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Das Niveau der letzten Jahre halten

18.03.2010

„Wir dürfen die Leistung nicht unter dem Wert verkaufen.“Der Chef des Steiermark Tourismus Georg Bliem spricht mit der ÖGZ über die touristische Zukunft des „Grünen Herzens“.

Georg Bliem empfiehlt, ganz besonders auf die Preis- und Umsatzentwicklung zu achten

ÖGZ: Wie sieht in der Steiermark die bisherige Wintersaison aus?
Georg Bliem: Mit 48 Prozent bewerten fast die Hälfte der befragten Touristiker, laut Manova-Umfrage, die bisherige Wintersaison als „sehr gut“ bzw. „gut“. Der Blick in die Zukunft und daher auf den restlichen Saisonverlauf ist ebenso positiv, nur 3 Prozent geben hierbei „schlecht“ bzw. „sehr schlecht“ an.


ÖGZ: Wie steht es um das Interesse für die Sommersaison?

Bliem: Die Anfragen laufen sehr gut. Sie wurden bisher noch nie in dieser Menge so früh und so konkret gestellt. Die Nachfrage konzentriert sich aufs Radfahren, speziell Murradweg. Gleich danach kommt das Weinland. Dann folgen Wandern und Kulinarium, wobei übrigens alle Gäste über das Essen in der Steiermark reden.


ÖGZ: Welche Ziele werden im Sommer 2010 angepeilt?

Bliem: Grundsätzlich bleiben wir einmal optimistisch, denn Optimismus ist Pflicht!
Die Feiertage im Frühling liegen heuer nur mittelprächtig: Der 1. Mai ist ein Samstag und Pfingsten eine Spur zu früh, was vor allem für den deutschen Markt wichtig ist. Aber die größten Gewinne erzielt die Steiermark ohnehin bei Nah- sprich erdgebundenen Destinationen, also Österreich selbst und die angrenzenden Länder. Natürlich ist das große Fragezeichen die weitere wirtschaftliche Entwicklung und da vor allem die Arbeitsmarktsituation. Viele Trendforscher im Bereich Tourismus sprechen aber – und das beruhigt uns – von einem stabilen Nachfragevolumen. Daher heißt unser Ziel: Halten des hohen Niveaus der letzten Jahre. Dazu gehört auch, dass wir die Leistung nicht unter dem Wert verkaufen.


ÖGZ: Wie wird sich der Steiermark Tourismus in die neue Strategieplanung des Ministeriums und der Österreich Werbung einbringen?

Bliem: Die neue Strategie hat ja quasi eine steirische Fußnote, da auch wir uns schon seit über einem Jahr im Tourismusmarketing damit beschäftigen, die landschaftliche Komponente noch stärker zu berücksichtigen. In der Steiermark reden wir fast deckungsgleich über das Wein- und Hügelland, Städte und Kultur und Steiermark alpin.

Der Gast ist in erster Linie landschaftsorientiert. Er sagt, ich fahr gerne in die Berge, ins Weinland oder ins Hügelland. Das heißt, wir arbeiten ja auch an der Strategie Steiermark Tourismus neu, die im Juli vorgestellt wird. Da sind dann also wie gesagt alle diese landschaftlichen Komponenten ein Thema und daher tun wir uns gesamtösterreichisch ziemlich leicht. Die Frage ist nur, wie man das umsetzt. Diese Antwort muss dann die Österreich Werbung genauso geben wie wir sie geben müssen, wobei wir sehr stark unsere Themenstrategie beibehalten werden.


ÖGZ: Wie weit wird der Städtetourismus in die Gesamtstrategie einbezogen und wie nachhaltig ist für Graz die Kulturhauptstadt, die ja nun schon einige Jahre zurückliegt?
Bliem: Die Nachhaltigkeit ist sicherlich da, obwohl wir das Jahr unmittelbar danach verloren haben. Aber in den letzten Jahren legt Graz kontinuierlich zu. Also nächtigungsmäßig ja, umsatzmäßig muss man aber schon sagen, dass wir gelegentlich starken Gegenwind hatten. Wichtig wäre, was die ÖW ja auch will, dass sich die Facette Kultur wieder mehr bildet. Wenn hier vonseiten der ÖW mehr passiert, bin ich für die Städte Graz, aber auch Leoben sehr froh, da wir als Steiermark Tourismus alleine nicht all zu viel ereichen können.
Wichtig ist jetzt nur, wie dieser nationale Schulterschluss vonstatten gehen kann. Da gibt es nämlich noch keine Einigung. Aber wir sitzen bald wieder zusammen und werden das erörtern.


ÖGZ: Wie setzt sich eigentlich der steirische Gästemix zusammen?

Bliem: Im Sommer sind wir sehr stark im Familiensegment vertreten. Wenn wir aus Holland, Italien, aber auch in Ost- und Zentraleuropa mehr Nächtigungen haben möchten, geht das nur über die Familien. Ansonsten sprechen wir im Prinzip alle Zielgruppen an. Die Steiermark ist vielfältig, das Angebot ist vielfältig und daher muss man eigentlich als so großes Bundesland alle ansprechen.
Junge Leute erreichen wir hauptsächlich über den Wintersport, aber auch interessanterweise über das „Auszeit nehmen“ und die Bewegung im Sommer, das wird ein Trend. Wandern erlebt eine Renaissance. Eine Kombination von Bewegung und Kommunikation ist angesagt. Junge Leute gehen gerne vier, fünf Stunden, haben aber dann auch auf der Hütte eine mordstrum Gaudi.


ÖGZ: Wie geht es den Thermen?
Bliem: Hier muss ich einmal rigoros für die Thermen eine Lanze brechen. Man hat immer nur diskutiert über die Tagesgäste. Die sind nun rückläufig im Burgenland wie in der Steiermark. Die Nächtigungen steigen hingegen. Den starken Jännerzuwachs im steirischen Tourismus haben die Thermenhotels verur­sacht. Also nächtigungsmäßig gewinnen wir dazu, bei den Tagesgästen verlieren wir. Der Grund dafür ist, das der Mitbewerb besser geworden ist, es gibt mehr Spas und dergleichen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass immer mehr Hotels eigene Badelandschaften haben und der Gast daher oft im Haus bleibt.

Länderübergreifende Marketingprojekte sind zunächst einmal nicht geplant. Projektbezogene Kooperationen funktionieren hingegen im Moment z. B. mit Slowenien sehr gut.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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