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Der Kongress tanzt

12.05.2011

Österreich ist bei Kongressen Top Ten der Welt – jeder zehnte Städtetourist ist ein Tagungsgast. Österreich hat seine Position als internationale Kongress- und Tagungsdestination im abgelaufenen Jahr weiter gefestigt.

Wien hat sich zu einer Kongress-Weltstadt entwickelt, woran auch die Hofburg einen nicht unwesentlichen Anteil hat

„Wir sind immer unter den Top Ten und zählen zu den gefragtesten Veranstaltungsorten der Welt – 2010 haben wir uns um 2 Plätze auf den 8 Rang verbessert", sagte die Geschäftsführerin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, vergangene Woche bei der Präsentation der jüngsten Kongressstatistik. Rund 6.000 Kongresse und Firmentagungen mit über 860.000 Teilnehmern bescherten den heimischen Hotels im Vorjahr über 2 Millionen Nächtigungen. Jeder zehnte Städtetourist ist ein Tagungsgast.


Saisonunabhängig

Im Städtetourismus erreichten die Nächtigungen der Kongress- und Tagungsindustrie einen Anteil von mehr als 10 Prozent an den gesamten Übernachtungen. An allen Nächtigungen in Österreich stellten sie knapp 2 Prozent. „Wenn wir diese Veranstaltungen nicht hätten, müssten wir einen Herkunftsmarkt finden, der doppelt so viele Nächtigungen erzeugt wie die russischen Gäste", verdeutlichte Stolba die Bedeutung der Kongresswirtschaft für den heimischen Tourismus. Vor allem sei das Kongressgeschäft saisonunabhängig und besonders wertvoll für die Nebensaison. Die meisten Veranstaltungen finden im September, Oktober und November, aber auch im Mai statt. Die Masse seien nicht die großen Kongresse, sondern Kongresse mit 100 bis 500 Teilnehmern.

„2010 konnten wir bei der Anzahl der Events zulegen", sagte Stolba. Bei den Kongressnächtigungen ging sich aber dennoch nur ein leichtes Plus gegenüber dem Jahr davor aus. Die Veranstalter sind angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise kostenbewußter geworden – die Aufenthaltsdauer sei gesunken, doch die Wertschöpfung bleibe gleich. Die Kongressnächtigungen in der Bundeshauptstadt hätten sich 2010 sogar rückläufig entwickelt. „In Wien gibt es auch einen klaren Trend weg von 5-Sterne-Hotels, aber die wirtschaftliche Bedeutung reduziert sich dadurch nicht", betonte der Präsident des Austrian Convention Bureaus (ACB) Christian Mutschlechner. Die Tagesausgaben der Kongress­gäste sind mit rund 480 Euro (inklusive Anreise und Übernachtung) etwa 2- bis 2,5-mal so hoch wie jene der herkömmlichen Touristen.

Der Großteil der österreichweiten Veranstaltungen (2010: 71 Prozent) spielt sich in den Hauptstädten ab. „Kongresse und Tagungen sind primär ein städtisches Produkt", so Mutschlechner. Dabei seien Universitäten ein wichtiger Bringer von Veranstaltungen. „Viele Kongresse werden an Universitäten entwickelt." Am stärksten vertreten ist der Bereich Humanmedizin mit Ärztekongressen zu den verschiedensten Fachthemen (30 Prozent), gefolgt von Veranstaltungen aus Wirtschaft und Politik (21 Prozent).

„Bei der Anzahl der Veranstaltungen und der Teilnehmer ist Wien als Kongressdestination in Österreich weiterhin führend – gefolgt von den Städten Salzburg, Innsbruck und Graz. Allein in Wien sorgen die Kongresse und Tagungen für über 1 Million Nächtigungen. Beim Anteil der Kongressnächtigungen an den Gesamtnächtigungen in den Landeshauptstädten liegt aber Graz mit 9,81 Prozent an erster Stelle, knapp vor Wien mit 9,7 Prozent. Doch immerhin 7,2 Prozent der Kongresse wurden im Vorjahr außerhalb der Landeshauptstädte organisiert. „Der Markt sucht sich Perlen am Land heraus, um Veranstaltungen zu platzieren", so Mutschlechner.

Krisenresistentes Geschäft
Ein weiterer Vorteil des Kongresstourismus: Kongresse sind – was sich in den vergangenen Jahren bewahrheitet hat – ziemlich krisenrestistent. Auch wenn der normale Gast ausbleibt, kommen die Tagungsbesucher weiterhin, was nicht zuletzt auch an der relativ langen Vorlaufzeit einer Kongressorganisation liegt. Das bestätigt auch Josef Bitzinger, Obmann der Sparte Tourismus in der Wiener Wirtschaftskammer: „Der Kongresstourismus ist ein sehr langfris­tiges Geschäft, das zwar nicht von heute auf morgen aufgebaut werden kann, das man aber dadurch auch nicht so schnell verliert. Für Wien sind die Kongressgäste enorm wichtig und davon werden wir aller Voraussicht nach noch länger profitieren."

Grüne Kongresszukunft

Ein neuer Trend in der Kongressorganisation, in dem Österreich derzeit auch stark engagiert ist, sind „Green Meetings". Denn auch immer mehr Veranstalter von Kongressen und Messen setzen zunehmend auf Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und Sozialverträglichkeit. Anstatt Müllberge und Verkehrslawinen zu verursachen, zeichnen sich „Green Meetings" durch erhöhte Energieeffizienz, Abfallvermeidung und umweltschonende An- und Abreise der Gäste aus. Zentrale Aspekte sind auch regionale Wertschöpfung und soziale Verantwortung. Die Veranstaltung erhält damit ein positives Image bei der Bevölkerung, den Gästen und den Sponsoren. Die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit kann zur Kommunikation von Nachhaltigkeitsaspekten genutzt werden.

Mit dem österreichischen Umweltzeichen für „Green Meetings" wurde ein Gütesiegel geschaffen, das umweltbewusstes Management und soziales Handeln eines Meeting-Veranstalters nach außen demonstriert. Es zeigt auf, dass ein darauf spezialisiertes Unternehmen professionell agiert und über den Tellerrand hinaus zukunftsweisend denkt und handelt.

Kriterienkatalog
Anhand eines umfassenden Kriterienkatalogs muss ein Meeting in den folgenden Bereichen Vorgaben erfüllen: Angebote zu umweltverträglicher Anreise, Mobilität vor Ort und CO2-Reduktion, umweltfreundliche Unterkünfte, Auflagen für den Veranstaltungsort, das Catering und Messestandbauer, umweltfreundliche Beschaffung, Material- und Abfallmanagement, soziale Aspekte und Kommunikation. Ergänzend dazu wird mit wählbaren Soll-Kriterien vertiefend auf die spezifische Situation wie Größe, Angebot, Ausstattung oder Lage eingegangen. Außerdem werden Besonderheiten honoriert wie beispielsweise die ausschließliche Verwendung von Bio-Lebensmitteln bei der Verpflegung, spezielle Angebote für Angehörige oder Personen mit Behinderung. Auch das durchführende Unternehmen selbst muss seine Kompetenz in nachhaltiger Büroführung belegen. „Green" zertifizieren lassen können sich u. a. Kongresszentren, Agenturen oder auch Hotels.

 

www.acb.at

CKS  

 

 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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