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Dem Radler tut Alkohol gut

16.05.2019

ÖGZ-Fachverkostung: Für die Gastronomie, aber auch für Brauereien ist Radler mittlerweile zum wichtigen Umsatzbringer geworden. Gute Durstlöscher sind so gut wie alle von uns getesteten Produkte. Der Alkoholgehalt spielt geschmacklich allerdings eine wichtige Rolle.

Vollste Konzentration: Beerkeeperin und Biersommelière Birgit Rieber verkostete gemeinsam mit Alexander Grübling (ÖGZ) zehn Radler aus Österreich.

 

Der Radler ist als Produkt mittlerweile zum wichtigen Umsatzbringer geworden. Und das gilt nicht nur für Brauereien, sondern auch für die Gastronomie. Allerdings, und jetzt kommt der bittere Beigeschmack: Torpediert dieses Produkt in Wahrheit nicht alle Bemühungen rund um die Bierkultur? „Ja, auf jeden Fall“, sagt Birgit Rieber. Die Sensorik-Expertin – sie bildet beerkeeper und Biersommeliers in Österreich und Deutschland aus – hat sich dazu bereit erklärt, mit uns in die Welt der Radler einzutauchen. Verkostet wurden zehn Produkte, die in Österreichs Gastronomie relevant sind. 

Zunächst einmal zur Definition: Radler ist kein Bier, auch kein Kreativbier; es handelt sich um ein Biermischgetränk. Und hier liegt auch die Herausforderung. Denn Brauereien erzeugen einerseits großartige Produkte, und dann mischen sie Limonade ins Bier, um Radler zu erzeugen. Ein Widerspruch. Dabei sei nicht die Limonade selbst das Problem, sondern die Inhaltsstoffe, die nicht immer 100 %ig natürlich sind, etwa Zuckerersatz und künstliche Aromastoffe. „Das entspricht nicht wirklich der Ideologie der Brauer“, sagt Rieber. Aber: In Deutschland gibt es mittlerweile Brauereien, die vom Radler leben. Zur Geschichte: Bis in die 1980er-Jahre gab es den Radler in der Flasche nicht. Angeblich erfunden wurde er 1922 auf der Kugler Alm, einem Biergarten in der oberbayerischen Gemeinde Oberhaching südlich von München. Dem Wirt soll das Bier ausgegangen sein, deshalb mischte er es mit Zitronenlimonade – aus der Not heraus. Ob die Geschichte nun stimmt oder nicht, charmant ist sie in jedem Fall und kann Gästen erzählt werden. 

Gösser Naturradler, 2 % Alc.

Sattes, dichtes Zitronengelb, wirkt optisch wie Zitronensaft, nicht wie Bier. Naturtrüb. Erste Nase: frisch gepresster Zitronensaft, tiefer kommen malzig-bierige Anklänge in der Nase. Keine Assoziation zu Bier – was die Bittere angeht. Die 60 % Saft lassen sich nicht leugnen. Drinkability gut. 

Gösser Naturradler, 2 % Alc., by a.gruebling

 

Villacher Radler Naturtrüb, 2 % Alc.

Farbe: helles Gelb. Nase: Zitronenzesten, limonadig, Acerolasaft ist leicht wahrnehmbar. Erfrischende Zitrussäure im Antrunk, im Nachtrunk mischen sich Aromen dazu, die das Bier eindeutig schmeckbar machen. 

Villacher Radler Naturtrüb, 2 % Alc., by a.gruebling
Obertrumer Bio Radler, 2,6 % Alc.

Für dieses Produkt wird Limonade aus Rohrzucker und Zitronenverbene hergestellt. Das Bier wird über eine Milchsäuregärung vor der Biergärung gesäuert: Die Säure stammt also aus einem Fermentationsprozess. Das Produkt besteht aus 60 Prozent Bier und zu 40 Prozent aus Verbenenlimo. Was den Herstellungsprozess angeht, spielt dieses Produkt in einer eigenen Liga – was aber nicht wertend sein soll. Farbe: durchscheinendes, sanftes Gelb, leichte Opaleszenz. Im Duft erinnert es an eine Berliner Weisse. Zarte Joghurtnote! Riecht nach Frühling und Gartenkräutern. Zitronenmelisse und Verbene. Hat eine unglaubliche Leichtigkeit, keine klebrige Süße. Süße ist perfekt ausbalanciert und sticht nicht raus. Kein Produkt für den klassischen Radler-Aficionado. 

 

Obertrumer Bio Radler, 2,6 % Alc., by a.gruebling
Ottakringer Citrus-Radler, 2 % Alc.

Zarte Trübung, hellgelb. In der Nase ein bunter Mix aus Zitrusfrüchten: Grapefruit (dominant), Limette, Zitrone, leichte Marzipannote. Easy to drink! Gute Drinkability trotz spürbarer Süße, die allerdings durch die Säure schön ausbalanciert wird. 

Ottakringer Citrus-Radler, 2 % Alc., by a.gruebling

 

Zwettler Citrus Radler, 2 % Alc.

Ordentliche Trübung, sattes Gelb. Riecht 100%ig nach Limonade, weniger spritzig als die anderen Produkte. Hat einen Touch von Multivitaminsaft. Im Nachtrunk deutliche Mango-Aromen.

Zwettler Citrus Radler, 2 % Alc., by a.gruebling
Puntigamer Freiradler, alkoholfrei

Weicht farblich komplett ab, sieht aus wie pinker Grapefruitsaft – den hat man auch in der Nase. Die Bittere ist bereits in der Nase wahrnehmbar, im Antrunk steht das alkoholfreie Bier geschmacklich im Vordergrund und bekommt einen angenehm bitteren Frischeeindruck aus der Grapefruitlimonade. 50:50-Mischung. Eine deutliche Malznote blinkt immer wieder durch. 

Puntigamer Freiradler, alkoholfrei, by a.gruebling
Murauer Preisel & Bier, 2,9 % Alc.

Betörendes Orange-Rot, marmeladig in der Nase, Beerenmix (Preiselbeer, Erdbeer), aber auch Zwetschke. Im Antrunk setzt sich die Fruchtigkeit fort. Leichte Anklänge von Schokolade. Man merkt den Vollbieranteil, was positiv ist, da die Fruchtaromen besser weitergetragen werden. Ein toller Herbst- und Winterradler. Für den Sommer fast zu schwer. 

 

Murauer Preisel & Bier, 2,9 % Alc., by a.gruebling
Stiegl Grapefruit Naturtrüb, 2 % Alc.

Zitrus und dominante Grapefruitnoten im Duft, aber auch Orange. Im Antrunk schöne Spritzigkeit. Weckt Kindheitserinnerungen, als man Grapefruitscheiben in Zucker tauchte. 

 

Stiegl Grapefruit Naturtrüb, 2 % Alc., by a.gruebling
Zipfer Orangen Radler, 2 % Alc.

Farblich erinnert das Produkt an Aperol Spritz, nicht trüb, absolut transparent – übrigens als einziger Radler im Test. Rotgoldene Farbe. In der Nase bierige Aromen mit einem Hauch Orangenfruchtbonbons. Lemongrass nicht wahrnehmbar, dafür dominant orangig. Leichte Bergamotte in der Nase, könnte auch ein Eistee mit Kohlensäure sein. 

Zipfer Orangen Radler, 2 % Alc., by a.gruebling
Autor/in:
Alexander Grübling
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