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Der Kaffeepreis ist heiß

30.05.2007

Im Rahmen der Messe >Alles für den Gast Wien

Die Preise für Rohkaffee an den internationalen Börsen klettern von einem Höchststand zum nächsten. Im Dezember 2006 betrug der Durchschnittspreis für Rohkaffee laut International Coffee Organisation (ICO) bereits 108,01 US-Cent/Pfund, das ist der höchste Wert seit Juni 1998. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt geben die Experten der ICO davon aus, dass die Preise mittelfristig auf diesem Niveau bleiben werden. Der Hauptgrund für die prognostizierte Stabilität liegt in einem für das Erntejahr 2007/2008 erwarteten Rückgang der Kaffeeernte in Brasilien, dem größten Kaffeeproduzenten der Welt, zusätzlich steigt die globale Nachfrage.

Arabica und Robusta
„Wir haben beim Rohkaffee-Einkauf, für den ich bei der Firma Meinl verantwortlich bin, seit November 2006 eine Preissteigerung von 20 bis 30 Prozent erfahren. Da dies 80 Prozent unserer Produktionskosten ausmacht, wird es für uns schwer, dies zu schlucken. Wir werden die Preissteigerungen an unsere Gastronomen weitergeben müssen“, erklärt Jeannette Meinl-Skrbensky.
Wenn es um den Kaffeepreis geht, wird immer von zwei verschiedenen Kaffeequalitäten gesprochen. Auf der einen Seite der Arabica aus Zentralamerika, auf der anderen Seite der Robusta, der zum Großteil aus Vietnam kommt. Auf der Kaffeebörse haben sich die beiden Kaffeesorten recht unterschiedlich entwickelt. „Der Robusta hat eine noch größere Preissteigerung erfahren als der Arabica, obwohl es eine relativ gute Ernte gab. Ich glaube, hier werden die Preise künstlich hoch gehalten; aber wenn wir die höheren Rohkaffee-Preise akzeptieren, unterstützen wir die Kaffeebauern in den Entwicklungsländern und sorgen für ein soziales Gleichgewicht“, ergänzt Meinl-Skrebensky. Auch Joost Wetzels von Santora Kaffeesysteme GmbH sieht den Robusta-Markt differenzierter: „Robusta wird immer in das „Schlechte-Eck“ gestellt, doch die Qualitäten werden immer besser; und da wir immer mehr Kaffee, zubereitet auf italienische Art, trinken, gewinnt der Robusta immer mehr an Bedeutung.“

Kaffeequalitäten beurteilen
Ob sich nun der Tassenpreis im Kaffeehaus verteuert, kann Martin Simon von der Hotel-Konditorei Simon in Bad Tatzmannsdorf noch nicht sagen, aber er weiß, dass er immer hochwertige Qualität, die derzeit zwischen 18 und 21 Euro/kg liegt, kauft. „Man spricht immer über Arabica und Robusta, aber was sich dahinter für Qualitäten verbergen, wissen viele Gastronomen nicht. Diese sollten so geschult sein, dass sie guten von schlechtem Kaffee unterscheiden können“, meint Martin Simon. Leopold Edelbauer, Institut für Kaffee-Experten-Ausbildung, ist davon überzeugt, dass der Verkauf über die Qualität sowohl dem Röster als auch dem Gastronom Vorteile bringt. „Wer über den Preis Marktanteile erhaschen möchte, ohne auf die Qualität zu achten, wird diese schnell wieder verlieren.“
Die Firma Meinl hat sich dazu verpflichtet, nur beste Qualitäten einzukaufen. „Wir wollen nicht alles über den Preis verkaufen. Wir schnüren für die Gastronomie eigene Point of Sale - Pakete, damit sie dem Gast die Kaffeequalität besser vermitteln können. Wir werden eine neue Kaffeeakademie vorstellen, wo wir Schulungen für die Gastronomen anbieten“, erzählt Skrbensky-Meinl.
Schmeckt dem Gast der Kaffee, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit einen weiteren ordern. „Nur wenn der Gastronom über das Produkt Kaffee mehr weiß, dieses richtig an der Maschine verarbeitet, die Maschine sauber hält, kommt guter Kaffee heraus, und er kann an diesem Produkt mehr verdienen“, ist Wetzels überzeugt.

