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51 Reproduktionen der bekanntesten Werke der Kunstgeschichte sind bis Dezember in Wien zu sehen.

Der Louvre fürs Wohnzimmer

04.09.2018

Die Werke der „großen Meister“ der Renaissance sind als Replikate in der Wiener Votivkirche zu sehen. Eine wirkliche Bereicherung des touristischen Angebots? Die ÖGZ hat sich ein Bild gemacht.

 

Eigentlich ist Wien nicht zu dünn mit Werken alter Meister. Der Fürst von Liechtenstein musste vor einigen Jahren sogar eingestehen, dass seine durchwegs repräsentative Gemäldesammlung in einer Stadt, die das Kunsthistorische Museum und die Albertina beherbergt, einen schweren Stand beim Publikum hat. Womit also kulturverwöhnte Wiener Touristen und Einheimische locken?  

80.000 kamen 2016

Der Geschäftsmann Wolfgang Grimme und der Bühnenbildner Manfred Waba hatten da eine Idee. Bereits 2016 hängten sie exakte Print-Reproduktionen der weltberühmten Freskengemälde der Sixtinischen Kapelle des Vatikans in die Wiener Votivkirche. Durchaus erfolgreich. 80.000 Besucher kamen. Das macht Lust auf mehr, und so stehen sie nun da: „Große Meister“ (der italienischen Renaissance). Grimme und Waba präsentieren diese Ausstellung den Gästen für einen stolzen Eintrittspreis von 15,50 Euro (50 Cent mehr als im Pariser Louvre!) in der Wiener Votivkirche mit einer Nachbildung von Michelangelos „David“ (aus Florenz) und 50 Gemäldereproduktionen. Und dabei handelt es sich um so etwas wie die Starparade der Werke der Hochrenaissance: Man muss also nicht mehr nach Mailand, um Leonardos Abendmahl zu sehen, nicht nach Paris für die „Mona Lisa“ oder die „Felsengrotten-Madonna“, nicht in den Vatikan, um Raffaels „Schule von Athen“ zu sehen,  und nicht in die Uffizien für Botticellis „Geburt der Venus“. 
Mit dieser Ausstellung wolle man die Kunstwerke aus dem traditionellen Kunstbetrieb herausholen und für ein breites Publikum erlebbar machen, sagt Waba, der auch Mitbegründer der Opernfestspiele St. Margarethen war und dort bis 2014 als Bühnenbildner und künstlerischer Leiter gewirkt hat. Doch genau an diesem Punkt wird das Versprechen nicht eingehalten. Vielleicht wäre es tatsächlich egal, ob Originale oder gut gemachte Replikate zu sehen sind in den sehr repräsentativen Räumlichkeiten der Votivkirche.

Fehlender Faden

Aber letztlich fehlt der Ausstellung ein roter Faden, jegliche Dramaturgie. Abgesehen von einer Kurzinformation über die vier großen Meister am Eingang, fehlen die Werkerklärungen – und das zu Werken, über die ganze Bände geschrieben wurden. Die Besucher werden eher erschlagen von der Wucht der gezeigten Werke. Doch wo ist das Highlight in einer Schau, die nur aus Highlights besteht? Man läuft durch und zückt das Smartphone, um lustige Selfies vor möglichst vielen Werken zu machen: Reine Unterhaltung und ein bisschen Spaß und Protzerei für die Freunde auf Instagram – das ist letztlich der Profit für den Besucher. Das Angebot wird aber vielleicht gerade deswegen erfolgreich sein. Insofern setzen die Veranstalter, rein geschäftlich gedacht, wohl schon auf das richtige Pferd. Nur ein bisschen mehr hätte man rausholen können. Was wäre mit dem Einsatz von Virtual Reality oder Augmented Reality zur Kunstvermittlung? Klar, das ist bei einer temporären Ausstellung immer eine Kostenfrage, aber so wie die bis Dezember laufende Ausstellung derzeit funktioniert, sehen die „großen Meister“ eher alt aus.   

Autor/in:
Daniel Nutz
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