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Das Jahr danach

07.10.2010

Das Investment Ranking Austria 2010 untersuchte zum vierten Mal die Performance der führenden Hotelgesellschaften in Österreich. Die gute Nachricht: Das Minus der Branche fällt vergleichsweise moderat aus.

München/Salzburg. Die österreichische Hotellerie kann sich als Gewinner in der Krise fühlen. Denn das Minus, das die Branche verkraften muss, fällt vergleichsweise moderat aus. Angesichts mancher europäischer Einbußen erscheint der Verlust von 1,9 Prozent (2,8 Prozent in gewerblichen Unterkünften) angemessen und akzeptabel. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Wirtschaftskrise 2009 auf das österreichischen Tourismus-Rekordjahr 2008 folgte. Und dennoch erreicht Österreich im Krisenjahr das fünftbeste Ergebnis, das je erzielt wurde.

 

Einsparungen im Geschäftsreisebereich

Nichtsdestotrotz ging die Krise nicht spurlos an Österreich vorbei. Schließlich hatten fast alle Betriebe und Hotelgesellschaften mit verändertem Nachfrageverhalten, sinkender Auslastung und weniger Erlösen zu kämpfen. Im Detail zählte Österreich im Jahr 2009 genau 124.307.317 Übernachtungen, rein in Hotels waren es 80.071.282. Vor allem hochpreisige Luxus-Unterkünfte litten unter der verringerten Zahlungsbereitschaft mancher Klientel. Mit leichter Verzögerung waren die Auswirkungen auf das Gastgewerbe und auf die Investoren auszumachen. Weil Firmen bei Geschäftsreisen und Incentives sparten, konnten jedoch schlau konzipierte Budget- und Design-Hotels profitieren.

 

Low-Budget hoch im Kurs

Einige Hotelketten setzten auch in Österreich voll auf diesen Trend

und haben Low-Budget Häuser in ihr Portfolio aufgenommen - darunter die Verkehrsbüro Group, die nach ihrem ersten Motel One Hotel am Wiener Westbahnhof im kommenden Jahr noch eines in Salzburg eröffnet. Andere Beispiele für höchst erfolgreiche Budget- und Design-Hotel Konzepte sind das Roomz in Wien, das Daniel in Graz oder Harry`s Home in Hart bei Graz, in Linz und ab dem 15. Oktober 2010 jetzt zusätzlich auch in Dornbirn. Ebenfalls steigender Beliebtheit erfreuen sich Hostels wie Wombats und Meininger in Wien. Weitere Budget-Hotels sind außer in Wien auch in Salzburg und Innsbruck in Planung oder schon im Bau.

 

Das Ranking beweist Stabilität

Beim vierten Investment Ranking Austria gab es keine eindeutigen Sieger und keine deutlichen Verlierer. Nach wie vor hat es keine Gesellschaft geschafft, in die Spitzengruppe vorzustoßen und in Österreich ein „Triple-A-Rating“ zu erreichen. Gar keine Gesellschaft konnte sich auf Grund ihrer Performance im Jahr 2009 im Ranking verbessern, es verschlechterte sich im Gegenzug aber auch keine. Dass sich auch in den unteren Bereichen der Bewertungsskala keine Gesellschaften finden, spricht für die durchweg hohe Qualität in der österreichischen Hotellerie. Im Bereich AA behaupteten sich fünf der zwölf teilnehmenden Gesellschaften, wobei vier davon auch im Vorjahr unter AA geführt wurden. Ein Wechsel der Teilnehmer (Ausstieg von NH Hotels sowie Wiedereinstieg von Accor) führte dazu, dass sich die Zahl der mit AA-bewerteten Gesellschaften nicht verändert hat. In alphabetischer Reihenfolge sind diese fünf: Accor, Arcotel, Austria Trend Hotels, Falkensteiner und Steigenberger. Im Bereich von einem einfachen A-Rating, welches immer noch überdurchschnittliche Investitionssicherheit bedeutet, finden sich Imlauer, Lindner Hotels, Rezidor und Robinson wieder. Auch Marriott, im Vorjahr auf A herabgestuft, bleibt bei dieser Bewertung. Sotour und die Ipp Hotelgruppe wurden mit „Triple B“ bewertet, was in den Bereich der „Question Marks“ fällt. In dieser Gruppe sollten Investitionen nur nach intensiver Projektprüfung erwogen werden.

 

 

Marktveränderungen 2009

Geprägt durch die Wirtschaftslage kam es im Jahr 2009 grundsätzlich zu wenig signifikanter Veränderung am österreichischen Hotelmarkt. Jedoch in der Kulturhauptstadt Europas 2009, in Linz, wurden gleich drei Hotels eröffnet: das Hotel am Domplatz, das von der Severin Holding geführt wird, das Park Inn by Radisson und Harry´s Home in Linz-Urfahr. In der Gegend vom Kitzbühel entstanden zwei bekannte Häuser, das 5-Sterne-Hotel Royal Spa in Jochberg von Vienna International und das 4-Sterne-Haus Austria Trend Hotel in Fieberbrunn. Außerdem hat Falkensteiner als einzige Gesellschaft zwei Häuser eröffnet – nämlich die Hotel & Spa Hotels in Bad Waltersdorf und Bad Leonfelden. In Wien nahm Georg Imlauer sein Imlauer Hotel Nestroy in Betrieb und Lindner das Hotel Seepark in Klagenfurt. Für 2010 ist der Ausblick wieder weit rosiger - einige Häuser eröffneten bereits und noch einige Hoteleröffnungen mehr stehen in ganz Österreich auf dem Plan, vor allem in Wien und in Salzburg. Ein Auszug davon: Fleming’s Hotel Deluxe Wien City, Meininger City Hostels, Sofitel Vienna by Accor, Best Western Hotel Kagran, Ramada Hotel & Suites Vienna, Amedia Hotel Salzburg sowie das Travel Charme Hotel Ifen im Kleinwalsertal.

 

Methodik des Rankings

Auch wenn einzelne Unternehmen immer noch Skepsis zeigen, konnten das deutsche Treugast Institute of Applied Hospitality Sciences und die österreichische Horwath Tourismus Consulting Austria GmbH mit Sitz in Salzburg diesmal 12 Hotelgesellschaften für die Untersuchung gewinnen. Weil einige Gesellschaften erst kurz oder mit nur einem Hotel auf dem österreichischen Markt präsent sind, musste auf ihre Aufnahme in das Ranking zunächst verzichtet werden (wie InterContinental, Achat, Azalea). Ebenfalls nicht in das Ranking aufgenommen wurden Gesellschaften, die weitestgehend oder ausschließlich als Franchisegeber agieren oder Gesellschaften mit den Strukturen von Hotelkooperationen. Das Investment Ranking wird mittels eines ständig weiterentwickelten spezifischen Verfahrens erstellt, dem ein Katalog aus über 200 Kriterien zu Grunde liegt. Diese werden in 38 Kriteriengruppen und sechs Kriterienblöcken zusammengefasst: Contracting & Partnership, Portfolioanalyse, Operative Performance, Strategie, Marketing-/Organisationsstruktur und bilanzielle Performance.

 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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