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Das Orakel spricht

12.05.2004

Die Zukunft der österreichischen Gastronomie, Hotellerie und des Lebensmittel-Einzelhandels wurde in einer Delphi-Studie durchleuchtet. Die Ergebnisse daraus zeichnen ein durchaus positives Bild.

Eine Delphi-Studie ist eine spezielle Form der Expertenbefragung, bei der es darum geht, zukünftige Entwicklungen in einem bestimmten Bereich (z. B. Gastronomie) von den jeweils führenden Fachleuten einschätzen zu lassen.
In der Studie zur Zukunft der österreichischen Gastronomie, Hotellerie und des Lebensmittel-Einzelhandels kam es zu folgenden Kernaussagen:

The winners are: die KMUs
Die wirtschaftlichen Gewinner der nächsten fünf bis zehn Jahre sind mit 41% klar die Klein- und Mittelbetriebe mit 1 bis 19 unselbstständigen Beschäftigten, wenn es gilt, flexible Angebote für ein Mehr an Lebensgefühl und Individualität für seine Gäste zu schaffen, mit mehr „Sowohl/als auch“ in der Gästebetreuung zu punkten und die Qualitätsniveaus in allen Bereichen stetig zu steigern, ohne wirtschaftlich bankrott zu gehen.

Der Außer-Haus-Markt entwickelt sich kontinuierlich
Das prognostizierte Wachstum im Außer-Haus-Markt ist für Gastronomie und Lebensmittel-Einzelhandel ein Hoffnungsschimmer für gezieltes Umsatzwachstum.
Für die nächsten fünf Jahre wird beim gesamten Außer-Haus-Marktvolumen (aktuell 11,2 Mrd. Euro) ein Zuwachs von rund 11%, für die nächsten zehn Jahre ein Plus von 23% prognostiziert.
Die deutlich besseren Trümpfe hat dabei der Lebensmittel-Einzelhandel in der Hand. 59% der Experten sind der Meinung, dass es zu einer Umsatzverschiebung im Ausmaß von bis zu 10% von der Gastronomie zum LEH in den nächsten fünf Jahren kommen wird. 28% meinen, dass sich die Umsatzverlagerung zwischen 10% und 20% bewegen wird, 9% sind sogar davon überzeugt, dass der LEH von einer Umsatzverlagerung profitieren wird, die mehr als 30% des derzeitigen Volumens ausmacht. Eine Chance zur Umsatz-Rückgewinnung vom Lebensmittelhandel sehen Experten bei der Gastronomie im „Handel mit Lebensmitteln“: 84% sind davon überzeugt, dass so bis zu 10% des Umsatzes vom Lebensmittelhandel an die Gastronomie zurückgewonnen werden können. 13% meinen, dass der Umsatzanteil zwischen 10% und 20% liegen könnte.

Ostöffnung
Bei der Chancen- und Risikoeinschätzung der Ostöffnung sehen die Experten für Österreichs Gastronomie und Hotellerie deutlich mehr Chancen (65%) als Gefahren und Risiken. Beim LEH sind die Erwartungen etwas gedämpfter. Hier liegen die Chancen bei rund 42%. 48 % sind der Meinung, dass beim Lebensmittelhandel Chancen und Risiken durch die Ostöffnung einander die Waage halten.
Für Österreichs Gastronomie und Hotellerie orten die Experten mit großer Übereinstimmung Potenziale bei wohlhabenden Kunden aus dem Osten, die sie langfristig als zufriedene Kunden gewinnen können. Weiters werden Österreichs Chancen, sich als kulinarisches Land durch Angebotsspezifizierung stärker zu positionieren, hoch angesiedelt. An dritter Stelle folgt die Chance zu einer Verbesserung der Personalsituation durch mehr Angebot an Saisonarbeitskräften. Dass es zu einer größeren Auswahl an billigerem Personal kommt und dass vor allem niedrigpositionierte Gastronomie- und Hotelleriebetriebe zusätzliche Kundenschichten anlocken, liegt erst an vierter bzw. fünfter Stelle.
Die Experten erwarten im Bereich der Gastronomie durch die Marktöffnung ein erheblich breiteres Warenangebot (69%). 65% rechnen durch die Marktöffnung auch mit Preisreduktionen aufgrund der erhöhten Marktangebote. 31% sind hingegen nicht dieser Meinung.

Nähere Informationen: Gastro-Obsearcher, Tel.: 01/595 51 14-12, E-Mail: office@gastro-obsearcher.com, Internet: www.gastro-obsearcher.com
Delphi-Studie
Eine Delphi-Studie ist eine spezielle Form der Expertenbefragung, bei der es darum geht, zukünftige Entwicklungen in einem bestimmten Bereich (z. B. Gastronomie) von den jeweils führenden Fachleuten einschätzen zu lassen.
In der ersten Befragungsrunde von Anfang bis Ende Jänner 2004 wurden 79 Experten eingeladen, sich an der Studie zu beteiligen. Dies war die Basis für die zweite Runde, in der von Mitte März bis Mitte April 2004 46 Experten eingeladen waren.
Bei der Auswertung der ersten Runde wurden die Antworten in Thesen umformuliert. Diese wurden dann im Fragebogen der zweiten Runde geschlossen gestellt. Die quantifizierten Aussagen ergeben absehbare Trends im jeweiligen Bereich.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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