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Der „alte Kontinent“ wird zusehends älter

04.02.2004

SPEED – Hotellerie zwischen Wellness, Aging-Society und Jugendkult lautete das Thema des diesjährigen ÖHV-Hotelierkongresses, der vor kurzem in Bad Gastein stattgefunden hat.

Der schon traditionelle Kongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), der heuer in Bad Gastein stattfand, verschrieb sich dieses Mal dem Motto „Speed“.
Speed deswegen, weil der Kongress Themen aufgriff, die in der Hotellerie von morgen wichtig sein werden:
– Wie gefährlich sind Emotionen bei der Finanzierung und welche Auswirkungen haben sie?
– Rechnet sich Wellness noch?
– Ist Europa auf dem Weg ins Altersheim? Und wie richte ich mein Angebot darauf aus?
– Wird sich die „Aging-Society“ das Altern noch leisten können?
Den Beginn machte Dr. Michael Klentze von der American Society of Anti Aging Medicine. Laut seiner Ausage ist die Bevölkerungsgruppe der Über-85-Jährigen in den USA diejenige mit den größten Zuwächsen. Denn die moderne Medizin sorgt dafür, dass wir immer älter werden. Allerdings sei Alter nicht gleich mit Armut zu setzen: „In den USA sind über 80 Prozent des Volksvermögens in den Händen der Über-50-Jährigen”, so Klentze.

Golden Boys and Girls
In die gleiche Kerbe schlug auch Sozialforscher Prof. Bernd Marin. Die Hotellerie müsse sich in den kommenden Jahren auf Gäste einstellen, die im Durchschnitt um die 50 Jahre alt und relativ zahlungskräftig seien. Auf Jugendtourismus zu setzen, könne hingegen nur eine „Nischenstrategie“ sein, zumal Europa immer älter werde, junge Familien hingegen vor allem in Österreich ein relativ geringes Einkommen hätten und daher oft „enorm überschuldet“ seien, ist Marin überzeugt. Gäste um die 50 Jahre würden hingegen künftig die „Hauptzielgruppe“ für den österreichischen Tourismus sein. Man müsse sich aber nicht vor einer „Altersarmut“ fürchten, da Gäste ab 50 Jahre trotz Pensionsreformen in ganz Europa keineswegs verarmen würden.
Die so genannten „jungen Älteren“ zwischen 50 und 75 Jahren seien noch nie so gesund, gebildet, vermögend, eigenständig und unternehmungsfreudig gewesen wie heute, meint Marin. Für diese Gäste müssten „coole Angebote“ entwickelt werden. Allerdings sollte der Tourismus keine Altenprogramme („rutschfeste Badewanneneinlagen“) schnüren, sondern vielmehr klientenfreundliche Angebote für jedes Alter.

Wellness kein Allheilmittel
Auf die Frage, ob sich Wellness trotz derzeit herrschender Überkapazitäten rechne, versuchte die Beraterin Maria Pütz-Willems eine Antwort zu geben. „Viele Hoteliers wagen noch immer den Sprung ins Wellness-Geschäft. Dabei begehen viele in der Eile konzeptionelle Fehler. Die Zukunft wird nicht rosiger werden: Mit der EU-Erweiterung buhlen auch noch osteuropäische Wellnesshotels um die deutschsprachigen Kunden“, erklärte Pütz-Willems. Als Hauptprobleme würden sich vor allem die hohen laufenden Kosten einer Wellness-Anlage und die kaum vorhandene Drittverwertbarkeit des Objektes darstellen. „Wellness vergrößert die klassischen Schwächen der Hotellerie und löst nicht das Problem der Überkapazität. Nur bei ganzheitlicher und professioneller Umsetzung mache ein neues Wellness-Konzept Sinn“, so ihre Schlussfolgerung.

Großarltal ist top
Auch heuer stellte die ÖHV im Rahmen des Kongresses wieder ihre Destinationskarte mit den Umsatzentwicklungen nach Regionen in den letzten Jahren dar. Großarltal (+17,1% pro Jahr), Steirisches Thermenland (+13,7%) und Südsteirisches Weinland (+13,6%) sind die touristischen Destinationen, die von 1999 bis 2002 das stärkste Umsatzplus erzielten. Die stärksten Einbußen mussten hingegen die Weststeiermark (–5,8%), das Oberdrautal (–3,3%) und die Region Niederösterreich Süd Alpin (–3,0%) hinnehmen.
Mut zu Kooperation und Allianzen sei notwendig, stellte ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn fest. Die Studie zeige, dass gelebtes Destinationsmanagement auch wirtschaftliche Erfolge bringe. Historisch gewachsene regionale Tourismusstrukturen würden in Österreich hingegen oft keinen tauglichen Rahmen mehr bieten, um im derzeitigen verschärften Wettbewerb auf internationalen Märkten zu bestehen.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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