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„Das meiste kommt direkt vom Bauern“

30.09.2010

Für Monika und Franz Mötzl vom Oberlaaer Dorf-Wirt in Wien ist „Genuss“ eine Frage der Lebenseinstellung. Monika und Franz Mötzl führen gemeinsam mit 15 Mitarbeitern seit 1993 den Oberlaaer Dorf-Wirt in Wien, und vor ca. zehn Jahren haben die beiden sukzessive begonnen, ihre Produkte direkt vom Bauern zu beziehen.

Franz und Monika Mötzl leben die Genusswirte-Philosophie in ihrem Oberlaaer Dorf-Wirt perfekt

Seit etwa sieben Jahren ist die Umstellung zur Gänze vollzogen. Heute werden nur mehr Produkte wie Nudeln oder Zucker im C&C-Markt gekauft. Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse oder Salat kommen zur Gänze von den Erzeugern, und die liegen – soweit möglich – in den jeweiligen Genuss Regionen. Beim Oberlaaer Dorf-Wirt können die Gäste beste Spezialitäten aus den Genuss Regionen Wiener Gemüse, Waldviertler Karpfen, Schneebergland Jungrind oder Bucklige Welt Apfelmost genießen.

„Wir organisieren sogar hin und wieder einen Bauernmarkt bei uns im Haus, damit die Leute sehen, dass wir diese Philosophie wirklich leben“, erklärt Monika Mötzl. Leider sei diese Philosophie in der Stadt nicht ganz so einfach zu leben, da die Kontakte zu den Bauern schwieriger zu finden seien. Mötzl: „Wir sind am Anfang mal zwei Jahre lang kreuz und quer durch Österreich gefahren in einem Radius von zwei Autostunden von Wien und haben geschaut, welcher Bauer ein für uns passendes Angebot hat.“

Fast keine Convenience-Ware
Bis auf Kroketten oder Pommes frites ist natürlich Convenience-Ware beim Dorf-Wirt tabu. Auch alle Strudel oder Knödel werden hausgemacht.  Monika Mötzl ist wichtig, dass die Speisekarte einen saisonalen Charakter aufweist: „Jede Jahreszeit hat ihre eigenen kulinarischen Besonderheiten. Es muss nicht das ganze Jahr über Erdbeeren geben.“ Themenschwerpunkte wie Wild- oder Spargelwochen ergeben sich dabei von selbst. Sonst legt das Ehepaar Mötzl wert auf regionale Spezialitäten und Schmankerl-Klassiker mit einem modernen Touch. Dazu sind auch vegetarische (Mötzl: „Das liegt einfach im Trend.“) und Fischgerichte zu finden. Aber auch beim Fisch achten Franz und Monika Mötzl auf Nachhaltigkeit. Eine heillos überfischte Scholle etwa sucht man im Oberlaaer Dorf-Wirt vergeblich.

Hier arbeitet man lieber mit Forelle, Zander und anderen heimischen Fischen. Selbst bei den Getränken orientiert man sich am saisonalen Angebot der Bauern: Apfelmost, Weichselsaft, Holunderblüten- oder Traubensaft sind nur einige der regionalen Spezialitäten. Ausschließlich heimische Weine und ein gepflegtes offenes Bier ist eine Selbstverständlichkeit.

„Philosophie transportieren“
Genuss mit regionalen Produkten steht also beim Oberlaaer Dorf-Wirt an erster Stelle. Dass sich die Mötzls da entschlossen haben, bei der Ausschreibung zum Genuss Wirt des Jahres teilzunehmen, war nur die logische Konsequenz. „Wir sehen diese Aktion als Plattform, über die wir unsere Anliegen, unsere Philosophie an die Öffentlichkeit transportieren können“, so Monika Mötzl. „Tatsache ist, dass die Allergien weltweit stark zunehmen. Ich glaube, dass das nicht zuletzt mit dem Haufen an Chemikalien, an Geschmacksverstärkern oder Konservierungsstoffen zusammenhängt, die wir heute täglich über das Essen zu uns nehmen. Wir haben aber so hochwertige Lebensmittel in Österreich, da ist die chemieversetzte Importware unnötig.“ Vor allem die Produkte aus den Genuss Regionen wären hier Aushängeschilder, weshalb das Genuss-Regionen-Logo im Betrieb auch an mehreren Stellen zu finden ist, insbesondere auf der Speisekarte.

„Genuss“ ist für Monika und Franz Mötzl eben eine Lebensphilosophie. Man soll nicht einen Hamburger im Stehen essen, sondern sich Zeit nehmen für ein gemeinsames Essen, die Kommunikation miteinander, und sich auch bewusst machen, was man isst. Mötzl: „Die Leute geben Geld für Schuhe oder für ein Auto aus, aber beim Essen wird dann gespart. Das ist der falsche Ansatz.“ Beim Mystery-Check des Lokals wurde vor allem auch die Freundlichkeit und Kompetenz (etwa bei der Frage, was die Genuss Region Österreich sei) des Personals betont.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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