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Der „Aston Martin“ unter den Brauern

15.03.2007

Unter der Kurzbezeichnung „Die Weisse“ ist sie vor allem den Stadt-Salzburgern bestens bekannt: gemeint ist die kleine, aber feine Brauerei in der Rupertgasse im Salzburger Stadtteil Schallmoos. Gegründet wurde der Betrieb im Jahr 1900 vom deutschen Brauer, Abenteurer und Großwildjäger Adelbert Behr nach dessen Rückkehr aus Südafrika nach Europa.

Brauereichef Hans-Georg Gmachl mit seiner „Weissen“

In den Jahrzehnten wechselte die Brauerei immer wieder ihren Besitzer, bis schließlich im Jahr 1987 der Salzburger Gastronom Hans-Georg Gmachl die Brauerei samt Rupertihof – einem unmittelbar angeschlossenen Gasthof – vom Land Salzburg erwarb. Seit mittlerweile mehr als 100 Jahren wird dort Weißbier gebraut. Damit gilt die „Weisse“ als Österreichs älteste Weißbierbrauerei.
Hauptprodukt der Brauerei ist die Helle Weisse. Braumeister Wolfgang Schweitl, der seit 2003 im Betrieb ist, beschreibt sie als naturtrübes Weizenbier, das durch eine sanfte Fruchtigkeit der speziellen, hauseigenen obergärigen Hefe und eine schaumige Krone verfügt. Der Hopfen aus der Hallertau gibt dem Weizenbier die nötige Bittere. Der Abgang ist erfrischend und spritzig, sagt Bierexperte Wolfgang Schweitl. Daneben werden noch die „Dunkle Weisse“ und der Weihnachtsbock mit sieben Prozent Alkoholgehalt produziert.
Selbst sein bester Kunde
Etwa 45 Prozent der Jahresproduktion verkauft Gmachl in seinem eigenen Gasthof, der in mehreren – teils historischen – Sälen 300 Gästen Platz bietet. Hinzu kommt ein Gastgarten mit noch einmal etwa derselben Kapazität. Den hohen Anteil des Verkaufs im eigenen Gasthof bezeichnet Hans-Georg Gmachl als wesentlichen Teil des wirtschaftlichen Erfolgs seiner Kleinbrauerei. „Bei der Verkaufsmenge und beim Kampf um den günstigsten Preis für die Gastronomie können wir mit den Brauerei-Konzernen natürlich nicht mithalten“, sagt Hans-Georg Gmachl. „Und ein höherer Preis ist natürlich nur über eine entsprechende Qualität zu erzielen. Auf diese legen wir größten Wert, und das ist wohl auch in einem so kleinen Betrieb, wie wir es sind, leichter möglich, denn jeder meiner Mitarbeiter hat in jedem Moment des Produktionsvorganges den persönlichen Bezug zum Produkt. Es geht darum, immer wieder auch in die Produktionsanlagen hineinzuschauen und auch gelegentlich etwas zu verkosten. Wir schauen uns die Roh-Produkte wie Malz und Hopfen wirklich sehr genau auf ihre Qualität hin an. Wir halten an unseren alten Rezepturen fest, die noch auf den Gründer der Brauerei, Adelbert Behr, zurückgehen. Und wir geben dem Bier die nötige Zeit zum Reifungsprozess. Denn ich halte es für bedenklich, diese Phase zu verkürzen, nur um möglicherweise eine höhere Produktivität zu erzielen.“
Mit einem breiten Sortiment von „Weisse“-Accessoires, das er den Wirten zur Verfügung stellt, versucht Gmachl, die Marke „Weisse“ bekannt zu machen. Das reicht von Gläsern über Bierdeckel und Tischaufsteller bis hin zu Zündhölzern. Gmachl: „Etwa alle zwei Jahre laden wir unsere Kunden zu einem Brauereifest ein, wo die persönlichen Kontakte gepflegt und vertieft werden können. In unserem Gasthof veranstalten wir in der warmen Jahreszeit jeden Samstag einen Frühschoppen. Da haben wir viele Stammgäste, für die wir zudem regelmäßig gesellschaftliche Veranstaltungen organisieren – etwa Eisstockschießen, Golfturniere oder Mountain-Bike-Ausflüge. Die Frequenz in Gasthof und Gastgarten ist jedenfalls sehr zufriedenstellend, weshalb wir Gott sei Dank auch nicht auf ‚Schleuderaktionen‘ angewiesen sind.“
Optimistisch in die Zukunft
Den enormen Konkurrenzdruck und die ausgeprägten Konzentrationstendenzen in der internationalen Brauereibranche sieht Gmachl gelassen: „Die stetig steigenden Verkaufszahlen werten wir als Beweis, dass Wirte und Endverbraucher unser Produkt zunehmend schätzen. Der eigene Gasthof ist natürlich ein idealer Werbeträger für unser Produkt.“
So sieht Gmachl auch optimistisch in die Zukunft: „Ziel für die kommenden Jahre ist weiteres Wachstum – allerdings kein rasantes, sondern langsames und somit gesünderes. Der Kunde – egal, ob Gastronom oder Endverbraucher – kauft mit der „Weissen“ nicht nur ein Produkt, sondern quasi eine Philosophie, sagt Gmachl, der da allerdings selbst den Vergleich mit der Automarke „Mercedes“ gar nicht gerne hört: ‚Mercedes‘ ist ein Konzern mit allen damit verbundenen Gefahren und Problemen, und so würde ich – um beim Vergleich mit dem Auto zu bleiben –, meine Brauerei doch lieber mit ‚Aston Martin‘ vergleichen – eben klein, aber fein“, schmunzelt Hans-Georg Gmachl.

Die Weisse, Rupertgasse 10, 5020 Salzburg, Tel.: 0662/87 22 46-0, prost@dieweisse.at, www.dieweisse.at
Gerhard Jäger

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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