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„In den Packungen ist nicht immer drinnen, was drauf steht“

12.04.2007

„In den Kaffeepackungen ist nicht drinnen, was drauf steht“, erklären Heinz Schöffel, AK-Lebens­mittelexperte, und Leopold Edelbauer, Präsident des Instituts für Kaffee-Experten-Ausbildung. Daher fordert der Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer gemeinsam mit dem Institut für Kaffee-Experten-Ausbildung eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für Kaffee auf der Verpackung.

Die EU fordert eine verbesserte Lebensmittelkennzeichnung. Künftig sollen verpflichtende Nährwertprofile verhindern, dass nicht nur auf positive Aspekte eines Produkts hingewiesen wird. „Da gibt es die EU-Gurkenverordnung betreffend der Krümmung, und beim Kaffee verzichtet man auf jede Kennzeichnungspflicht“, moniert Leopold Edelbauer, Präsident des Instituts für Kaffee-Experten-Ausbildung.
Arabica und Robusta
Zur Herstellung von geröstetem Kaffee kommen im Wesentlichen zwei Sorten von Kaffeebohnen zum Einsatz: Arabica Kaffee und Robusta Kaffee. Die verwendeten Sorten unterscheiden sich im Hinblick auf die erzielbare Qualität des Endprodukts sehr wesentlich. Bei einer Vielzahl von Kaffee-Produkten finden sich heute zunehmend Angaben über die verwendete Sorte, im Regelfall bezieht sich die Angabe auf die Verwendung des qualitativ höherstehenden und teureren Arabica Kaffees. Bereits 2003 stellte die Arbeiterkammer Wien im Rahmen von Vorerhebungen fest, dass bei zwei von vier als 100% Arabica Bohnen bezeichneten Produkten die preiswertere Robusta Bohne mit in die Packung kam.
Angesichts der jüngsten Steigerungen des Weltmarktpreises für Kaffee und den damit verbundenen und zum Teil bereits weitergegebenen Preissteigerungen für Röstkaffee ist die korrekte Auszeichnung von umso größerer Bedeutung. Im Rahmen einer Untersuchung kaufte die Arbeiterkammer Wien Kaffeepackungen mit eindeutigen Produktangaben, wie zum Beispiel 100 Prozent Arabica, erlesene und beste Arabica Bohnen, aber auch solche, die den Hinweis auf „Kaffee aus dem Hochland“ trugen. Die Produkte wurden von der Firma Analyticum/Labor für Lebensmitteluntersuchung, Prof. Werner Pfannhauser, auf ihre Sortenreinheit mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) untersucht. Hier wird zuerst die entsprechende DNA aus dem Kaffeepulver extrahiert.
Grundsätzlich sollte bei den untersuchten Produkten ausschließlich die Sorte Arabica nachweisbar sein. Bei Nachweis der Sorte Robusta ist aufgrund der Meßmethode ein quantitativer Anteil von 10 Prozent und mehr gegeben.
In der Folge wurden 21 namhafte Produkte getestet. 16 Produkte waren am Etikett ausdrücklich als Arabica Kaffee ausgelobt. Bei sechs Produkten (38 Prozent) wurde eine Mischung aus den Sorten Arabica und Robusta festgestellt. Von fünf Produkten, die als Hochlandkaffee beworben wurden - die nach Angaben des Österreichischen Kaffeeverbands zur Gruppe der Arabica Kaffees gehören - , enthielten vier Kaffeepackungen (80 Prozent) eine Mischung aus Arabica und Robusta.

Somit enthielt knapp die Hälfte aller untersuchten Produkte entgegen den ausdrücklichen Angaben auf den Produktpackungen neben der ausgelobten Sorte Arabica auch die deutlich billigere Sorte Robusta. Bei Nachweis der Sorte Robusta betrug der Anteil im Produkt mindestens 10 Prozent. „Konsumenten haben einen Anspruch auf die Kenntnis der verwendeten Rohstoffe, zumal hier insbesondere wesentliche qualitative Unterschiede der Sorten gegeben sind, die sich auch im Preis der Rohware niederschlagen“, erklärt Heinz Schöffel und fordert, dass die Angaben auf den Packungen zureffen müssen, es eine europaweite Verpflichtung zur Angabe der verwendeten Sorten geben muss und diese durch behördliche Kontrollen auf ihre Richtigkeit geprüft werden müssen. Die Pressesprecherin von Fairtrade Österreich Veronika Polster, erklärt mit dme Prüfergebnis der Arbeiterkammer konfrontiert, dass das Fairtrade-Gütesiegel nicht für den Inhalt der Kaffeepackung steht, sondern garantiert, dass die Kaffeebauern von ihrer Arbeit leben können, die Produktion umweltgerecht erfolgt und es keine Kinderarbeit auf den Plantagen gibt. Fairtrade als Gütesiegelinitiative verkauft selber keine Produkte und ist weltweit die größte unabhängige Zertifizierungsstelle für soziale Kriterien.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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