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Der chinesische Hersteller Velocopter arbeitet am Transportmittel der Zukunft.

In den Urlaub mit dem Drohnentaxi

22.03.2018

Die Tourismusbranche bewegt sich zwischen Rekordzahlen und Herausforderungen wie Digitalisierung, Klimaschutz und zunehmendem Widerstand aus der ­Bevölkerung. Die ÖGZ hat einige Trends eingefangen

Luxustrend: individuelles Naturempfinden
First Airlines: Flugreisen, die Sie nicht abheben lassen

1. Transportwege der Zukunft

Mit der App am Smartphone ganz praktisch ein Lufttaxi buchen, vom obersten Stockwerk des Hotels? Die Vorstellung aus einem Science-Fiction- Film? Keineswegs. Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) lag ein Schwerpunkt auf den Transportmöglichkeiten der Zukunft. Und bei Themen, wo wir uns eher die Augen reiben, wird in manchen Ecken der Welt bereits an Angeboten gebastelt. In Dubai wird seit einigen Wochen eine Elek-trodrohne namens „Volocopter 2x“ getestet (siehe Bild). Die Eckdaten: 200 Kilometer Reichweite bei 100 km/h Topspeed. Die Markteinführung des vom Daimler-Konzern konzipierten Projektes ist für 2030 geplant. 

Gäste mit Skepsis

Bereits 2020 will die Airbus-Tochter Vahana ihr Lufttaxi „Alpha One“ abheben lassen. Und auch die Chinesen haben in Sachen Drohnen längst ein Modell: „Ehang 184“ nennt sich das verheißungsvollste Konzept. Entlang eines vorgesteckten Kurses von 15 Kilometern Länge hat die Drohne bereits hunderte Testflüge mit 130 Stundenkilometern absolviert.  

Laut einer in Berlin präsentierten Umfrage von Travelzoo würden bereits 58 Prozent der Deutschen automatisierte Verkehrsmittel benutzen wollen. Die meisten rechnen damit, dass 2030 autonomes Fahren Standard sein wird. Aber 41 Prozent hätten auch ein mulmiges Gefühl dabei. In ein Drohnentaxi zu steigen, würden sich gar nur rund zwölf Prozent trauen. 

Das Thema Transportwege der Zukunft wurde auch kritisch diskutiert. Wenn Fernreisen weiter zunehmen (was die Reiseanalysen prophezeien), bedeutet das massive Belastungen für die angestrebten Pariser Klimaziele. In einem Panel zum Thema Nachhaltigkeit zeichnete der Wirtschaftsprofessor Niko Paech ein beängstigendes Bild. 2,6 Tonnen CO2 darf ein Erdenbürger im Schnitt jährlich verbrauchen, damit der Klimawandel gestoppt werden kann. Ein Flug nach New York verursacht 45 Tonnen CO2. Vielleicht liefert der virtuelle Urlaub hier eine Abhilfe (siehe Punkt 2).

2. Digitale Spielereien

Dass Smart Data in aller Munde ist, ist bekanntlich nichts Neues. Airbnb-Co-Founder Nathan Blecharczyk kündigte in Berlin an, dass seine Plattform an individuellen Angeboten für seine Heavy User arbeitet. Das Stichwort lautet: Superguest. Das sollten sich Hoteliers genauer anschauen. Reiseveranstalter sollten gewahr sein, dass Airbnb auch in ihr Metier drängt. Richtig Revolutionäres gab es aus dem Silicon Valley aber nicht zu vermelden.
Zukunftsweisend glaubt das japanische Unternehmen „First Airlines“ zu sein (siehe Bild). Dort versucht man dem etwas angestaubten Thema „Virtual Reality“ doch noch so richtig in die Gänge zu helfen. Das Geschäftskonzept: virtuelle Flüge an Ihre Traumdestination! Von einem fiktiven Flughafen „Ikebukuro“ werden Flüge nach Paris, Rom und New York angeboten. Der Clou bei der Sache: Für die 100-minütige Reise müssen die Gäste nie den Boden verlassen. Super für alle, die auf den CO2-Abdruck schauen wollen oder unter Flugangst leiden.

App für alles

Massentauglicher sind die zahlreichen Apps, die auf der ITB vorgestellt wurden. Das smarte Hotelzimmer ist vielerorts Realität. Wichtig ist die Usability. Wenn Gäste über eine einzelne App schon vor der Anreise die Temperatur im Hotelzimmer einstellen können, ist man als Hotel schon in Sachen Digital Service top. Wenn die App es aufgrund der Kundendaten automatisch macht, bleiben gar keine Wünsche mehr offen. 
Supersmart ist auch die Kooperation unter den unterschiedlichen Touristikern. Der amerikanische Tourismusvisionär Philip C. Wolf präsentierte in Berlin seine Vorstellung davon. Er arbeitet an einem System, in dem ein Gast über die Hotelkarte auch im lokalen Museum den Eintritt zahlen, danach in der trendigsten Bar der Stadt ein Bier trinken und das alles mit der Hotelrechnung bezahlen kann. 

3. Overtourism und neuer ­Luxus

Overtourism (die Grenze des Tourismus) ist zu einem zentralen Thema geworden, und das nicht nur in Venedig, Dubrovnik oder Mallorca, wo die Bevölkerung bereits auf die Barrikaden ging. Die Touristiker müssen mit der lokalen Bevölkerung in Dialog treten, lautet die Schlussfolgerung. Wien kann hier durchaus international als Vorbild gesehen werden (siehe Seite 6). Viele Destinationen versuchen also, sich von der Massen- zur Luxusdestination hin zu bewegen. Dabei ist wichtig zu erkennen, dass Luxus sich ändert. 

Einzigartige Erlebnisse

„Luxus wird in den USA schon lange nicht mehr im traditionellen Sinne definiert. Vor allem durch die reisefreudigen Millennials – jene Generation der derzeit 18- bis 35-Jährigen – wird der Begriff neu geprägt. Für diese besitzt das aktive Eintauchen und Erleben in die Lebenskultur eines Landes einen weitaus höheren Stellenwert als materielle Souvenirs“, erklärt Michael Gigl, ÖW-Region Manager in New York gegenüber der ÖGZ. 

Hidden Luxury nennt Al Merschen von Myriad Marketing diesen Trend. Er sagt: Alles ist möglich, hat aber seinen Preis. Es geht aber nicht mehr ums Protzen und Dekadenz, sondern einzigartige, individuelle (Natur-)Erlebnisse. Die Gäste wollen in die Lebenswelten der Bevölkerung eintauchen. Wie schafft man solche Angebote? Auf Österreich umgelegt, kann das in der Stadt der Kurator sein, der im Museum die aktuelle Ausstellung vorstellt, oder im ländlichen Raum der Winzer, der den biodynamischen Anbau erklärt, meint Michael Gigl. Urlaub hieße auch Reduktion, lautete die einhellige Meinung bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Luxustourismus. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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