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Der allwissende Sommelier am Handy

11.03.2010

Ganz schön beeindruckend, was die kleinen Superdinger namens Smartphones heute schon alles können. Besonders das Apple-iphone mit seinen unzähligen Anwenderprogrammen (Applikationen oder kurz „Apps“ genannt) bietet ungeahnte Möglichkeiten. Neben Spielen, Musikerkennungsprogrammen und zahlreichen anderen Gimmicks buhlen auch Hotel-, Restaurant- und natürlich Weinführer um die Gunst der Anwender.

Wolfgang Schedelberger

Auf den ersten Blick haben solche Apps durchaus ihre Reize. Erstens spielen auch erwachsene Menchen liebend gerne mit ihren Smartphones. Zweitens  versprechen die meisten Wein-Apps, einen umfassenden Überblick über die verschiedensten Weinbauregionen und Jahrgänge zu liefern. Manche geben sogar Tipps zur optimalen Kombination von Speisen und Wein ab. Trotzdem sind die wenigen Euro, die die meisten Wein-Apps kosten, selten gut investiert. Das liegt vor allem daran, dass solche Apps – im Gegensatz zu manchen Hotelführern – nicht von professionellen Redaktionen gestaltet werden. Beschreibungen bzw. Bewertungen sind daher in der Regel wenig aussagekräftig. Für Weinprofis sind sie derzeit bestenfalls ein Gimmick. Dennoch sollten sich Sommeliers zumindest grundsätzlich  mit diesem Thema beschäftigen, denn immer mehr Gäste vertrauen solchen Hilfsmitteln, um sich eine scheinbare Weinkompetenz anzueignen, mit der man dann ohne viele Vorkenntnisse den Weinexperten mimen kann.

Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis auch kompetente Wein-Apps auf den Markt kommen werden, doch diese werden dann auch wesentlich teurer sein. Im Prinzip gilt für Apps das Gleiche wie für Printmedien oder Websites. Wer gut aufbereitete, kompetente Informationen sucht, wird dafür in irgendeiner Art und Weise bezahlen. Wer sich für Wein vor allem aus dem Blickwinkel Lifestyle interessiert, wird genau jene oberflächliche, als Infotainment getarnte Werbung bekommen, die er verdient. Wirklich gut gemachte Wein-Apps wären für Sommeliers nämlich keine gefährliche Konkurrenz, aber im Optimalfall ein praktisches Hilfsmittel beim Ein- und Verkauf von Weinen.  Bis es so weit ist, bleiben Wein-Apps ein wenig verlässliches Spielzeug für Laien.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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