Aber in der heutigen Zeit genügt es nicht, nur den Kaffee aus der Maschine herunterzulassen - der Gast erwartet mehr. Chef-Diplom Café Sommelier Martin Simon macht den Kaffeegenuss zum Erlebnis: „Wir servieren alle Alt-Wiener Kaffeespezialitäten, neben dem großen Braunen und der Melange auch einen überstürzten Neumann, Obermaier oder Maria Theresia. Wir bieten den Kaffee auch in der Karlsbader Kaffeekanne an. Ich komme mit dem Kaffeesommelierwagen zum Gast an den Tisch und flambiere zum Beispiel den Kaffee vor seinen Augen“, erzählt Simon.
Kaffee ist nicht gleich Kaffee
Die EU fordert eine verbesserte Lebensmittelkennzeichnung, doch beim Kaffee verzichtet man derzeit auf jede Kennzeichnungspflicht. „In den Kaffeepackungen ist nicht drinnen, was darauf steht. Bereits 2003 stellte die Arbeiterkammer Wien im Rahmen von Vorerhebungen fest, dass bei zwei von vier als 100% Arabica Bohnen bezeichneten Produkten die preiswertere Robusta Bohne mit in die Packung kam. Kaffeesieder fordern daher die Kennzeichnungspflicht für Kaffee.

Kennzeichnungspflicht
Wie soll diese Kennzeichnung nun aussehen? „Wenn ein Gastronom Arabica von Robusta nicht unterscheiden kann, kann es vorkommen, dass er die Katze im Sack kauft“, meint Martin Simon.
Der Gastronom sollte wissen, was er kauft. In Deutschland gibt es bereits eine Kaffeefirma, die auf den Kaffeepackungen den Anteil von Robusta ausweist. „Es ist ja nichts Schlechtes daran, wenn im Packerl auch Robusta drinnen ist, aber es sollte drauf stehen, damit sich der Konsument danach richten kann“, fordert Leopold Edelbauer. „Was auf der Packung ausgezeichnet ist, sollte für den Gastronom Sinn machen und ihm den Inhalt erklären, womit ich beim Thema wäre, dass 100 % Arabica noch nichts aussagt. Ohne Erfahrung können Sie eine frische Ernte von einem drei Jahre alten Kaffee nicht unterscheiden. Die Färbung alleine sagt noch nichts aus“, so Joost Wetzels.
Es geht im Wesentlichen auch darum, dass der Konsument die Kennzeichnung auch versteht. „Es kommt nicht darauf an, ob 30 % Robusta und 70 % Arabica auf der Packung steht. Jeder hat seine persönlichen Geschmacksvorlieben. Es kommt auf die Mischung an und woher die Bohnen kommen. Daher meine ich, wir sollten uns genau überlegen, was wir drauf schreiben, was wirklich die Qualität ausmacht, denn letztendlich kommt es auf die Ausgewogenheit von Geschmack, Körper und Säure an“, betont Jeannette Meinl-Skrbensky. Martin Simon fordert, dass es neben der Kennzeichnungspflicht auch eine gewisse Informationspflicht betreffend Säure oder Alkaloide geben sollte, denn auch aus medizinischer Sicht erhöht Koffein den Blutdruck und kann zu Unwohlsein führen. Dem hält Skrbensky-Meinl entgegen, dass beim Wein auch nicht darauf steht, dass er betrunken macht oder das Reaktionsvermögen herabsetzt. „Nur keine unnötige Bürokratie“, fordert Joost Wetzels abschließend.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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