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Der Gastgarten

02.03.2005

Im März, wenn die Sonnenstrahlen wieder wärmer werden, beginnt traditionellerweise die Saison der Gast- und Schanigärten – bei richtiger Gestaltung eine lukrative Sache für jeden Gastronomen.

Jeder, den ich kenne, sehnt sich mit Beginn des Winters schon wieder den Frühling herbei, selbst eingefleischte Skifahrer. Der Grund dafür sind die Schanigärten. Ein kühles Bier nach der Arbeit, ein guter Kaffee zwischendurch und das gemütlich im Freien sitzend – was gibt es Schöneres.

Noch mehr Stammkunden
Die Nachfrage bestimmt den Markt. So stieg laut Michael Milde, Herausgeber von „Servus in Wien“ und dem dazugehörigen Schanigartenführer, in Wien die Zahl der Gastgärten in den letzten Jahren durchschnittlich um rund 10 Prozent. Die Gesamtzahl liegt in der Donaumetropole mittlerweile bei etwa 2.200, Tendenz weiterhin steigend.
„Die Leute wollen einfach draußen sitzen“, bringt es Dr. Wolfgang Dorner, Spartengeschäftsführer der Wirtschaftskammer Wien auf den Punkt. „Selbst der kleinste Garten ist wichtig. Wer keinen hat, hat einen großen Wettbewerbsnachteil.“

Der Aufwand, einen Garten zu errichten, lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn es manchmal zu einem rechtlichen und logistischen Hürdenlauf wird. Gutes Beispiel dafür ist der Schanigarten des YOHMCafe am Graben in der Wiener Innenstadt. Klaus Piber, Eigentümer des Restaurants YOHM, ist heute froh, dass er keine Kosten und Mühen gescheut hat. Die Stammkundschaft wird von Jahr zu Jahr größer, selbst ehemalige Kritiker zählen mittlerweile dazu. Die Errichtung war aber durch die Lage in der am meisten frequentierten Fußgängerzone der Innenstadt kein leichtes Unterfangen – nicht nur attraktiv und schön sollte der Schanigarten sein, sondern auch noch so konzipiert, dass kein Fußgängerstau entstehen kann. Aber auch betriebstechnisch spielt das „YOHMCafe“, dank einer Investitionssumme von etwa 400.000 Euro, alle Stückerln. Die Versorgungsstationen sind direkt, also unterirdisch, mit dem Keller verbunden und das Geschirr wird draußen gewaschen. Damit gibt es für die Gäste weniger Belästigungen und die Kellner haben kürzere Wege. Zeit ist ja bekanntlich Geld, gerade in dieser Branche. „Man muss sich einfach was überlegen“, ist Piber überzeugt, „und es zahlt sich aus.“

Mit unberührter Natur punktet hingegen Franz Riedl vom Gasthaus Preisecker in Kritzendorf bei Klosterneuburg. Seine altehrwürdigen Bäume geben dem Gastgarten nicht nur eine gemütliche Note, sondern sorgen vor allem an heißen Tagen für die nötige Kühlung. Das zieht auch viele Wiener an – der Kundenanteil liegt bei rund 50 Prozent, die es bei sonnigem Wetter vorziehen, aus der stickigen Stadt zu flüchten. Einziger Nachteil in dieser Richtung: Wenn es in Wien gewittert, wird angenommen, dass die Wetterlage in Kritzendorf ebenso schlecht ist, was aber zu 99,9 Prozent nicht stimmt. Diesbezüglich hilft eine Überdachung, weiß August Oberndorfer, Spartenobmann der WK Oberösterreich und Eigentümer der Hoftaverne Schmiding in der Nähe von Wels, aus eigener Erfahrung. Außerdem kann der Garten im Wonnemonat Mai, wenn sich die Termine für Hochzeiten, Taufen und Erstkommunionsfeiern häufen, durch die Überdachung als Ausweichmöglichkeit verwendet werden. „Dafür braucht man aber dann unbedingt auch Kinderbetreuungseinrichtungen in guter Qualtiät“, mahnt Oberndorfer.
Information
Die Errichtung eines Schanigartens kann für die Existenz eines Betriebes entscheidend sein. Wie sieht es nun rechtlich aus, wenn im Miet- bzw. Pachtvertrag über einen Gartenbetrieb nichts vereinbart wurde?
Wenn der Schanigarten auf einem öffentlichen Grund (z. B. Gehsteig) betrieben werden soll, benötigt der Gastronom eine Genehmigung der Stadtverwaltung (in Wien beispielsweise vom Magistrat der Stadt Wien). Eine Zustimmung des Grundeigentümers ist dafür nicht erforderlich. Der Vermieter hat zwar im Genehmigungsverfahren Parteistellung, ist jedoch nicht zustimmungsberechtigt. Der Vermieter kann also den Betrieb des Schanigartens nicht verhindern, sofern die entsprechenden behördlichen Auflagen eingehalten werden. Für den Gartenbetrieb auf dem Grundstück oder zum Beispiel im Innenhof des Hauses braucht der Gastronomiebetreiber jedoch die Zustimmung des Hauseigentümers. Die Ausweitung des Lokalbetriebes bedeutet auch eine rechtliche Änderung des Mietvertrages.

Quelle: Rechtsanwaltskanzlei Steinhausen, www.steinhausen.at

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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