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Impressionen vom 1. ÖGZ Hotel Symposium in Krems.

Das war das 1. ÖGZ Hotel Symposium

23.09.2015

Wie können sich Hotels künftig profilieren? Wie kann man profitable Preise am Markt durchsetzen? Was sind die Anforderungen an den Hotelier der Zukunft? Antworten gab das 1. ÖGZ Hotel Symposium in Krems.

Schlafen ist nicht alles, heißt es etwas provokant in der Fragestellung unseres Sterne-Awards. Was sind die künftigen Geschäftsmodelle der österreichischen Hotellerie? Auf Seite 15 veröffentlichen wir die Shortlist der Kandidaten für den/die Hotelier/in der Zukunft. Stimmen Sie für Ihren Kandidaten! Die Sieger werden am 9. 11. auf unserer Gala in der Salzburger Residenz verkündet.

ÖGZ-Hotel Symposium
Nach neuen Geschäftsmodellen fragte auch unser Hotel Symposium, das wir gemeinsam mit Kohl & Partner und der IMC FH Krems veranstaltet haben. Das Zimmer ist natürlich immer noch die Kernkompetenz jedes Hotels. Aber „nur“ ein Bett anzubieten, reicht nicht mehr, um sich vom Mitbewerb abzusetzen, neue Kundenkreise zu erschließen und betriebswirtschaftlich notwendige Preise durchzusetzen.

Was tun?
Unsere Experten gaben Antworten – aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Daniel Orasche von Kohl & Partner empfiehlt Flächeneffizienz und eine klare Positionierung. „Was sucht der Gast? Erlebnisse, Emotionen!“ Er empfiehlt Investitionen zu emotionalisieren, zu inszenieren: zum Beispiel Angebote speziell für Business-Frauen zu entwickeln oder Romantikpackages für Paare, auch und gerade in der Stadt. Man sollte noch mehr auf Dienstleistungen setzen und sich vom Mitbewerb differenzieren. Dafür muss man seinen Mitbewerb aber auch kennen – eine Erkenntnis, die sich viele der Anwesenden zu Herzen nahmen: Man glaubt den Nachbarn und dessen Angebot zu kennen – kennt man es wirklich? Und kennt man seinen Gast? Redet man genug mit ihm? Hier empfiehlt Orasche die Möglichkeiten von Smart Data zu nutzen. Orasche sieht einen weiteren Trend in der Hotellerie: die Professionalisierung. Die zu einer Entfremdung des Gastes zu führen droht. Der möchte nicht von Managern betreut werden, sondern von Gastgebern. Der Hotelier muss beides sein, keine leichte Aufgabe.

Sharing-Plattformen
Prof. Christian Maurer von der IMC FH Krems stellte das Erfolgsmodell der Sharing-Plattformen vor und zeigte, wie Hoteliers daran partizipieren können – statt die Konkurrenz von Airbnb zu verteufeln. Zum Beispiel kommunizieren sie in Realtime mit ihren Kunden. Auf wie vielen Hotelhomepages kann man Realtime buchen? Green Thinking ist in der Sharing Economy beliebt – was bietet die Hotellerie hier an?

„Eat with a local“ bieten Plattformen erfolgreich an. Das kann man direkt aufs Hotel umlegen: Am „chef’s table“ speist die Chefin des Hauses mit ihren Gästen! Maurer empfahl, Kooperationen mit dem Mitbewerb einzugehen, Wellnessbereiche zu teilen oder die Ausrüstung für Outdoor-Aktivitäten.

Grenzen von Design
Architekt Stephan Ferenczy von BEHF zeigte Möglichkeiten und Grenzen von Design in der Hotellerie. Ferenczy hat die schwierige, baulich vorgegebene Struktur des Wiener Hotels Le Meridien umgemodelt: Aus der Lobby wieder einen „Hub“, einen Meeting Point gemacht. Er hat einen Konferenzraum entworfen, der auch als Bar fungieren kann. Mit Architektur und Design kann man Strukturen verändern, Atmosphäre schaffen, Gästegruppen ansprechen. Aber Design hat auch seine Grenzen: „Bei aller Freude und Notwendigkeit zur Innovation: Man muss nicht alles Bewährte niederreißen, nur um originell zu sein. Gäste sind oft viel gediegener, als Berater glauben.“

Preise durchsetzen
Rita Jusztina Varga von Infor thematisierte, wie Hotels ihre Preispolitik besser gestalten können. Ein wichtiges Hilfsmittel ist Revenuemanagement. Aber auch dynamisches Pricing stößt an Grenzen: Zu billig darf man nicht anbieten, sonst zahlt man drauf. Zu teuer aber auch nicht, selbst wenn es die aktuelle Buchungslage hergeben würde. „400 Euro pro Nacht passen einfach nicht zu einem Zwei-SterneHaus, das gibt nur schlechte Bewertungen.“ Man könne Gäste für Direktbuchungen belohnen: Gratis-Frühstück, Gutscheine für das Spa, kostenfreies Upgrade, kostenfreier Transfer zum Flughafen. So könne man auch eine Preisparität umgehen.

Gäste buchen nach Motiven
Helmut List von Kohl & Partner schloss am Ende den Kreis, den sein Kollege eröffnet hatte. Gäste buchen nach Motiven, immer weniger nach Destinationen. Sie wollen im Urlaub etwas Bestimmtes machen: Fischen, Drachenfliegen, Reisen mit Hunden oder mit kleinen Kindern. Wer ihnen das beste und glaubwürdigste Angebot machen kann, gewinnt. Details machen den Unterschied, der Mehrwert, den das Hotel bietet, kann zum Urlaubsmotiv werden. Die Aufgabe der Hotels sei es, „Speerspitzen“ im Angebot zu setzen, die über den Durchschnitt hinausgehen.
„Jeder bekommt die Gäste, die er verdient. Man muss als Hotelier seine eigene Begeisterung leben!“ Ein Skihotel, das eine Schraubbank in die Lobby stellt, wirkt authentisch. Wenn man Fliegenfischern ein Komplettangebot macht, bringen die vielleicht ihre ganze Familie mit – nicht nur fliegenfischende Freunde.

Service Design
In den Workshops wurden viele dieser Ideen auf ihre Praxistauglichkeit geprüft und diskutiert. Katharina Ehrenmüller und Isabelle Goller von NEA Design Services stellten eine neue Strategie, einen Prozess vor, wie man spezifische Dienstleistungen entwerfen kann, die wirklich die Gästeinteressen treffen. Dafür steht Service Design oder Designed Services. Das Thema fand regen Zuspruch bei den Anwesenden, die die Methode gleich vor Ort ausprobieren konnten: Gemeinsam entwarf man neue Möglichkeiten, jemanden zu beschenken. Es ging dabei sehr lebhaft zu.

Text: Thomas Askan Vierich

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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