage abgelehnt. Man sollte alles so belassen, wie es ist. Man sollte auch den enormen Arbeitsaufwand bedenken, da ja eine komplette Neukategorisierung notwendig wäre.

Susanne Kraus Winkler, Niederösterreich
ist Vorsitzende der Arbeitsgruppe, die bis Herbst die Frage bearbeiten soll und will daher daher zum jetzigen Zeitpunkt keine offizielle Stellungnahme abgeben.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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